In weiter Ferne
“Human Rights Watch found no evidence to sustain claims of massacres or large-scale extrajudicial executions by the IDF in Jenin refugee camp” lautet das Fazit der Menschenrechtsorganisation zu den Ereignissen in Jenin im März 2002. Damals hatten palästinensische Quellen behauptet, die israelische Armee habe ein Massaker mit hunderten von Toten angerichtet. Trotz mancher, zum Teil heftiger Kritik am Vorgehen der Streitkräfte, wurden insgesamt jedoch nicht mehr als 52 Todesopfer gezählt.
Eine Raumplanerin an der Uni Dortmund hindert das allerdings nicht daran zu behaupten, dass bei der Operation Defense Shield in den Flüchtlingslagers Jenin und Tulkarem “grausam Hunderte Zivilisten getötet” worden seien. Um dann einen Bogen zu einem angeblichen Völkermord in Gaza zu schlagen, der in eine konstruierte israelische Militärtradition gestellt wird.
Darunter geht es nicht. Und die Hamas wird exkulpiert. Auch im Kölner Stadt-Anzeiger verortet ein vorgeblicher Nahost-Experte den Kernkonflikt ebenfalls auf der israelischen Seite:
Das Problem besteht darin, dass der israelische Siedlungskolonialismus im Westjordanland jeden unabhängigen palästinensischen Staat zur Illusion werden lässt. Die Siedler kontrollieren mittlerweile rund 50 Prozent des Westjordanlandes. Es gibt schlichtweg keinen Raum mehr für einen palästinensischen Staat.
Doch doch, diese Äusserung stammt aus dem Jahre 2009, Israel hat schon vor Jahren die Besetzung des Gazastreifens beendet und die Palästinenser haben die Möglichkeit gehabt, das Gebiet als Testlauf für einen eigenen Staat zu nutzen. Wäre für Israel eine Friedensdividende zu erwarten gewesen, hätte das den Weg zu einem weitgehenden Rückzug aus dem Westjordanland bereitet.
Und so ist nicht nur den Frieden in weite Ferne gerückt, sondern auch die Hoffnung, dass mancher “Nahost-Experte” seine Faktenresistenz endlich überwinden möge.
Revisionisten auf Hamas-Demo
Hier mein gestern vermurkster Link zur “Hamas, Hamas Joden aan het gas”-Demo.
Deutsche Holocaustschuld als Ursache und Wirkung
Wenn sich eine Gruppe von Schreibtischstrategen “Diplomaten für den Frieden mit der islamischen Welt” nennt, dann ahnt man schon, woher der Wind weht. Wer ernsthaft glaubt, der Westen befinde sich im Krieg mit der Islamischen Welt, der glaubt wahrscheinlich auch, dass der Mond aus Käse sei.
In diesem Geiste jedenfalls ist ein Brief an Bundeskanzlerin Merkel verfasst, für den die ”Diplomaten für den Frieden mit der islamischen Welt” verantwortlich zeichnen. Deren Herz nämlich gilt der Zivilbevölkerung, wenn auch am liebsten der von Gaza. Sie fordern die Einhaltung von UN-Resolutionen, aber nur von Israel, das aus den 1967 besetzten Gebieten endlich abziehen solle.
Nanu, werden Sie sagen, hat Israel sich nicht aus dem Gazastreifen zurückgezogen? Ist Kadima nicht gewählt worden, um auch für das Westjordanland die Grundlage eines lebensfähigen Palästinenserstaates zu schaffen? Wenn es aber um die Palästinenser in Wahrheit gar nicht geht, worum geht es dann?
Sicher, man kann die Hamas als “zwar unbequemen aber unumgänglichen palästinensischer Akteur einer Konfliktregelung” bezeichnen, was insofern seine Berechtigkeit hat, als die Hamas mit der Beseitigung Israels auch einen Plan zur Konfliktregelung vorweisen kann. Dass Israel seine eigene Existenz zur Disposition stellen soll, kann allerdings auch der schrägste Vogel nicht erwarten.
