Endlose Toleranz
Bis 9/11 wurde der politische Islam, wenn überhaupt, hinter vorgehaltener Hand kritisiert. Bis er urplötzlich in das Bewusstsein der Menschen raste. Man war sich zunächst einig, dass von diesem eine Bedrohung für unsere Freiheit ausgeht. Das hielt aber nicht lange an. Nachdem der erste Schock überwunden war, gewann bei den Linken die alte Ideologie wieder die Oberhand: Minderheitenschutz um jeden Preis hier in Deutschland, weltweit die schützende Hand über alle, welche vermeidlich schwächer sind. Hierin liegt auch eine der Ursachen dafür, warum Israel zumindest überkritisch betrachtet wird. Die ehemals schwachen Juden, welche man schützen konnte, besaßen doch tatsächlich die Frechheit, sich unabhängig zu machen und einen starken Staat zu errichten.
Juden haben ihre Verteidigung selbst in die Hand genommen. Es ist den Israelis bis heute nicht verziehen worden, dass sie die Sicherheit ihres Staates nur mit Waffen garantieren können. Erschwerend kommt hinzu, dass Israel sich mit dem Feinbild der Linken, dem “kapitalistischen und imperialistischen” Amerika verbündeten. Damit wurde die Sympathie für den Staat Israel unmöglich. Dies machte es einfach, sich in Bezug auf die Palästinenser zu positionieren. Es ist nicht absehbar, ob sich diese jemals selbst helfen werden. Um Israel zu vernichten, werden alle Energien gebündelt. Raum für die Errichtung von Institutionen, welche für eine funktionierende Selbstverwaltung überhaupt erst die Grundlage bilden, wird nicht geschaffen.
Man kann also über die Palästinenser seine schützende Hand halten und sich so als Kämpfer für schwache Menschen darstellen. Die dahinter stehende Arroganz, welche das endlose Verständnis gegenüber den Palästinensern offenbart, wird nicht gesehen. Die Linke bemerkt nicht, dass sie, indem sie die Palästinenser als Opfer dastehen lässt, signalisiert, dass sie ihnen nicht zutraut, Verantwortung für das eigenen Handeln und Unterlassen zu übernehmen.
9/11 hat dazu geführt, dass der politische Islam thematisiert werden musste. Dass die Gefahren, welche durch diese Form des Extremismus ausgehen, problematisiert werden. In der Bevölkerung besteht weitestgehend Einigkeit darüber, dass Links- und Rechtsextremismus zu bekämpfen sind. Uns brachte die jüngere Vergangenheit aber nicht bei, dass es für die FDGO auch Gefahren neben dem Links- und Rechtsradikalismus geben kann. Dies führt dazu, dass die Gefahr durch den politischen Islam relativiert wird. Der politische Islam ist allerdings nicht nur eine entfernte Theorie, sondern die Praxis in vielen islamischen Ländern.
Diktaturen zeichnen sich dadurch aus, dass die Menschen Angst vor dem Regime und dessen Willkür haben. Terrorismus macht den Menschen auch Angst. Diktaturen und Terrorismus wollen das gleiche: den Menschen Angst machen um so zu erreichen, dass getan wird, was sie wollen. Hier sind wir beim nächsten Punkt, welcher den Extremismus in Form des politischen Islam besonders gefährlich macht. Der politische Islam verfügt über die Manpower, nachhaltig einzuschüchtern. Eine Fatwa, die in den Aufruf mündet, einen Gegner töten zu lassen, wird sofort verbreitet. Es finden sich genügend Unterstützer, die eine solche Aufforderung nur zu gerne in die Tat umzusetzen würden.
Landesminister Günther Beckstein erklärte gegenüber dem ZDF, dass innerhalb der letzten fünf Jahre keine einzige Anzeige aus islamischen Kreisen gegen Extremisten in den eigenen Reihen erstattet wurde. Hieraus ist nur ein Schluss zu ziehen: Auf die Mithilfe unserer muslimischen Bürger können wir nicht zählen. Das ist hart, aber es ist so. Diejenigen Muslime, welche ihre Stimme erheben, sind Einzelfälle. Die Vergangenheit hat es immer wieder gezeigt: die Solidarität mit den radikalen Glaubensbrüdern, auch wenn man deren Gesinnung ablehnt, ist größer als die mit dem Rest der Gesellschaft – und auch gegenüber sich selbst. Und hierin liegt eine weitere erhebliche Gefahr. Diejenigen, welche am ehesten mitbekommen könnten, dass Extremismus ausgeübt wird, werden nicht dabei helfen, diesen zu bekämpfen.
