Terror in Bombay, zwei Nachträge
Die These der Terroristenversteher (1, 2), dass die ‘grievances’ indischer Muslime für die Anschläge verantwortlich seien, kann, da die Verbindung nach Pakistan immer deutlicher wird, als widerlegt angesehen werden.
Zwei mit den Anschlägen in Zusammenhang in Verbindung stehende Vorfälle, die in den hiesigen Medien untergegangen sind, verdienen in diesem Zusammenhang Beachtung. Die Terroristen erschossen ausgerechnet Hemant Karkare, den Chef der Antiterroismusabteilung in Mumbai. In den Monaten zuvor war er damit beschäftigt, die Verwicklung hindunationalistischer Organisationen in mehrere Bombenattentate im September dieses Jahres aufzuklären.
Die indischen Muslime, die für die Terroristen ja ach so viel Sympathie haben sollen, verweigern ihnen ein Begräbnis.
Wenn der Bimbo nicht spurt
… lassen linke Paternalisten die Maske fallen. Sunny Handal über die rassistische Schlagseite in der Kritik von Ralph Nader und John Pilger an Barack Obama (mal was Intelligentes aus dem Guardian).
Büchner als türkischer Staatsideologe
Es geht nicht um Georg, sondern um seinen heute weitgehend unbekannten jüngeren Bruder Ludwig (1824 - 1899). Im 19. Jahrhunder verhielt es sich gerade umgekehrt, der Dichter war in Vergessenheit geraten, während der Propagandist des Materialismus einer der meitgelesenen deutschsprachigen Autoren seiner Zeit war. Politisch war er ein Linksliberaler. Marx und Engels warfen ihm und seinen Gesinnungsgenossen Vogt und Moleschott mangelndes Verständnis für die Dialektik vor. Seither haftet ihnen die polemische Bezeichnung Vulgärmaterialisten an, wenngleich man dem Engelschen “dialektischen” Materialismus wohl kaum größere Gedankentiefe zusprechen kann.
Besondere Popularitiät erlangten seine Schriften bei den Bildungsschichten “rückständiger” Gesellschaften. Das bekannteste Zeugnis findet sich in Dostojevskijs Dämonen, wo ein radikaler Intellektueller aus den Schriften von Büchner Vogt und Moleschott einen Altar errichtet1. Er karikiert damit, dass ihre radikale Religionskritik zugleich als Religionsersatz fungierte.
Ähnlich verhielt es sich in der arabischen Welt und bei den osmanischen Türken2. Hier kam Büchner deswegen besondere Bedeutung zu, weil durch ihn die Evolutionstheorie bekannt wurde. Allerdings mit der Folge, dass man statt Darwin selbst eben Büchners Flachversion las. Der in Princeton lehrende große Kenner der Jungtürken, Şükrü Hanioğlu, hat in seinen Schriften gezeigt, wie stark Büchner (und Ernst Haeckel) das Denken der jungtürkischen Intellektuellen beeinflusst hat3. In einer zweiteiligen Artikelserie (1, 2) für die Zeitung “Zaman” hat er nun gezeigt, wie sehr Büchners Ideen noch die offizielle Bildungspolitik der frühen Republik bestimmten. hierfür war aber nicht Büchner selbst ausschalggebend, sondern einer seiner Englischen Anhänger, H.G. Wells, der neben den Science-Fiction romanen Die Zeitmaschine und Krieg der Welten auch das popullärwissenschaftliche Werk The Outline of History, dessen französische Übersetzung Atatürk (noch als Mustafa Kemal) mit Begeisterung gelesen hatte. Die Erklärung des Ursprungs der Religion mit dem Versuch primitiver Menschen, das gefürchtete, verstorbene Sippenoberhaupt zu beschwichtigen, wurden ebenso aus diesem Werk in die Schulbücher übernommen wie dei Begeisterung für die arische Rasse, allein mit dem Unterschied, dass die Türken zu deren herausragenden Vertretern erklärt wurden. Die von Carl Vogt geprägten Begriffe “dolichocephal” (langschädlig) und “brachycephal” spielten eine wichtige Rolle in der berüchtigten “Sonnensprachtheorie”, nach der das Türkische die “Ursprache” sei4.
- München: Piper, 1986, S. 480 [back]
- An der Levante und in Ägypten war er bei den meist christlichen Autoren der Wissenschaftszeitschrift “al-Muqtataf” sehr beliebt, hierzu Dagmar Glaß: Der Muqtataf und seine Öffentlichkeit, Würzburg: Ergon-Verlag, 2004 [back]
- ”Blueprints for a future society: late Ottoman materialists on science, religion, and art” in Elizabeth Özdalga (ed.): Late Ottoman society, London: Routledge Curzon, 2005, S. 28-116 [back]
- Jens Peter Laut: Das Türkische als Ursprache?: Sprachwissenschaftliche Theorien in der Zeit des erwachenden türkischen Nationalismus, Wiesbaden: Harrassowitz, 2000 [back]
Propagating Islamic Creationism on the Internet
Eine Online-Version meines gleichnamigen Artikels findet man auf der Website des Projekts “Digital Islam” von Vít Šisler (Univerzita Karlova v Praze).