Andererseits: Nichts ist so absurd, dass sich nicht doch ein paar Intellektuelle finden lassen, die darauf eingehen. Darum gehört auch hierzu der typische Paternalismus westlicher Intellektueller, die das Tun von Muslimen nur als blosse Reaktion zu begreifen imstande sind. Denn: “Zu den Ursachen und Wirkungen gehört auch, dass aus deutscher Holocaustschuld sich Verantwortung gegenüber jüdischen und palästinensischen Schicksalen herleitet”.
Ja, das hättet Ihr wohl gern.
Im folgenden das ganze Dokument[1]:
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
als Botschafter und Diplomaten im Ruhestand der vormals beiden deutschen Staaten im Nahen und Mittleren Osten fordern wir Sie auf, von der Regierung Israels unverzüglich die sofortige Einstellung der Bombardierung Gazas sowie die Unterlassung jeglicher weiterer militärischer Angriffe gegen diesen Teil Palästinas und seine Zivilbevölkerung zu verlangen.
Auch wir halten den Raketenbeschuss israelischer Zivilbevölkerung seitens Hamas und anderer palästinensischer Organisationen für völkerrechtswidrig. Doch die Ursachen dafür lassen sich nicht durch militärische Aktionen Israels, wie schon mehrmals versucht, beseitigen. Dafür ist eine politische Lösung des Nahostproblems auf der Grundlage der UNO-Resolutionen, insbesondere jener, die den Abzug Israels aus den 1967 besetzten Gebieten verlangen, erforderlich. Deshalb teilen wir Ihnen unumwunden mit, dass Sie mit Ihrer offiziellen Rechtfertigung dieser brutalen israelischen Militäraktion bei Weitem nicht die Position aller Deutschen vertreten. Die gezielten, seit Langem vorbereiteten Angriffe auf Zivilisten und medizinische Einrichtungen in Gaza werden vielmehr in der Zivilgesellschaft der Bundesrepublik breit verurteilt, denn sie sind inhuman und verletzen das internationale Menschenrecht.
Ihre Rechtfertigung verdeckt das eigentliche Ziel der israelischen Regierung: die physische Vernichtung einer in demokratischen Wahlen erfolgreichen palästinensischen Partei, die wegen ihrer islamistischen Orientierung von Israel, den Staaten des Westens, darunter die EU und Ihre Regierung, seit Jahren boykottiert wird und gegen welche die israelische Regierung die palästinensische Bevölkerung durch Blockaden und Aushungern aufzubringen trachtet. So soll ein zwar unbequemer aber unumgänglicher palästinensischer Akteur einer Konfliktregelung ausgeschaltet werden.
Wir verurteilen den Raketenbeschuss ziviler israelischer Siedlungen durch extremistische palästinensische Gruppierungen, verwechseln aber nicht, wie Sie, Frau Bundeskanzlerin, Ursachen und Wirkungen der jahrzehntelangen Konfrontation zwischen Israel und dem palästinensischen Volk. Zwar wurde diesem endlich das Recht auf einen eigenen Staat zuerkannt, seine Schaffung jedoch bisher unterlaufen. Zu den Ursachen und Wirkungen gehört auch, dass aus deutscher Holocaustschuld sich Verantwortung gegenüber jüdischen und palästinensischen Schicksalen herleitet.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wiederholen Sie jetzt nicht den Fehler der Bundesregierung, den diese vor zwei Jahren anlässlich des israelischen Einmarsches in den Libanon beging, als sie hohe Menschenopfer in der Zivilbevölkerung und schwere Zerstörungen tolerierte, um der israelischen Regierung Zeit für den Krieg gegen Hisbollah zu verschaffen. Auch damals wurde das Vorgehen der gleichen israelischen Regierung mit der Geiselnahme israelischer Soldaten gerechtfertigt. Diese einseitige Positionsnahme bezahlte Deutschland mit einem hohen Sympathieverlust in der gesamten arabischen Welt. Er droht sich nun nochmals zu verstärken und die Handlungsspielräume der Bundesrepublik als Akteur für eine seit langem überfällige Friedenslösung weiter einzuengen.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, Sie unterstützen mit Ihrer Rechtfertigung des israelischen Vorgehens eine Politik, die zu weiterer Gewalteskalation, zu mehr Leid auf den israelischen und palästinensischen Seiten führt, Israel nicht zur Akzeptanz in der Region verhilft und den Nahostkonflikt ungeregelt lässt. Daher fordern wir Sie auf:
