Reformfähigkeit der Islamwissenschaften? (II)
Seit längerem schon wird über die Methodik der Islamwissenschaft debattiert – zu nennen wären hier vor allem Beiträge von Tilman Nagel und Marco Schöller – und damit über die Zukunft des Faches. Der Religionswissenschaftler Karl-Heinz Ohlig wirft nun der etablierten Islamwissenschaft vor, sich bislang zu wenig der historisch-kritischen Methode geöffnet zu haben (FAZ von gestern, leider nicht online).
Während der Aufklärung, so Ohlig, habe man in Europa gelernt, die Religion mit hermeneutischer Vorsicht zu geniessen. Diesen Prozess hat seiner Ansicht nach nicht nur die islamische Theologie, sondern auch die westliche Islamwissenschaft noch vor sich. Zwar gibt es in der arabischen Welt zunehmend Denkansätze, “den Koran und seine Aussagen im Gebiet historischer Fakten zentrieren” zu wollen, aber diese erfahren heftigen Widerstand, zumal sie nicht “aus der Fülle einer kritischen Wissenschaftstradition” schöpfen können. Hier setzt Ohligs Kritik an der westlichen Islamwissenschaft an: Diese nämlich habe sich bisher als unfähig erwiesen
“…den Reformdenkern substantiell zuzuarbeiten, weil sie selbst die historisch-kritische Methode nicht anwendet, so daß der große Rahmen der Tradition immer noch unangetastet bleibt.”
Mit Ignaz Goldziher, einem der Urväter der Islamwissenschaft, warnt Ohlig davor, die Quellen zur Prophetenvita (die allesamt erst nach dem Tod Mohammeds verfasst worden sind), allzu wörtlich zu nehmen, doch
“Leider wurde der Aufruf zu einem historisch-kritischen Umgang mit den Quellen in der Islamwissenschaft seither nicht befolgt, von einzelnen Beiträgen abgesehen, die hierzulande nicht oder nur marginal rezipiert wurden. Beinahe jede neuere Publikation bietet das Leben Mohammeds und die weitere Geschichte in Anlehnung an die muslimische Literatur des neunten und zehnten Jahrhunderts.”
Ohlig kommt nach einem Exkurs zur Münzkunde dann auf einen neueren Forschungsansatz zu sprechen, der in Deutschland vor allem mit dem Namen Christoph Luxenberg (ein Pseudonym) verbunden ist: Der Frage nach einem syro-aramäischen Substrat des Islam. Der Name Muhammad, so wird vermutet, war demnach ursprünglich ein christologischer Titel, der später von Jesus gelöst und auf den arabischen Propheten übertagen wurde. Möglicherweise stammen die Anfänge des Islam überhaupt nicht von der Arabischen Halbinsel, sondern müssen im äussersten Osten Mesopotamiens gesucht werden, wo eine syrischen Christentum vorhanden war, das die Beschlüsse des Konzils von Nicäa nicht kannte. Für sie war Jesus der Prophet, der “Gepriesene” (Ar. “muḥammad”).
Hier liessen sich weitere Beispiele anbringen, die Ohlig nicht erwähnt, v.a. aus dem Bereich des Judentums, aber lassen wir das. Ohlig moniert
“Leider gibt es bis heute keine historisch-kritische Koran-Exegese. Die Islamwissenschaft blockiert sich selbst durch dogmatische und unhistorische Vorgaben: alle Sprüche des Koran gehen auf Mohammed zurück; seine Predigt wurde unter dem Kalifen Osman gesammelt; die heute gebräuchliche Koranausgabe stimmt mit dem Osmanschen Koran überein; der Korantext bietet reines Arabisch.”
Naja, ganz so ist es nicht. Wenigstens wäre hier die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften zu nennen, die ein Projekt namens Corpus Coranicum in Angriff zu nehmen beabsichtigt, dessen Ziel die textgeschichtliche Dokumentation und eine historisch-kritische Kommentierung des Koran ist. Aber einen gewissen Mangel an Zivilcourage, wenn es darum geht, Forschungswege zu beschreiten, die am Ende zu einem Bruch mit dem traditionellen Bild des Islam führen könnten, sehe ich durchaus. Die Frage ist allerdings, ob es überhaupt die Aufgabe einer Wissenschaftsdisziplin sein kann, Reformdenkern “zuzuarbeiten”. Wichtiger wäre es wohl erst einmal, in den islamischen Ländern eine gesellschaftliche Atmosphäre zu schaffen, die solche Themen überhaupt offen zu diskutieren zulässt. Das aber kann nicht von ausserhalb kommen.