Es geht um die in diesem Blog schon mehrfach (1, 2, 3, 4) behandelten Aktivitäten von Adnan Oktar (Harun Yahya) und Mustafa Akyol sowie deren historische Hintergründe.
Gerechtigkeit?
Was für eine Gerechtigkeit? Glaubt noch irgendjemand, dass es den Terroristen von Mumbai darum ging? Um Anerkennung und Chancengleichheit? Die Leichen der von den Terroristen getöteten Geiseln wiesen erhebliche Spuren von Folter auf, berichteten zwei Ärzte. Dabei gingen die Folterer unterschiedlich nach der Nationalität ihrer Opfer vor:
The other doctor, who had also conducted the post-mortem of the victims, said: “Of all the bodies, the Israeli victims bore the maximum torture marks. It was clear that they were killed on the 26th itself. It was obvious that they were tied up and tortured before they were killed. It was so bad that I do not want to go over the details even in my head again,” he said.
Corroborating the doctors’ claims about torture was the information that the Intelligence Bureau had about the terror plan. “During his interrogation, Ajmal Kamal said they were specifically asked to target the foreigners, especially the Israelis,” an IB source said.
(Hier gefunden.)
Gewalt in Pakistan
Während in Swat im Norden ein Bombenanschlag pakistanischer Taliban auf eine Straßensperre neun Tote forderte, kamen bei Schießereien zwischen Paschtunen und aus Indien stammenden Muhajirun in Karachi von Samstag bis heute morgen 39 Menschen ums Leben.
Vorverurteilungen
Morgenpostkolumne 30.11.2008
Heinz Eggert
Am 18.11. saßen Stanislav Tillich und ich zusammen in Moritzburg vor der Kamera und sprachen über seine Kindheit, seine Jugend und sein Leben in der DDR. Natürlich fragte ich ihn auch, warum er 1987 in die CDU eingetreten sei und warum er im Mai 1989 noch die Führungsfunktion beim Rat des Kreises übernommen hatte. Seine Antwort war offen und direkt. Er wollte nicht in die SED eintreten, obwohl er dann Leiter der Konstruktionsabteilung geworden wäre, deshalb die CDU. Also blieb er einfacher Konstrukteur.
Er wusste, dass die DDR-Blockparteien nur ein demokratisches Feigenblatt der SED-Diktatur waren. Richtung und Führung kamen von der SED. Die Blockparteien durften helfen, freudig und unwürdig die SED-Politik mit durchzusetzen. 1989 zog Tillich aus der Nische aus. Ihm war dann das Hemd näher als der Rock. Sagte er. Er wollte in seiner sorbischen Heimat bleiben und sich politisch arrangieren. Damals war er 29 Jahre alt.
Als ich ihm einmal erzählte, dass ich 1990 als Landrat alle Führungskader entlassen hatte, da war ihm das nicht neu. Auch er hätte damals mit zu den Entlassenen gehört. Auch das war ihm nicht neu. Er kannte mich ja. Überraschend für mich war damals seine Reaktion. Er hätte das auch gut verstanden! Überrascht waren wir bestimmt beide über die Schlagzeilen jetzt ein paar Tage später. Da wurde alles vorwurfsvoll enthüllt, was jeder, der es hätte wissen wollen auch hätte wissen können.
Man hätte Tillich nur fragen brauchen. Vielleicht wäre es aber besser gewesen, wenn er ungefragt alle Details von sich aus erzählt hätte, damit man sie rechtzeitig überprüfen und hinterher nicht noch skandalieren konnte. Auf seiner Internetseite agierte er verschämt. Weil er sich seines politischen Irrtums von damals bis heute schämt. Wenn das alle täten, die im DDR Staat weisungsberechtigt waren, wären wir in der Vergangenheitsbewältigung heute schon weiter. Aber die Ehrlichkeit litt auch darunter, dass nach der Wende, etliche aus dem CDU Glashaus mit Fingern auf jene zeigten, mit denen sie zu DDR-Zeiten noch selbst am Staatstisch gesessen hatten. So wurde Sachlichkeit nicht hergestellt.
Allerdings auch nicht, wenn Westdeutsche selbstgerecht über die Lebensbiografien Ostdeutscher urteilen. So diffamiert das SPD-Schwergewicht Nolle jetzt mehr als er aufklärt. Richtig ist: Tillich hat einmal vor 20 Jahren politisch geirrt, ohne zum Täter geworden zu sein.
Das war bei dem Sachsen Herbert Wehner anders. Er denunzierte seine eigenen Genossen beim KGB. Das brachte denen Lager und Tod. 20 Jahre später führte er die SPD Fraktion. Vielleicht sollten wir bei Tillich die Kirche im Dorf lassen. Oder?





