sich einzusetzen für eine sofortige Beendigung der Bombardierungen Gazas;
Israels Regierung dazu zu veranlassen, die Blockade des Gazastreifens dauerhaft aufzuheben, die durch ihre Bombardements Verwundeten zu versorgen, ihnen den Zugang zu gesundheitlicher Versorgung in Krankenhäusern zu ermöglichen, die Neutralität medizinischer Einrichtungen zu schützen und die Einfuhr sämtlicher benötigten medizinischen Güter zu genehmigen;
sich für die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Israel und Hamas ohne Vorbedingungen einzusetzen;
eine sofortige Zusammenkunft des Nahost-Quartetts zu initiieren, um die Regelung der israelisch-palästinensischen sowie israelisch-arabischen Konflikte vor einem erneuten toten Punkt zu bewahren;
Gespräche mit allen arabischen Staaten und einflussreichen Bewegungen, einschließlich islamischer, wie Hisbollah und Hamas, einzuleiten mit dem Ziel, die auf deren Seite vorliegenden Friedensvorschläge, insbesondere die Saudi-Arabiens, in den Regelungsprozess des Nahostkonflikts sowie für die Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit in der nah- und mittelöstlichen Region einzubeziehen.
Mit vorzüglicher Hochachtung,
Sprecher der Initiative „Diplomaten für den Frieden mit der islamischen Welt“
Dr. Arne C. Seifert, Botschafter a.D.
- Übrigens nicht das erste seiner Art. ⇧
State of denial
Pakistanische Intellektuelle haben an die Regierung appeliert, ihre heuchlerische Politik aufzugeben, wonach Terrorismus in Pakistan beklagt wird, gegen Indien vorgehende terroristische Gruppen jedoch stillschweigend geduldet werden:
“We should also like to caution the government of Pakistan against lapsing into its traditional complacency with the disappearance of the war clouds. Blinking at the existence of terrorist outfits within the country, some open and others disguised, will amount to self-annihilation and greater isolation from the comity of nations. The state’s commitment to root out terrorist groups must be total. It must ensure, as far as possible, that Pakistan is not even accused of allowing cross-border terrorism by any group, alien or indigenous. But everything must be done within the canons of law and justice. Killing of innocents and extra-legal excesses will not end terrorism. They will only fuel it.
Publiziert wurde der Aufruf bisher nur von einer indischen Zeitung, wohl weil die Haltung der pakistanischen Regierung durchaus die Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung reflektiert.
“Ich bitte um Entschuldigung”
Die Website der Kampagne, mit der einige türkische Intellektuelle ihre Anteilnahme mit dem armenischen Volk und ihre Distanzierung von der offiziellen Linie des Leugnens und Rechtfertigens der Massaker zum Ausdruck bringen, ist freigeschaltet worden.
Ich werde versuchen, in den nächsten Tagen den Aufruf des Initiators Baskın Oran zu übersetzen.
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Nachtrag 17.12.2008
Mittlerweile haben Nationalisten eine Seite “Wir fordern eine Entschuldigung” in Netz gestellt. Sie ist im Layout identisch, zeigt aber Bilder von Anschlägen armenischer Terroristen und eine Vertreibungsszene, vermutlich aus dem Konflikt um Berg-Karabach.
Der Ministerpräsident meinte, das gehe ihn nichts an, er wisse nicht wofür er sich entschuldigen müsse. Anders Ali Bayramoğlu, Kolumnist für dessen Hausblatt “Yeni Şafak”. Er begrüßte gestern bereits in einem Artikel, dass nun das Schweigen gebrochen werde, und heute setzt er der konservativen Leserschaft eine historisch hieb-und stichfeste Zusammenfassung vor:
Das erste Stadium begann in den 1870er Jahren.
