Attentat auf Richter 2
In den Leitartikeln der islamischen Presse der Türkei wird das gestrige Attentat auf Richter des Verwaltungsgerichts verurteilt. Interessanterweise weist die eher staatstragende islamische Zeitung ZAMAN darauf hin, dass das Urteil, das die verweigerte Beförderung einer Lehrerin, die außerhalb der Schule ein Kopftuch trägt, billigt, auch von laizistischen Zeitungen kritisiert wurde. Die radikalere “Milli Gazete” hält sich hingegen zurück (wird nicht verlinkt: http://www.milligazete.com.tr). Die Internetseite der radikalsten legalen islamistischen Zeitung VAKIT, deren Darstellung der Richter von einigen als Mordaufruf interpretiert wird, ist heute nicht erreichbar (laut Claudia Dantschke seit gestern). Offenkundig hält man in diesen Kreisen die Lage für brenzlig.
Sowohl ZAMAN als auch “Yeni Şafak“, die der Regierung nahe steht, behaupten mit Berufung auf den Vater des Attentäters, Kommilitonen und Kollegen, dass er keinesfalls ein religiöser Extremist sei, und die Tat mit dem Kopftuchverbot nichts zu tun habe. Eine Behauptung, die durch den Täter selbst mittlerweile widerlegt wurde. Beide Zeitungen rücken ihn in die Nähe der “nationalen Linken” (I, II), die wie hier gezeigt innenpolitisch den Islamisten zutiefst feindlich gesonnen ist, aber z.T. ganz ähnliche Weltverschwörungstheorien propagiert. Plausibel ist dies nicht. es handelt sich wohl um ein Ablenkungsmanöver. Gleichwohl bleiben Fragen. Der Attentäter stand zumindest früher nicht den Islamisten, sondern der einflusslosen “Großen Einheitspartei” nahe, die einen islamisch versetzten Pantürkismus propagiert.
Türkische Laizisten kritisieren die laue reaktion der Regierung. So nahm Ministerpräsident Erdoğan nicht am Totengebet von Richter Özbilgin teil. Die Beisetzung wurde zu einer Protestkundgebung auf der Slogans skandiert wurden, wie : “Regierung, tritt zurück!”, “Die Türkei bleibt laizistisch”, “Mullahs in den Iran”.
Derweil behauptet die Frau eines Abgeordneten der regierenden AKP, ihr Mann hätte eine zweite Frau geheiratet, und 60 Gattinnen von dessen Fraktionskollegen erginge es ebenso. Der Vorsicht halber sei gesagt, dass die Behauptung im verlinkten “Hürriyet”-Artikel nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft wird.
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