State of denial II
Mehr von der “Hamas, Hamas, Joden aan het …“-Demo in Amsterdam hier.
State of denial
Pakistanische Intellektuelle haben an die Regierung appeliert, ihre heuchlerische Politik aufzugeben, wonach Terrorismus in Pakistan beklagt wird, gegen Indien vorgehende terroristische Gruppen jedoch stillschweigend geduldet werden:
“We should also like to caution the government of Pakistan against lapsing into its traditional complacency with the disappearance of the war clouds. Blinking at the existence of terrorist outfits within the country, some open and others disguised, will amount to self-annihilation and greater isolation from the comity of nations. The state’s commitment to root out terrorist groups must be total. It must ensure, as far as possible, that Pakistan is not even accused of allowing cross-border terrorism by any group, alien or indigenous. But everything must be done within the canons of law and justice. Killing of innocents and extra-legal excesses will not end terrorism. They will only fuel it.
Publiziert wurde der Aufruf bisher nur von einer indischen Zeitung, wohl weil die Haltung der pakistanischen Regierung durchaus die Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung reflektiert.
“Ich bitte um Entschuldigung”
Die Website der Kampagne, mit der einige türkische Intellektuelle ihre Anteilnahme mit dem armenischen Volk und ihre Distanzierung von der offiziellen Linie des Leugnens und Rechtfertigens der Massaker zum Ausdruck bringen, ist freigeschaltet worden.
Ich werde versuchen, in den nächsten Tagen den Aufruf des Initiators Baskın Oran zu übersetzen.
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Nachtrag 17.12.2008
Mittlerweile haben Nationalisten eine Seite “Wir fordern eine Entschuldigung” in Netz gestellt. Sie ist im Layout identisch, zeigt aber Bilder von Anschlägen armenischer Terroristen und eine Vertreibungsszene, vermutlich aus dem Konflikt um Berg-Karabach.
Der Ministerpräsident meinte, das gehe ihn nichts an, er wisse nicht wofür er sich entschuldigen müsse. Anders Ali Bayramoğlu, Kolumnist für dessen Hausblatt “Yeni Şafak”. Er begrüßte gestern bereits in einem Artikel, dass nun das Schweigen gebrochen werde, und heute setzt er der konservativen Leserschaft eine historisch hieb-und stichfeste Zusammenfassung vor:
Das erste Stadium begann in den 1870er Jahren.
Unumstritten waren die Maßnahmen von (Sultan) Abdülhamit gegen den armenischen Nationalismus und armenische Aufstände, gegen den westlichen Druck besonders 1894-1896 von äußerster Härte. Diese Periode Epoche war eine Zeit, zu der der Staat unverhältnismäßige, teilweise das Ausmaß von Massakern annehmende Aktionen zur Aufstandbekämpfung vornahm, es war die Zeit eines Konflikts zwischen Gegnern.
1915 ist das zweite Stadium
Das Kommitee für Einheit und Fortschritt (Jungtürken) ging daran, Anatolien von der neben den Juden letzten verbliebenen nichtmuslimischen Volksgruppe zu reinigen.
Zuerst wurden alle Männer eingezogen, dann wurden die zurückgebliebenen Frauen, Kinder und Alten, den Sicherheitsbedürfnissen entsprechend, zum Auszug von Edirne nach Antakya, von Erzurum nach Yozgat gezwungen, in einem Ausmaß, dass man sich nicht vorstellen kann.
Das Ziel war die syrische Wüste. Eine Deportation unter staatlicher Aufsicht.
Nach den Aufzeicnungen von Talat Paşa lebten vor der Deportation auf osmanischem Gebiet 1,2 Mio Armenier. Denselben Aufzeichnungen zufolge waren danach (die syrische Wüste eingeschlossen) 400 000 übrig. 800 000 Armenier sind also in der einen oder der anderen Form vernichtet worden.