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Siehe auch:
• Reformfähigkeit der Islamwissenschaften?, 25. Oktober 2006.
Ähnliche Beiträge:
- Reformfähigkeit der Islamwissenschaften?, October 25, 2006
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- Orwelliana # 734, June 24, 2007
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23 Responses to “Reformfähigkeit der Islamwissenschaften? (II)”
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Der Artikel von Karl Heinz Ohlig heißt
Wir müssen uns wehren
Appell für eine neue Islamwissenschaft
Leider läßt sich die online Redaktion der FAZ nicht bewegen, diesen Artikel freizugeben. Vielleicht sollten mehr Leser anrufen. Wer suchet, der findet auch so.
Die Münzen sind ein entscheidendes Argument. Nachzulesen, wenn Sie als Suchworte “Volker Popp” und imprimatur verwenden.
Ein noch gewichtigeres Argument ist die geringe Aufmerksamkeit der zeitgleichen orientalischen Christen, die unter dem Islam lebten und sich trotzdem nicht mit ihm auseinandersetzen. Das ist doch merkwürdig. Da betritt eine neue politische mächtige Religion die Welt und die Untertanen erwähnen sie nur beiläufig, als wäre nichts passiert.
Der Islam war somit keine neue Religion, sondern eine Strömung des Christentums, die die Dogmen der Konzile ablehnte. Das sie kriegerischer war, ist logisch. Einerseits wurden diese Christen verfolgt, andererseits lebten sie von vornherein im Kampfgebiet zwischen Ostrom und den Persern. Also unter den gleichen Bedingungen wie das antike Israel oder später die Sikhs. Hinzu kommt die apokalytische Strömung, die im Christentum durch Kriege und Seuchen im spätrömischen Reich entstand und durch den Kontakt mit der Gnosis und dem persischen religiösen Denken verschärft wurde.
Dass der Islam ursprünglich “eine Strömung des Christentums” war, kann nicht ernsthaft behauptet werden. Zu fragen wäre vielmehr nach dem Einfluss syrisch-christlicher und syrisch-jüdischer Quellen, i.W.S. auch hellenistischer Elemente. Es liegt nahe, dass z.B. der Beiname “faruq” für Umar ursprünglich von dem jüdischen Titel “purqan” stammt, oder dass die koranische Bezeichnung für Mekka als “umm al-qura” (w. “Mutter der Städte”) eine Lehnübersetzung des hellenistischen “Metropolis” sein könnte. Hier gibt es noch viel zu erforschen.
Das muss nicht viel heißen. Umgekehrt waren z.B. in Indien hindus und Muslime, die sich mit dem Christentum beschäftigten eine große Ausnahme.
1. Die Frage ist ganz einfach. Gab es frühchristliche Strömungen, in denen Christus die Rolle wie im Islam einnimmt? Die gab es und ihr geographischer Schwerpunkt waren die östlichen Provinzen des römischen Reiches und das Grenzgebiet zu den Persern. So ein Zufall aber auch.
Mohammed war ursprünglich ein orientalischer Beiname für Jesus.
2. Die frühchristlichen Theologen haben sich mit sehr vielen geistigen Strömungen und Religionen auseinandergesetzt. Da sollte ausgerechnet der Islam eine Ausnahme sein? Das klingt sehr sehr unwahrscheinlich.
@ Libero: Es gibt viele Anzeichen für einen syrisch-christlich-jüdischen Einfluss auf den Urislam, nur rechtfertigt das nicht die Behauptung, der Islam sei ursprünglich “eine Strömung des Christentums” gewesen.
Wollen wir wetten? Laufzeit der Wette 30 Jahre. Bis dahin steht der Beweis dieser Hypothese. Da leben wir beide noch.
Der Islam war ursprünglich eine von christlichen aus Sicht der Amtskirche Häretikern geschaffene Religion, die sich, ähnlich wie die jüdische Religion, einen Gründungsmythos und in einer Rückprojektion eine mythische Gründungsgestalt schuf, die durchaus auf einen realen Menschen zurückgehen kann. Im Prinzip ist der Islam aus einem ähnlichen Abschnürungsvorgang entstanden wie das Christentum aus der jüdischen Religion.
Der archäologisch klare Beweis wird nur dadurch gehemmt, daß die meisten Gegenden, in denen Funde möglich wären, heute islamisch sind. Aber, selbst wenn sie vorislamische Stätten vernichtet haben, einige werden sie übersehen und das Klima konserviert ausgezeichnet.
So sonderlich originell ist diese Hypothese nun wirklich nicht.