Aber auch hierbei ist das Verständnis der Linken wieder endlos. Claudia Roth bezeichnet die Aufforderung an Muslime, bei der Extremismusbekämpfung zu helfen, als Denunziantentum. Das lässt tief blicken, aber verwundert nicht, spiegelt es doch eine allgemeine Haltung wieder. Diese Haltung ist zwar grundsätzlich positiv; sie ist die Lehre aus unserer Vergangenheit. Es darf nie wieder geschehen, dass eine Minderheit unter einen Generalverdacht gestellt wird. Aber manche Schablonen müssen an den Rändern etwas ausgefeilt werden, ohne dass dies bedeutet, dass gleich die gesamte Schablone nicht mehr brauchbar ist.
Muslimhetze muss ein Tabu bleiben. Aber es darf nicht sein – und das geschieht momentan – dass man die Minderheit der Muslime unter einen Generalfreispruch stellen will, nur weil sie eine Minderheit sind. Einer Minderheit anzugehören bedeutet nicht, ein besserer Mensch zu sein. Die Terroristen entspringen einer Minderheit. Es ist unerheblich, aus welcher Gruppe sich Terroristen rekrutieren. Extremisten haben keinen besonderen Schutz verdient. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass hier in Deutschland auch eine Bombe, durch Islamisten gezündet, hochgehen wird. Sollte diese Kinder mit in den Tod reißen, dann möchte ich, dass Claudia Roth sich vor deren Eltern stellt und diesen ins Gesicht sagt, es wäre die Aufforderung zum Denunziantentum, wenn man verlange, dass Muslime extremistische Glaubensbrüder anzeigen.
Die Linke ist nicht bereit, ihre ideologisch veraltete Brille gegen eine neue einzutauschen. Toleranz ohne Grenzen schafft den Raum für den politischen Islam. Minderheitenschutz bedeutet nicht, Angehörige der Minderheit grenzenlos agieren zu lassen. Muslim-Hetze und Muslimbashing sind heute die Schlagworte, mit deren leichtfertigen Gebrauch man zeigen möchte: “Ich gehöre zu den Toleranten und lasse jeden nach seiner Fasson leben”. Nicht immer wird diese neue Waffe unbegründet eingesetzt. So wie auch das neue Modewort “Generalverdacht” nicht jedes Mal aus der Luft gegriffen ist. Aber die Häufigkeit der Benutzung dieser Begriffe steht in einem auffallenden Missverhältnis zur Realität. Jede Diskussion über den politischen Islam soll im Keim erstickt werden. Minderheitenschutz wird um den Preise des Zulassens von Extremismus ohne wenn und aber praktiziert.
Die Träume der Linken, wie der israelische Staat funktionieren soll, sind an der Realität gescheitert. Wie sich ausdrückliche Symphatie in explizite Ablehnung wandelte, können wir alle beobachten. Die Realität, dass Muslime zu Islamisten werden, weil sie all das ablehnen, was die Linke in Bezug auf sie fordert, nämlich endlose Toleranz gegenüber allem und jedem, wird irgend wann nicht mehr ignoriert werden können. Die Linken werden nicht ewig die Augen davor verschließen können, dass es gerade die fehlenden Regeln und die Ermangelung eines Wertekorsetts sind, warum Muslime sich radikalisieren. Denn ebendieser Mangel wird dem westlichen System zugeschrieben, das daher erst recht als bekämpfenswert gilt.
Was passiert, wenn Gruppen sich nicht so verhalten, wie es die Linken erhofften, können wir in der Behandlung Israels durch die Linke studieren. Diese sollte wissen, dass sich der radikale Islam auch gegen das richtet, für was die Linke steht. Und darum behält der Satz von Salman Rushdie seine Richtigkeit: “The fundamentalist believes that we believe in nothing. In his world-view, he has his absolute certainties, while we are sunk in sybaritic indulgences. To prove him wrong, we must first know that he is wrong.”
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Siehe auch:
• Solidarität mit Lars Vilks und Ulf Johanson, 16. September 2007,
• Trennlinie, 04. September 2006.
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Comments
5 Responses to “Endlose Toleranz”
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GÜNTHER Beckstein - nicht verwandt mit KURT Beck
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Danke! Sofort korrigiert.
Wie das passieren konnte……:-)
Hallo Frau Galla
Es gibt also Muslime, die den Terror nicht billigen, gleichwohl den Terror nicht anzeigen.
Woran mag das wohl liegen?
Liegt das nur einem Gefühl der Verbundenheit mit den Terroristen? Weil diese doch irgendwie Muslime sind.
Sharp Decline in Support for Suicide Bombing in Muslim Countries
Die Befragten in fast alle muslimischen Ländern nennen den Terrorismus als eines der wichtigsten nationalen Probleme
Aus dem Pew Global Attitudes Project Report
http://pewglobal.org/reports/d.....portID=257
[…] aus den Ländern des grün beflaggten Propheten ist das, was – meines Wissens erstmals – z.B. im Transatlantic-Forum als Begriff textlich aufgetreten ist: …es darf nicht sein – und das geschieht momentan – dass man die Minderheit der […]