Die Racheakte armenischer Freischärler nach der Niederlage, die bis zu 150 000 Türken das Leben kosteten, und die Terrorakte von Armeniern in der Diaspora nennt er Stadium drei und vier. Aus zwei Gründen könnten aber weder dieser Terrorismus, noch die Racheakte noch der Konflikt im späten 19. Jh. mit dem gleichgesetzt werden, was 1915 geschah:
1. Es gab keinen Konflikt. Es gab eine neun Monate dauernde Deportation. Unterstreichen wir es noch einmal: Unter der Kontrolle der Regierung des Kommitees für Einheit und Fortschritt sind unbestritten 800 000 Menschen umgekommen.
2. Die Armenier sind 1915 aus Anatolien vertrieben worden und die große Mehrheit hat dabei ihr Leben verloren.
——– Nachtrag 5.1.2009 ————
Die privaten Aufzeichnungen hat erstmals 2005 der Journalist Murat Bardakçı veröffentlicht. Heute reproduziert Milliyet die Tabelle, wo Provinz für Provinz aufgelistet wird, wieviele Armenier vor und nach der Provinz dort lebten.
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Nachtrag 19.12.2008
Die Seite ist oft (wie im Moment) nicht aufrufbar oder die Unterschriftfunktion arbeitet nicht. Laut Aussage eines Technikers wurde die Seite von einem Rechner mit einer IP-Adresse des Innenministeriums in einer Minute eine Millionen mal angeklickt, um sie lahmzulegen.
Religionszugehörigkeit auf dem Capitol Hill
Welcher Religionsgemeinschaft Senatoren und Repräsentanten angehören, hat das Pew-Forum in einer Übersicht zusammengestellt.
Ancilla Theologiae
Serdar referiert in seinem Blog Ausführungen des türkischen Kolumnisten Emre Aköz über die Nurcus[1]:
Für Kemalisten ist die Gesellschaft eine formbare Masse, fast unmündig, die erzogen werden muss. Aufgeklärt werden muss. Dabei muss ich sagen, das der Kemalismus ein Verständnis der “Aufklärung” hat, wie sie im 19. Jh. vertreten wurde. Also positivistisch. Said Nursi, der Namensgeber der Nurcus bezieht sich auch positiv auf die Naturwissenschaften, allerdings sieht er in ihr keine Konkurrenz zur Religion, sondern eine mögliche Erkenntnisquelle die die Religion, also Gott in seiner Schöpfung bestätigt. Für die Kemalisten wird aber Religion zur Nebensache! Nun für Kemalisten ist das eine ziemlich dreiste Sache.
Den Sachverhalt, dass das Wissenschaftsverständnis der Kemalisten aus dem 19. Jahrhundert stammt, habe ich hier jüngst ausführlich dargelegt und kritisiert. Vor diesem Hintergrund muss allerdings deutlich benannt werden, dass jenes der Nurcus noch antiquierter ist. Wie Serdar schreibt, hat die Wissenschaft die Aufgabe, den Schöpfer zu bestätigen, die Einzelwissenschaften sind daher in der Terminologie des europäischen Mittelalters Mägde der Religion (ancillae theologiae). Daraus resultiert implizit die Vorgabe, nur solche wissenschaftlichen Erkenntnisse zu akzeptieren, die mit den eigenen Prämissen in Einklang stehen. Auf die damit in Zusammenhang stehende Vorreiterrolle der Nurcus bei der Formulierung des islamischen Kreationismus habe ich bereits verwiesen.
