Kuschelkapitalisten

By Michael Kreutz · June 20, 2005

Warum weniger Regulierung auf dem Arbeitsmarkt nicht grössere Unzufriedenheit bedeuten muss, zeigt Inga Michler in der WELT. Die “soziale Gerechtigkeit”, in deren Namen Gysi, Lafontaine, Nahles & Co. eine stärkere Umverteilung fordern, ist offensichtlich in einem überbordenden Sozialstaat nicht zu bekommen:

Verteilt wird hierzulande keineswegs nur von oben nach unten. Die Transferströme gehen kreuz und quer durch alle Bevölkerungsschichten. Das Ergebnis ist erstaunlich: Die Gutverdiener sind in Deutschland kräftig an den Sozialleistungen beteiligt. Die reichsten 30 Prozent der Bevölkerung erhielten in den neunziger Jahren nach einer Studie der OECD-Ökonomen Michael Förster und Mark Pearson 30,7 Prozent der staatlichen Sozialzahlungen. Die unteren 30 Prozent bekamen kaum mehr: 31,7 Prozent. In den USA dagegen flossen immerhin 41,4 Prozent an das ärmste Drittel. Die Reichsten kassierten weniger als 25 Prozent.

Angesichts der Erfahrung, dass der Ruf nach Umverteilung schnell in Forderungen nach noch mehr Umverteilung mündet, kristallisiert sich der Unterschied zwischen den USA und Europa klar heraus, wenn es um die individuelle Befindlichkeit geht:

Kein Schutz vor Kündigungen, keine Versicherung bei Arbeitslosigkeit, kaum ein soziales Netz und unsichere Renten - die Amerikaner sind dennoch nicht von Sorgen und Zukunftsängsten geplagt. Sie erscheinen in Umfragen regelmäßig optimistischer als die Deutschen. Das mag an der amerikanischen Wesensart liegen, kann aber auch mit dem Gefühl zu tun haben, in einem prosperierenden Land zu leben mit einer Wirtschaft, die nach persönlichen Schlägen wie dem Verlust des Arbeitsplatzes oder einer Firmenpleite schnell neue Chancen bietet.

Die Bedeutung einer Chancengesellschaft für die individuelle Existenzsicherung macht auch Thomas Sowell vom Capitalism Magazine deutlich:

Many people at all levels of society, including the richest, have at some point or other worked at jobs that had no promotions ladder, so-called “dead-end jobs.” The founder of the NBC network began work as a teenager hawking newspapers on the streets. Billionaire Ross Perot began with a paper route.

You don’t get promoted from such jobs. You use the experience, initiative, and discipline that you develop in such work to move on to something else that may be wholly different. People who start out flipping hamburgers at McDonald’s seldom stay there for a full year, much less for life.

Nicht ohne Grund befand Ludwig Erhard, dass die Marktwirtschaft in sich schon sozial ist und nicht erst dazu gemacht werden muss.

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