Opferpose
Der amerikanische Rassismus-Forscher Shelby Steele erklärt in der FAS, warum in den USA schwarze Schulkinder ihren weissen Mitschülern im Schnitt um zwei Jahre hinterherhinken, schwarze Studenten die schlechtesten Durchschnittswerte und die höchsten Abbrecherquoten haben und die schwarze Familie “so gut wie zerstört” ist (alle Hervorhebungen von mir):
Statt die Ärmel aufzukrempeln, um aufzuholen, haben wir uns als Opfer des Rassismus stilisiert. So konnten wir die Schuldgefühle der Weißen manipulieren. … So haben wir vierzig Jahre lang unsere Rückständigkeit ignoriert, und das ist ein hundert Mal größeres Problem für uns als der Rassismus. …
Wir glauben an die Macht unserer Opferrolle. Weiße Schuldgefühle und schwarze Opferrolle sind zwei Seiten derselben Medaille. …
Wer Bildung als Fahrkarte aus der Armut preist, erwartet von den Opfern Verantwortung. Das schwarze Establishment will aber die Weißen auf ihre Schuld fixieren und wird wütend, wenn man solches fordert. Dann ließe man ja die Weißen vom Haken. Dabei kann jeder Idiot sehen, dass Bildung der Schlüssel ist. … denn alle sind glücklich, die Schwarzen als Opfer zu sehen. Jeder Schwarze, der Eigenverantwortung predigt, ist ein Onkel Tom, ein Verräter. …
Affirmative Action ist das größte Übel nach der Sklaverei. … Der Ku-Klux-Klan hätte sich keine bessere Waffe ausdenken können, um Schwarze in ihrer Rückständigkeit zu halten. …
Wir [die Schwarzen, MK] unterdrücken uns selber mehr, als es die Weißen jemals konnten.
Kommt einem das nicht bekannt vor? Hören wir ähnliches nicht auch aus Ostdeutschland (Opfer des Kommunismus und der westdeutschen Arroganz), der Arabischen Welt (Opfer des Kolonialismus), oder aus Griechenland und dem übrigen Balkan (Opfer der osmanischen Herrschaft)? Und hat die Opferpose, die kultivierte Opfer-Identität, jemals etwas produktives bewirkt? Nein, natürlich nicht!
Bei qantara.de gibt es ein lesenswertes Interview (hier gefunden) mit dem Theologen Richard Schröder über den Islamismus. Während andere noch darüber nachsinnen, warum Europa “in politisch-militärischer und ökonomischer Hinsicht” so “aggressiv-destruktiv” geworden sei, trifft Schröder die Sache auf den Punkt:
Während im Westen die Bereitschaft sehr groß ist, Schuld bei sich zu suchen, ist, wie Bassam Tibi einmal bemerkt hat, unter Muslimen die Tendenz sehr stark, Schuld bei anderen zu suchen. Für Islamisten ist an allem der Westen schuld, und sie sind bloß Opfer. Das wollen sie durch Gewalt ändern.
Mariam Lau hatte übrigens vor dem Hintergrund der Karikaturenaffäre schon vor mehr als einem Jahr in der “Welt” geschrieben:
SPD-Politikerin Lale Akgün mit, die Vorstellung, Einwanderer aus muslimischen Ländern müßten sich der deutschen Gesellschaft anpassen, sei überholt. Akgün empfahl, ein neues gesellschaftliches Leitbild zu entwickeln. Damit könnten viele Zuwanderer von ihrem “Minderwertigkeitskomplex” befreit werden. Diese “Viktimologie“, in der Muslime nur als leicht entflammbare Opfer auftauchen, war wohl das giftigste Geschenk, das der Anti-Imperialismus dem Nahen Osten je machen konnte.
—
Siehe auch:
• Antiamerikanismus in Japan, 28. Dezember 2006,
• Kanan Makiya im Interview, Teil 2, 16. März 2006,
• Islamophobie? Islamophobie!, 16. Februar 2006,
• Verteilungsstaat und Immigration, 12. November 2005,
• Kollektivismus und Antikapitalismus, 18. August 2005.
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[…] Begriff begegnete mir erstmals in einem Artikel von Mariam Lau in der WELT (Dank des Transatlantic-Forums wieder drauf aufmerksam geworden). Er beschreibt dort die institutionalisierte Opferrolle der […]