Unumstritten waren die Maßnahmen von (Sultan) Abdülhamit gegen den armenischen Nationalismus und armenische Aufstände, gegen den westlichen Druck besonders 1894-1896 von äußerster Härte. Diese Periode Epoche war eine Zeit, zu der der Staat unverhältnismäßige, teilweise das Ausmaß von Massakern annehmende Aktionen zur Aufstandbekämpfung vornahm, es war die Zeit eines Konflikts zwischen Gegnern.
1915 ist das zweite Stadium
Das Kommitee für Einheit und Fortschritt (Jungtürken) ging daran, Anatolien von der neben den Juden letzten verbliebenen nichtmuslimischen Volksgruppe zu reinigen.
Zuerst wurden alle Männer eingezogen, dann wurden die zurückgebliebenen Frauen, Kinder und Alten, den Sicherheitsbedürfnissen entsprechend, zum Auszug von Edirne nach Antakya, von Erzurum nach Yozgat gezwungen, in einem Ausmaß, dass man sich nicht vorstellen kann.
Das Ziel war die syrische Wüste. Eine Deportation unter staatlicher Aufsicht.
Nach den Aufzeicnungen von Talat Paşa lebten vor der Deportation auf osmanischem Gebiet 1,2 Mio Armenier. Denselben Aufzeichnungen zufolge waren danach (die syrische Wüste eingeschlossen) 400 000 übrig. 800 000 Armenier sind also in der einen oder der anderen Form vernichtet worden.
Die Racheakte armenischer Freischärler nach der Niederlage, die bis zu 150 000 Türken das Leben kosteten, und die Terrorakte von Armeniern in der Diaspora nennt er Stadium drei und vier. Aus zwei Gründen könnten aber weder dieser Terrorismus, noch die Racheakte noch der Konflikt im späten 19. Jh. mit dem gleichgesetzt werden, was 1915 geschah:
1. Es gab keinen Konflikt. Es gab eine neun Monate dauernde Deportation. Unterstreichen wir es noch einmal: Unter der Kontrolle der Regierung des Kommitees für Einheit und Fortschritt sind unbestritten 800 000 Menschen umgekommen.
2. Die Armenier sind 1915 aus Anatolien vertrieben worden und die große Mehrheit hat dabei ihr Leben verloren.
——– Nachtrag 5.1.2009 ————
Die privaten Aufzeichnungen hat erstmals 2005 der Journalist Murat Bardakçı veröffentlicht. Heute reproduziert Milliyet die Tabelle, wo Provinz für Provinz aufgelistet wird, wieviele Armenier vor und nach der Provinz dort lebten.
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Nachtrag 19.12.2008
Die Seite ist oft (wie im Moment) nicht aufrufbar oder die Unterschriftfunktion arbeitet nicht. Laut Aussage eines Technikers wurde die Seite von einem Rechner mit einer IP-Adresse des Innenministeriums in einer Minute eine Millionen mal angeklickt, um sie lahmzulegen.
Religionszugehörigkeit auf dem Capitol Hill
Welcher Religionsgemeinschaft Senatoren und Repräsentanten angehören, hat das Pew-Forum in einer Übersicht zusammengestellt.
Ancilla Theologiae
Serdar referiert in seinem Blog Ausführungen des türkischen Kolumnisten Emre Aköz über die Nurcus[1]:
Für Kemalisten ist die Gesellschaft eine formbare Masse, fast unmündig, die erzogen werden muss. Aufgeklärt werden muss. Dabei muss ich sagen, das der Kemalismus ein Verständnis der “Aufklärung” hat, wie sie im 19. Jh. vertreten wurde. Also positivistisch. Said Nursi, der Namensgeber der Nurcus bezieht sich auch positiv auf die Naturwissenschaften, allerdings sieht er in ihr keine Konkurrenz zur Religion, sondern eine mögliche Erkenntnisquelle die die Religion, also Gott in seiner Schöpfung bestätigt. Für die Kemalisten wird aber Religion zur Nebensache! Nun für Kemalisten ist das eine ziemlich dreiste Sache.