Lieber Libero, Sie kennen augenscheinlich den Unterschied zwischen Faktum und These nicht. Ihre These mag ja irgendwann einmal von der Forschung verifiziert werden, aber solange das nicht geschehen ist, können Sie sie nicht einfach als Tatsache behaupten.
> Gab es frühchristliche Strömungen, in denen Christus die Rolle wie im Islam einnimmt?
Entsprechend dem heutigen Kenntnisstand nicht.
Paul von Samosata wäre hier zu nennen.
> noch bis zum Anfang des 4. Jahrhunderts konnte sich eine Gemeinde von ‘Paulianisten’ mit Paul als Bischof halten.
Kommt zeitlich nicht hin. Küng wärmt ja auch die These von den Judenchristen auf, Belege, hat er aber, wenn ich mich recht entsinne keine.
Außerdem:
Lieber Herr Kreutz
1. weil ich diesen Unterschied nicht kenne, verwende ich den Begriff Hypothese. Das ist sehr einleuchtend.
2. Christen mit solchen Glaubensvorstellungen gab es und da sind nicht nur die Paulianer zu nennen. Kann verstehen, daß das Thema Katholiken und anderen Christen nicht gefällt.
2. Das Christentum hatte sich über die Grenzen des römischen Reiches ausgebreitet. Selbst ein Teil der Mongolen waren Christen. Auch Türken, die danach Moslems wurden. Es ist anzunehmen, daß vor allem Christen aus dem römischen Reich flohen, die diese Konzildogmen nicht akzeptierten.
3. Die meisten schriftlichen Spuren von Häretikern, denen die Kirche habhaft wurde, wurden vernichtet. Zumindest da, wo sie die Macht dazuhatte. Was wir von Ihnen wissen, wissen wir nur aus den Schriften ihrer Gegner.
4. Können Schriften aus dieser Zeit überdauert haben? Prinzipiell ja. Problem ist nur, daß diese Fundstätten heute in islamischen Ländern liegen. Es ist ja wohl logisch, daß die Moslems selbst nicht das mindeste Interesse an der Bestätigung dieser Hypothese hatten. Ich nehme an, deswegen auch die Verlagerung auf Mekka und die vielen Geschichten über Mohammed. Wer soll das schon auf die Idee kommen, daß alles im weitentfernten Syrien und Irak begann. Trotzdem ist es möglich, das die Zerstörer einiges übersehen haben. Verfolgte ziehen sich in unzugängliche Gegenden zurück und die gibt auch in diesen Ländern reichlich. Grund genug, optimistisch zu sein
5. Ich habe den Eindruck, daß Ihnen beiden und sicherlich vielen anderen eine solche Verwandschaft mehr als unangenehm wäre. Ich sehe das relativ gelassen, wahrscheinlich auch deshalb, weil ich Christus ebenfalls nur als Gesandten Gottes, nicht aber als Sohn Gottes ansehe und damit der Lehre des Frühchristentums viel näher stehe als sie beide.
Am nächsten kämen dem Islam in dieser Hinsicht die Arianer, die gab es um 600 aber nur noch unter Goten und Langobarden…
Zumindest ein Teil der Arianer. Wo waren Goten und Langobarden zum Zeitpunkt der Mission. Außerhalb des römischen Reiches. Das sich die Dogmen der orientalischen und afrikanischen Kirchen später veränderten, ist kein Wunder. Nehmen Sie nur die Katharer und welche Wandlungen deren Glaubenslehren durchmachten.
> Das Christentum hatte sich über die Grenzen des römischen Reiches ausgebreitet. Selbst ein Teil der Mongolen waren Christen. Auch Türken, die danach Moslems wurden. Es ist anzunehmen, daß vor allem Christen aus dem römischen Reich flohen, die diese Konzildogmen nicht akzeptierten.
Völlig richtig, aber das nestorianische Christentum, das sich im Sasanidenbereich und darüber hinaus ausbreitete ist gut belegt, existiert bis heute und ist nicht mit dem Islam identisch…
> Ich nehme an, deswegen auch die Verlagerung auf Mekka und die vielen Geschichten über Mohammed.
Das ist vielleicht die eigentliche Crux. Wie soll irgend jemand auf die Idee kommen, ein völlig unbedeutendes Kaff ins Zentrum einer Religion zu rücken.
Des Weiteren sind etwa 100 Jahre nach dem Tode Muhammads in den christlichen Erwiderungen des Johannes von Damaskus bereits wesentliche Elemente des Islams, die bis heute bestehen, erwähnt. Da der Autor um 650 geboren wurde, müsste er eigentlich mitbekommen haben, wenn das etwas völlig Neues zusammengebastelt wird. (PDF, S. 5), eine bessere Zusammenfassung finde ich nicht im Netz.
