May
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Morgenpostkolumne 11. Mai 2008
Vor kurzem war ich in Polen. Ein Besuch bei der deutschen Minderheit in Oppeln/Opole. Das schöne Landschaftbild und die gepflegten Dörfer überdecken die ungeheuren Zumutungen der letzten 60 Jahre für ihre Bewohner. Die Muttersprache, die nicht mehr gesprochen werden durfte, die Unterdrückungsmechanismen der kommunistischen Diktatur, der Wegzug der mittleren Generation, die in Polen als Deutsche diffamiert wurden und in Deutschland als „Polacken“ nur als Arbeitskräfte willkommen waren - all das hat seine Spuren hinterlassen.
Aber wer nun denkt, er würde auf deprimierte hoffnungslose Menschen stoßen, der irrt. Es überwiegen die Freude an der schlesischen Heimat, die Wärme und Geborgenheit des Zusammenhalts - die trotz aller allzu menschlichen Konflikte überwiegt - und die Besinnung auf die eigenen Wurzeln. Wertigkeiten des Lebens nennt man das. Wenn eine Minderheit diese Stärken nicht selbst entwickelt hätte, damit sie in schwierigen Zeiten einen Halt hat, hätte sie auf Dauer nicht überlebt.
Mehrheiten vertrauen auf immer auf ihre Macht und Minderheiten auf ihre Stärken. Aber was ist auf Dauer eine Mehrheit und was ist auf Dauer eine Minderheit? Es gibt keine Sieger in der Geschichte! Momentan geht ein Gespenst um in Europa: das Gespenst der Demographie! Bei Vorträgen in Russland wurde es mir sehr deutlich. Die Mehrheit der Russen hat Angst davor in 20 Jahren im eigenen Land eine Minderheit zu sein. Denn die Kinder bekommen andere Volksgruppen und der Alkohol lässt die Lebenserwartung der Russen noch vor 60 Lebensjahren abkappen.
Was wird dann mit dem Väterchen Russland, fragen die Russen selbst ängstlich, wenn auf den alten Kirchen der Halbmond angebracht wird? Vielleicht eine etwas übertriebene Fragestellung, aber nur etwas! Die Kraft für die Gestaltung der Zukunft ist untrennbar mit der Besinnung auf tragende Werte und deren Prüfung auf zukünftige Lösungsmuster verbunden.
Aber ist das nicht ganz genau unser Fehler? Wir schaffen im Westen Bilder der Stärke, der Wichtigkeit, der Mächtigkeit, der zynischen Weltbetrachtung und halten eine Wertedebatte für überflüssig. Und so ist es kein Wunder, wenn viele das, was sie haben, mit dem verwechseln, was sie sind? Im angeblich christlichen Abendland stehen uns in der Gefahr einfachste menschliche Beziehungen zu materialisieren. Wir verwechseln Produktivität mit Identität. Freiwillig ‐ ohne dass staatlicher Druck dahinter steht.
Aber warum feiern wir dann eigentlich das Pfingstfest? Zumindest erinnert es uns daran, welch Geistes Kind wir sind. Schönes Pfingstwetter geht vorbei, aber unsere Probleme bleiben.
Oder?
Filed Under Deutschland, Religion in der modernen Gesellschaft
May
8
Glückwunsche zu Israels Sechzigstem auch aus Teheran: Der Nachrichtenagentur AFP zufolge bezeichnete Ahmadi-Nejad in seiner Grussbotschaft den jüdischen Staat als “verwesende Leiche und tote Ratte”, der ausserdem “dem Untergang geweiht” sei. Im Krieg der Hisbollah gegen Israel 2006 habe das libanesische Volk Israel eine Niederlage bereitet, sodass dieses nun “wie eine tote Ratte” beginnen werde, zu verwesen.
Na, wenn das mal nichts weiter als eine konstruktive Kritik an der israelischen Besatung war. Professor Cole, übernehmen Sie!
+++Nachtrag 22:40 Uhr+++
Falls wieder einmal jemand meint, besser Persisch zu können als die Mullahs: Die iranische Nachrichtenagentur IRNA bestätigt in ihrer englischen Onlineausgabe die Äusserungen Ahmadi-Nejads:
Addressing Majlis representatives, he said (…) the usurper and fabricated regime is moving towards annihilation.
(…) after the Lebanese nation slapped it in the face, they are like dead rats.
(…) “If some think that they can make any change in the global calculations, they are in mistaken because nations around the world will bury them ,” concluded President Ahmadinejad.
+++Nachtrag 23:10 Uhr+++
Ein trefflicher Kommentar von Michael Rubin findet sich hier:
Of course, University of Michigan professor Juan Cole will translate this tomorrow as “Israel will produce excellent top soil and is on its way to rebirth.”
Filed Under Der ewige Antisemitismus, Iran, Israel
May
8
… und bleibe weiterhin allen Neidern ein Dorn im Auge!
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מזל טוב!