Den Sachverhalt, dass das Wissenschaftsverständnis der Kemalisten aus dem 19. Jahrhundert stammt, habe ich hier jüngst ausführlich dargelegt und kritisiert. Vor diesem Hintergrund muss allerdings deutlich benannt werden, dass jenes der Nurcus noch antiquierter ist. Wie Serdar schreibt, hat die Wissenschaft die Aufgabe, den Schöpfer zu bestätigen, die Einzelwissenschaften sind daher in der Terminologie des europäischen Mittelalters Mägde der Religion (ancillae theologiae). Daraus resultiert implizit die Vorgabe, nur solche wissenschaftlichen Erkenntnisse zu akzeptieren, die mit den eigenen Prämissen in Einklang stehen. Auf die damit in Zusammenhang stehende Vorreiterrolle der Nurcus bei der Formulierung des islamischen Kreationismus habe ich bereits verwiesen.
Als Problem kommt hinzu, dass Said Nursi zwar ehrlich annahm, dass seine Koranauslegung mit der modernen Wissenschaft in Einklang stehe, dass seine Kenntnisse aber nicht auf dem neusten Stand waren. Die wird an einem Text von ca. 1930 deutlich, wo er versucht zu erläutern, dass die Himmelsreise Muhammads (mi‛rāǧ) möglich sei. Er fordert seine Leser auf, sich eine Uhr vorzustellen, die nicht drei, sondern zehn Zeiger habe, die sich im Verhältnis zum vorhergehenden sechzigmal schneller drehen. Der zehnte Zeiger würde dann eine immense Geschwindigkeit erreichen, ähnlich wie Muhammad, als er das Fabelwesen Burāq bestieg, das ihn in die höchsten Himmelssphären beförderte. Zu dieser Problematik hatte aber bereits 1905 ein Mitarbeiter des Eidgenössischen Patentamts grundlegende Überlegungen publiziert, aus denen sich ergibt, dass sich die Massen nicht unendlich beschleunigen lassen. Dass Said Nursi hiervon nichts wusste, kann ihm kaum zum Vorwurf gemacht werden. Auch in Europa drang die Relativitätstheorie erst nach dem Ersten Weltkrieg ins allgemeine Bewusstsein. Seine Kenntnisse moderner Naturwissenschaften hatte Said Nursi jedoch bereits um 1900 erworben. Von 1925 bis 1951 befand er sich entweder in der Verbannung an entlegenen Orten oder in Haft, wo er keine Möglichkeit hatte sich auf dem Laufenden zu halten[2]. Bezeichnend, ist allerdings, dass seine Jünger die daraus resultierende Problematik nicht reflektieren. Im Gegenteil, seine Deutungen werden selbst zu autoritativen Aussagen.
Etwas zuvor in derselben Passage behauptet Said Nursi, das Weltall[3] sei mit Äther angefüllt, auch dies eine obsolete Auffassung. Seine Jünger interpretieren nichtsdestotrotz neuere astrophysikalische Theorien wie die “dunkle Materie” in seine Ausführungen hinein.
Fortsetzung folgt.
- Zusammen mit seinem Kollegen Nevzat Atal hat er vor genaus vier Jahren eine interessante Serie von Artikeln über und Interviews mit Nurcus in “Sabah” publiziert, die leider doch (noch?) nicht als Buch erschienen ist. ⇧
- Bereits in den 1940er Jahren verwiesen andere türkische islamische Autoren auf Einstein, um zu zeigen, dass die Materie, anders als die Materialisten behaupten, nicht urewig und beständig ist. ⇧
- Übrigens verwendet er interessanterweise den Begriff feza-i ulvi, “der hohe Weltraum”, in Erklärungen in modernem Türkisch heißt es dagegen geniş uzay, also “weiter Weltraum”. Bei Said Nursi klingt also noch das Sphärenkonzept der präkopernikanischen Kosmologie an, das eine Voraussetzung für die Vorstellung vom mi‛rāǧ ist. ⇧




