Als Problem kommt hinzu, dass Said Nursi zwar ehrlich annahm, dass seine Koranauslegung mit der modernen Wissenschaft in Einklang stehe, dass seine Kenntnisse aber nicht auf dem neusten Stand waren. Die wird an einem Text von ca. 1930 deutlich, wo er versucht zu erläutern, dass die Himmelsreise Muhammads (mi‛rāǧ) möglich sei. Er fordert seine Leser auf, sich eine Uhr vorzustellen, die nicht drei, sondern zehn Zeiger habe, die sich im Verhältnis zum vorhergehenden sechzigmal schneller drehen. Der zehnte Zeiger würde dann eine immense Geschwindigkeit erreichen, ähnlich wie Muhammad, als er das Fabelwesen Burāq bestieg, das ihn in die höchsten Himmelssphären beförderte. Zu dieser Problematik hatte aber bereits 1905 ein Mitarbeiter des Eidgenössischen Patentamts grundlegende Überlegungen publiziert, aus denen sich ergibt, dass sich die Massen nicht unendlich beschleunigen lassen. Dass Said Nursi hiervon nichts wusste, kann ihm kaum zum Vorwurf gemacht werden. Auch in Europa drang die Relativitätstheorie erst nach dem Ersten Weltkrieg ins allgemeine Bewusstsein. Seine Kenntnisse moderner Naturwissenschaften hatte Said Nursi jedoch bereits um 1900 erworben. Von 1925 bis 1951 befand er sich entweder in der Verbannung an entlegenen Orten oder in Haft, wo er keine Möglichkeit hatte sich auf dem Laufenden zu halten[2]. Bezeichnend, ist allerdings, dass seine Jünger die daraus resultierende Problematik nicht reflektieren. Im Gegenteil, seine Deutungen werden selbst zu autoritativen Aussagen.
Etwas zuvor in derselben Passage behauptet Said Nursi, das Weltall[3] sei mit Äther angefüllt, auch dies eine obsolete Auffassung. Seine Jünger interpretieren nichtsdestotrotz neuere astrophysikalische Theorien wie die “dunkle Materie” in seine Ausführungen hinein.
Fortsetzung folgt.
- Zusammen mit seinem Kollegen Nevzat Atal hat er vor genaus vier Jahren eine interessante Serie von Artikeln über und Interviews mit Nurcus in “Sabah” publiziert, die leider doch (noch?) nicht als Buch erschienen ist. ⇧
- Bereits in den 1940er Jahren verwiesen andere türkische islamische Autoren auf Einstein, um zu zeigen, dass die Materie, anders als die Materialisten behaupten, nicht urewig und beständig ist. ⇧
- Übrigens verwendet er interessanterweise den Begriff feza-i ulvi, “der hohe Weltraum”, in Erklärungen in modernem Türkisch heißt es dagegen geniş uzay, also “weiter Weltraum”. Bei Said Nursi klingt also noch das Sphärenkonzept der präkopernikanischen Kosmologie an, das eine Voraussetzung für die Vorstellung vom mi‛rāǧ ist. ⇧
Türkische Medienlandschaft
Eine interessante Reportage von Suzy Hansen über die Zeitung “Taraf”, auf die ich schon öfters verweisen habe, sowie ihre Stellung in der türkischen Presselandschaft hat “The National” (VAE) veröffentlicht.
Der Jude unter den Staaten oder: Mit zweierlei Maß
Der Süden Israels ist seit Jahren unter Raketenbeschuss. Die Menschen dort müssen damit rechnen, dass sie selbst, nahe Angehörige, ihre Kinder oder ihre Freunde durch eine Rakete getötet oder auch nur verletzt werden; dass ihre Wohnungen mit all ihrem Hab und Gut zerstört werden. Die Welt fordert, dass sich Israel nicht zur Wehr setzt und still hofft, dass möglichst wenig Menschen durch die Raketen verletzt oder getötet werden. Von keinem anderen Staat würde man dies verlangen. Jedem anderen Staat wird zugebilligt, sich selbst verteidigen zu dürfen und von der Institution Staat wird verlangt, dass er für den Schutz seiner Bürger sorgt. Beim Staat Israel ist alles anders.
Schon in der Nacht der Gründung wurde Israel von seinen Nachbarn angegriffen. Seit nunmehr 60 Jahren ist Israel der Situation ausgesetzt, dass es wieder von der Landkarte verschwinden soll. Die Raketen aus dem Gaza-Streifen werden nicht Israels Existenz gefährden. Aber dass dem nicht so ist, kann nicht als Begründung dafür dienen, dass sich Israel dem Raketenbeschuss und damit der permanenten Gefahr für Leib und Leben seiner Bürger aussetzen muss. Dies wird aber von Israel verlangt. Von keinem anderen Staat und von keinem anderen Volk würde gefordert werden, dass nicht versucht wird, seine Bürger zu schützen.