Filed Under Israel
May
4
“Eins sollten aber alle Katholiken ihrem geistlichen Oberhaupt laut und deutlich und öffentlich sagen: Dieses verlogene Dokument der Verbrüderung mit einem Regime, das vermeintliche Ehebrecherinnen steinigt, Schwule an Baukränen erhängt, den Massenselbstmord als politische Waffe erfunden hat, hinter Tausenden von Terrorakten weltweit steckt, den Holocaust leugnet und mit der Fatwa gegen Salman Rushdie klar gemacht hat, dass es die Meinungsfreiheit auch im Westen nicht dulden wird - dieses Dokument ist inhaltlich nicht das Papier wert, auf dem es steht, und politisch schlimmer noch als das Konkordat mit Adolf Hitler.”
schreibt Alan Posener in der ‘Welt’ angesichts des in der Tat törichten Unterfangens des Vatikans, sich für den interreligiösen Dialog gerade Vertreter eines der hässlichsten Regime im Nahen Osten auszusuchen. Dass Glaube und Vernunft sich nicht ausschliessen, ist sicherlich richtig, aber dies gilt nicht in Bezug auf eine theokratische Diktatur, aus deren Reihen ein ranghoher Kleriker noch kürzlich allen Ernstes forderte:
“Solange in Universitätslehrbüchern Physik anstelle der göttlichen Schöpfung unterrichtet wird, ist die Islamisierung der Universität ohne Bedeutung.”
Von den exorbitanten Menschenrechtsverletzungen, die in der Islamischen Republik systematisch und auf Rechtsgrundlage begangen werden, ganz zu schweigen. Möglicherweise jedoch ist dies keine Naivität der Katholischen Kirche, sondern die Konsequenz aus einem Antimodernismus, den sie nie ganz abzuschütteln vermochte und der in einem fortgesetzten Antikapitalismus seinen Nachhall findet. In den Worten von Benedikt XVI.:
“Der Wohlstand lässt uns unmenschlich werden, die Vergnügung ist zur Entfremdung, zur Droge geworden; und der monotone Werbespot dieser Gesellschaft ist die Einladung, im Egoismus zu sterben.”
Da sind sie wieder: die Schnittmengen.
+++Update 5.5.2008+++
Die marxistische Zeitung ‘junge welt’ weist auf ein bemerkenswertes Detail hin:
Sogar der Papst meldete sich zu Wort. In einer Enzyklika heißt es: »Marx hat mit eingehender Genauigkeit, wenn auch parteilich einseitig, die Situation seiner Zeit beschrieben und mit großem analytischen Vermögen die Wege zur Revolution dargestellt.« Benedikt XVI. entfernt sich mit dieser Marx-Würdigung von einer Verketzerung seiner Ideen durch die katholische Kirche – ein höchst beachtlicher Vorgang.
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Siehe auch:
- In unseren Kirchen…, 31. März 2007,
- Als islamophob…, 22. September 2006,
- Die Regensburger Schule, 20. September 2006.
Filed Under Aus dem Tollhaus, Religion in der modernen Gesellschaft
May
4
Der Oskar Lafontaine hat ja immer gewusst, dass es “Schnittmengen zwischen linker Politik und islamischer Religion” gibt, die vor allem darin bestehen, dass man in einem “übersteigerten Individualismus”, diesem Ausdruck der Dekadenz westlicher Gesellschaften, einen gemeinsamen Feind findet. Darum zeigt jetzt der iranische Präsident Ahmadi-Nejad, dass das Diktum Lafontaines keineswegs nur so daherschwadroniert war, sondern dieser sich auf sein Alter Ego in Teheran verlassen kann.
Vor einer Gruppe von Universitätsgelehrten machte Ahmadi-Nejad deutlich, was er vom Kapitalismus hält: “Die wirtschaftliche Stagnation, die ihr heute in Amerika seht, ist der Anfang vom Ende des Neo-Kolonialismus auf dieser Welt, demgegenüber es unsere Verpflichtung ist, bereit zu sein und den Entwurf für ein neues System vorzulegen.” Das neue System, mit dem die Welt beglückt werden soll, ist der politische Islam, der als holistisches Konzept auf allen Gebieten zur Anwendung kommen müsse, nicht nur auf dem der Ökonomie.
Die einer zunehmenden Gleichschaltung unterliegenden Universitäten des Iran seien “als authentischste Universitäten der Islamischen Welt” dazu berufen, eine politische Theorie auszuarbeiten, die das herrschende Weltsystem, das im Zerfall begriffen ist, von Grund auf zu verändern. Folgerichtig sieht Ahmadi-Nejad in den Wirtschaftssanktionen gegen sein Land auch mehr Nutzen als Schaden, werden so doch “die verschlungenen Kanäle, die unsere Ressourcen und unser Kapital nach ausserhalb unseres Landes befördern, geschlossen.”