> Wo waren Goten und Langobarden zum Zeitpunkt der Mission.
In Europa, nicht östlich von Mesopotamien.
> Das ist vielleicht die eigentliche Crux. Wie soll irgend jemand auf die Idee kommen, ein völlig unbedeutendes Kaff ins Zentrum einer Religion zu rücken.
Das ist doch eigentlich logisch. Um die Ursprünglichkeit zu betonen. Sich einen Gründungsmythos zu schaffen, der weder auf das Christentum noch auf das Judentum zurückgeht. Also Distanz zu Damaskus und Jerusalem.
Das die Nestorianer nicht den islamischen Dogmen nahestehen, weiß ich auch. Aber die Nestorianer waren nicht die einzigen Christen, die das römische Reich verliessen.
Sie sehen das alles als rein religiöse Wandlungen an. Es gibt auch aber andere Motive für Wandlungen. Sie wissen, daß die Oberschicht der Chasaren zum jüdischen Glauben übertrat. Das wäre Religion. Nehmen wir Sprache. Viele Ladiner über- nahmen nicht die Schwestersprache Italienisch bzw Lombardisch, sondern das gänzlich andere Deutsch.
Warum macht man das?
Um sich gegen Umgebung abzugrenzen. Um sich als entstandenes “Staatswesen” oder Herrschaftsgebiet nicht nur politisch sondern auch religiös von dem christlichen Rom zu unterscheiden. Selbst wenn man politisch unabhängig war, so war man es immer noch religiös. Außer man distanziert sich masssiv von einem Glaubensdogma.
Jesus nur als Prophet Gottes war eine solche Abgrenzung.
Das kann durchaus sein, daß es im Kern nur eine kleine Splittergruppe der Arianer war, die ein sehr radikales monotheistisches Dogma vertrat. Der jüdische Glaube kennt ja auch keinen Gottessohn? Oder irre ich mich.
> Das kann durchaus sein, daß es im Kern nur eine kleine Splittergruppe der Arianer war, die ein sehr radikales monotheistisches Dogma vertrat.
Natürlich kann das nicht völlig ausgeschlossen werden. So lange Sie aber überhaupt keinen Beleg für die Existenz von Arianer in der betreffenden Epoche und im betreffenden Raum anführen könnten, dürfen Sie nicht beanspruchen ein plausibleres Geschichtsbild anbieten zu können.
@ Libero: Sie sprechen von Hypothese, obwohl sie zuvor noch so getan haben, als sei ihre Vermutung schon längst gesichterte Tatsache. Dass Sie jetzt meine und Martin Riexingers Religionszugehörigkeit (”Kann verstehen, daß das Thema Katholiken und anderen Christen nicht gefällt”) ins Spiel bringen, bedeutet eine Abkehr von dem Niveau, das Ihre Kommentare bislang auszeichnete. Das meinen Sie doch nicht im Ernst, dass wir religiöse Vorbehalte gegenüber wissenschaftlichen Theorien hegen??
Hätten Sie meinen Blogbeitrag überdies sorgfältig gelesen, so wäre Ihnen nicht entgangen, dass ich der Forderung Ohligs nach einer Öffnung der Islamwissenschaft für die textkritische Untersuchung des Koran sehr aufgeschlossen gegenüberstehe – in meinen eigenen Worten: “…einen gewissen Mangel an Zivilcourage, wenn es darum geht, Forschungswege zu beschreiten, die am Ende zu einem Bruch mit dem traditionellen Bild des Islam führen könnten, sehe ich durchaus.” Womit ganz deutlich gesagt ist, was ich über Ohligs Ausführungen denke. Lediglich dort, wo Ohlig sich eine Zuarbeitung für Islamreformer wünscht, folge ich ihm nicht mehr.
Darum noch einmal: Es gibt starke Indizien für einen syrisch-christlich-jüdischen Einfluss auf den Islam, aber im einzelnen fehlt für manche Vermutung eben doch noch der Beweis. Das heisst aber NICHT, dass es diese Beweise nicht gäbe – es heisst nur, dass die Forschung schlicht und einfach noch einiges zu tun hat. Das sagt Ohlig ja auch (z.B. nimmt er an, dass die ältesten koranischen Materialien aus Ostmesopotamien stammen); er will in eine Richtung weisen und keine Forschungsergebnisse antizipieren. Ich habe keinen Zweifel, dass sich manche These dann als wahr erweist.