Die Begründungen, warum Israel still halten soll, sind zahlreich und kommen häufig auch sehr intellektuell daher. Aber eines ist allen diesen Begründungen gemein. Rechte die jedem Staat zugebilligt werden, sogar Terrorgruppen wie der Hamas, spricht man Israel ab. Für die radikale Hamas wird Verständnis gezeigt, wehrt sie sich doch mit den Raketen nur gegen eine Besatzung. Und hier sind wir beim Kern der Sache: Israel kann in den Augen derer, die so argumentieren, nie etwas richtig machen, denn allein durch seine Existenz ist es ein zu bekämpfender Besatzer. Das bedeutet, solange Israel existiert, sei es auch schuld an dem, was ihm geschieht und habe damit kein Recht, sich zu verteidigen.
Dann gibt es jene, die betonen, Israel habe ein Existenzrecht, reagiere aber unverhältnismäßig mit der Aktion „gegossenes Blei“. Hier frage ich mich dann, ob Israel überhaupt eine Chance in deren Augen hat, verhältnismäßig zu reagieren. Ich denke bei vielen ja. Dazu bedarf es aber einer Medienlandschaft, welche sich die Mühe macht, die Fakten dem Konsumenten zu liefern. Wenn ich die Berichte der letzten Tage Revue passieren lassen, dann wundert es mich nicht, dass breite Teile der deutschen Bevölkerung der Auffassung sind, Israel schlage ohne Rücksicht auf Verluste zurück. Die Hamas hat selbst eingeräumt, dass keine 15 % der Getöteten Zivilisten waren. Aber in unserer Medienlandschaft wird der Eindruck verbreitet, die Zivilbevölkerung sei im Visier des Israelischen Militärs.
Wenn man Quellen außerhalb der Mainstream-Medien verfolgt, dann wird schnell klar: Israel versucht punktgenau Einrichtungen der Hamas zu treffen. Israel ruft vorher bei den Bewohnern von Häusern an, die unter Beschuss genommen werden sollen, um diese vor Raketen zu warnen und ihnen die Flucht zu ermöglichen. Danach wird eine Warnrakete abgeschossen und dann erst beginnt das eigentliche Bombardement – dies unabhängig davon, ob Terroristen der Hamas oder Zivilisten betroffen sind. Kennt man dieses Vorgehen, dann relativiert sich der Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit schnell. Welches Land hat jemals seine Feinde gewarnt, dass sie in konkreter Gefahr sind? Die Hamas tut dies nicht und es ist ihr auch egal, ob sie Zivilisten oder Soldaten trifft.
Es gibt unzählige dieser Beispiele, welche eindeutig belegen: Israel bemüht sich, das Leben von Zivilisten zu schonen. Darüber zu berichten wird in den Medien vernachlässigt. Die Berichterstattung erscheint einseitig und trägt dazu bei, dass eine Stimmung vorherrscht, die gegen Israel ist. Genannt sei hier auch das Weglassen der Information in den Berichten über die humanitäre Katastrophe in Gaza, dass die Lebensmittellager ausreichend gefüllt seien für die nächsten beiden Wochen und Israel keine Lebensmittel mehr in den Gazastreifen lassen müsse. Ferner erstaunt es, dass z.B. die Stimme der Regierung Ägyptens, welche explizit Israel den Rücken für die Intervention stärkt, kaum Erwähnung findet.
Bei einer solch einseitigen Berichterstattung darf es nicht wundern, wenn die Bevölkerung aufgrund mangelnder Informationen Stellung gegen Israel bezieht. Jeder Mensch mit einem Herzen hat Tränen in den Augen, wenn er eine Kinderleiche über den Bildschirm flackern sieht. Der Anblick von um ihre Angehörigen trauernden Menschen betrübt jeden, der Mitgefühl hat. Mein Mitgefühl gilt den Menschen im Gazastreifen, die im Frieden leben wollen. Aber auch den Israelis, die ebenfalls ein Recht darauf haben, leben zu dürfen ohne die ständige Angst, dass ihre Kinder und Angehörigen von Raketen getroffen werden könnten.




