Das einzige, was ein Land voranbringe und auf den Weg des Fortschritts führe, so Ahmadi-Nejad weiter, sei die Arbeit. Darum auch sei es für den Iran, der für Ahmadi-Nejad zu den drei bis vier bedeutendsten Ländenr der Welt gehöre, so wichtig, nach der Nukleartechnologie zu streben, die zu erlangen die Welt den Iran nicht hindern könne: “Die Kultur und der Geist des Islam sind mit der herrschenden Idee und dem Kapitalismus, der Arbeit und Arbeiter als Mittel zum Füllen der Taschen einiger weniger benutzt, unvereinbar.”
Na, ist das nicht reiner Laftontaine?
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Siehe auch:
- Der Sokrates unserer Tage, 27. April 2008,
- Prügel statt Wissenschaft, 4. Februar 2008,
- Iran: Kulturrevolution schreitet voran, 2. Dezember 2007,
- Zweite Kulturrevolution an iranischen Universitäten, 7. September 2006,
- Schutz-Schildbürger, 4. April 2006,
- “Das Pendel schlägt zurück”, 15. März 2006.
Filed Under Antiamerikanismus, Der freie Markt, Die Moderne und ihre Widersacher, Die Welt des Islam, Globalisierung, Iran
Apr
28
Was die USA von Europa unterscheidet:
Three-quarters of Americans say they are proud to be Americans; only one-third of the people in France, Italy, Germany, and Japan give that response about their own countries. Two-thirds of Americans believe that success in life depends on one’s own efforts; only one-third of Europeans say that. Half of Americans, compared to one-third of Europeans, say belief in God is essential to living a moral life.
Und was die USA den Europäern voraushaben:
Understanding freedom is a matter of no small importance. The Founders believed that it was one of at least three fundamental rights from God, along with life and the pursuit of happiness. These three rights are interrelated: not only does liberty, of course, depend on life, but the pursuit of happiness depends on liberty. In fact, evidence shows that freedom and happiness are strongly linked. (…)
The data and evidence don’t prove that all kinds of freedom bring equal happiness, or that more freedom is always better than less. For example, what about economic freedom? Pundits and politicians on the left often tell us that a free economy makes for an unhappy population: the disruptions of capitalism make us insecure, and we would prefer the security of generous welfare programs and national health care. But for most people, it turns out, that isn’t true. (…)
In a 2006 survey asking if respondents endorsed the right of people with antireligious views to speak publicly, those who said “no” were a third likelier than those who said “yes” to say that they were not too happy. In other words, religious tolerance—even tolerance of anti-religiousness—is strongly linked with happiness.
Unbedingte Leseempfehlung.
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Siehe auch:
- Religion und Moderne: Der amerikanische Weg, 11. Januar 2008,
- Vernunft, Freiheit, Verfassung und Religion in den USA, 23. April 2007,
- Die Geburt Amerikas, 1. Mai 2006,
- Zweierlei Demokratieverständnis, 22. Oktober 2005.
Filed Under Der freie Markt, Die Werte der Bürgergesellschaft, Europa wächst zusammen, Religion in der modernen Gesellschaft, Transatlantische Missverständnisse, USA
Apr
28
Die Linkspartei geniesst mittlerweile den meisten Zuspruch im Osten, so eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid. Eine Kostprobe des Sachverstandes, der in der Linkspartei vorherrscht, gibt uns Sahra Wagenknecht in der ‘Süddeutschen’:
Wagenknecht: Als Jugendliche habe ich in den Ferien Post ausgetragen oder Tomaten geerntet. Letzteres war eine nachhaltige Erfahrung. Nach dem ersten Tag konnte ich nicht mehr stehen und sitzen. Ich verstehe jeden, der heute nicht bereit ist, für einen Hungerlohn Spargel zu stechen.
SZ: Bei Ihrem Gehalt können Sie jeden Monat 1000 Euro zurücklegen. Kaufen Sie Aktien?
Wagenknecht: Nein, denn dann müsste ich mich freuen, wenn Firmen Leute rauswerfen, dann steigt ja der Kurs.
Und so sieht die Realität des angeblich neoliberal unterwanderten Sozialstaates aus:
Während die Koalition vom Mindestlohn nicht lassen will, zahlt der Staat mehr als 100.000 im Öffentlichen Dienst Beschäftigten Billiglöhne. Zugleich trickst der Sozialstaat bei der Arbeitslosenstatistik: So stehen den 3,7 Mio. Arbeitslosen des Jahres 2007 insgesamt 6,34 Mio. Leistungsbezieher von ALG II gegenüber, die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen ist also erheblich höher.
Der regulierungswütige Umverteilungsstaat verursacht zudem 52% der Arbeitskosten, womit Deutschland mit an vorderster Stelle unter den Industrieländern gehört. Nur Belgien und Ungarn belasten die Arbeitnehmer noch stärker. Das Kapital sucht sich andere Orte, an denen es willkommen ist.
Und die Steuergewerkschaft fordert, 10.000 neue Stellen in der Steuerverwaltung zu schaffen.
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