Ich habe in meiner Zeit an der Hebräischen Universität Jerusalem viel über den jüdischen Einfluss im Koran erfahren dürfen – v.a. durch Prof. Moshe Sharon–, was ich später zur Grundlage meiner Disputation gemacht habe. Aber bei manchen Themen gibt es eben auch so etwas wie eine wissenschaftliche Debatte. Zumindest über das Ausmass syrisch-christlich-jüdischen Einflusses gibt es noch keinerlei wissenschaftlichen Konsens.
M.E. ligt die Vernachlässigung des frühen Islam aber nicht nur an mangelnder Zivilcourage. Es hat schlicht und einfach auch damit zu tun, dass man es mit sehr wenigem und sehr widersprüchlichem Material zu tun hat, das zudem philologisch sehr schwer zu bearbeiten ist. Dies zeigt sich auch in dem Text von Ohlig, der ein syrisch-aramäisches Postulat voraussetzt, wobei er sich aber auf Patricia Crone beruft, die (mit ihrem Partner Michael Cook) in ihrem Buch “Hagarism” den Ursprung des Islam in einer jüdischen Sekte sah.
Inzewischen hat sie ihren Ungestüm ohnehin gemäßigt, wie ich vor Monaten schon bemerkte.
Wie mein Tübinger Professor Halm zu sagen pflegte: “Da lese ich lieber meine mamlukischen Chroniken, da weiß ich für jeden Tag, wie in Kairo das Wetter war.”
lieber Herr Kreutz,
diese Hypothese auf der Grundlage der gegenwärtig bekannten Texte zu beweisen, dürfte schwierig sein. Dazu müßten erheblich mehr Texte aus dem 4. bis 8. Jahrhundert bekannt sein. Das ist sicherlich der Haken an dieser Hypothese
Die Länder, in denen man nach diesen neuen Texten suchen müßte, sind heute alle islamisch. Der islamische Klerus wird alles tun, um den Beweis dieser Hypothese zu verhindern. Ob der christliche Klerus ein Interesse am Beweis hat, bezweifele ich ebenfalls.
Das wäre die pessimistische Sicht.
Was wäre die optimistische Sicht?
Artefakte können in dieser Weltregion sehr lange erhalten bleiben und es gäbe genügend denkbare Verstecke für solche Artefakte.
Was spricht für die Existenz einer solchen Splittergruppe?
Beide Religionen neigten zu Beginn, wenn nicht immer, zur Sektenbildung, die eine wiedersprüchliche Vielfalt von Glaubensinhalten erzeugte. Eigentlich wurde fast alles und das Gegenteil geglaubt, um es mal überspitzt zu sagen. Ob wir aus der Sicht von heute diese Menschen als Christen oder als Moslems bezeichnen würde, ist dabei nicht entscheidend. Entscheidend ist, ob sie sich damals so empfanden.
Was wäre an einer frühchristlichen Sekte so ungewöhnlich, die Jesus nur als Propheten oder Sendboten Gottes ansah?
Dafür kann es verschiedene Gründe geben, die nicht unbedingt religiöse sein müssen. Zum Beispiel wie Crone es sah, eine mit dem Judentum nachwievor verbundene christliche Sekte. Oder eine Sekte, deren religiöse Führer sich selbst als Propheten ansahen. Da hätte ein Sohn Gottes nur gestört. Aber das sind nur mögliche Beispiele
Wenn es diesen missing link der Religionsgeschichte gab, eine christliche Gruppe, die Jesus nur als Prophet ansah, war sie wahrscheinlich eine von allen monotheistischen Religionen verfolgte Minderheit. Sowohl von den Christen in dem Zeitraum nach den Dogmen- und Staatskirche-Konzilien, als sie sich noch dem Christentum zugehörig empfand. Wie von den dann Moslems nach der Fixierung des Koran.
Wir sind uns doch hoffentlich einig darüber, das sowohl die Konzilien wie die Fixierung des Korans keine von religiöser Inbrunst, sondern von Machtpolitik bestimmte Vorgänge waren.
Wo leben Verfolgte? In den großen Zentren, wo sich die Bevölkerung ballt? Vielleicht zu Anfang, aber dann wird sie unzugängliche Regionen geflüchtet sein und ihre Texte zum Schutz vor Zerstörung verborgen haben.
Der Bonner Islamwissenschaftler Stefan Wild schreibt in der FAZ von heute über eine Tagung in Saudi-Arabien, bei der es um den Koran ging:
Da liegt der Hase im Pfeffer. Die entsprechende Forschung findet deshalb in den westlichen Ländern statt.
Sakina für alle.
Wieso nehmen sie nicht einfach die Hadithi als Quelle mit dazu.zB. die Geschichte mit der Endeckung des Propheten der Araber durch den nestorianischen Mönch Sergius Bahira
http://www.eslam.de/begriffe/b/bahira.htm