Hauen und Stechen mit Totschlagargumenten
Warum ich eine Verschärfung des Jugendstrafrechts für unnötig halte, schrieb ich schon hier. Die Strafrahmen sind ausreichend, werden nur nicht konsequent ausgeschöpft. Die Debatte um die Ausländerkriminalität ist nun gänzlich zum Hauen und Stechen verkommen. Ein Spiegelbild dessen, um was es thematisch geht. Mit aller Gewalt wird versucht, die Debatte zu ersticken. Struck ist sich nicht zu schade, Koch öffentlich zu unterstellen, dieser habe sich darüber gefreut, dass ein Rentner zusammengeschlagen wurde und drängt ihn in eine bestimmte Ecke. Andere stehen Struck in nichts nach: Eine Verrohung der politischen Diskussionskultur, die zeigt, es geht nicht um die Sache, sondern darum, den politischen Gegner niederzuschlagen, seine eigene Ideologie mit Gewalt durchzuboxen.
Die Zahlen sind eindeutig: Auch wenn die Jugendgewalt bei bestimmten Delikten allgemein ansteigt, so kann doch nur ein ideologisch Blinder behaupten, anzusprechen, dass das Problem der Gewaltdelikte bei bestimmten Gruppen besonders verbreitet sei, habe ein bestimmtes Geschmäckle. Das Geschmäckle indes hat man bei denen, die durch unsachliche, den politischen Gegner persönlich angehende Totschlagargumente die Auseinandersetzung führen. Seit Jahren schon kann jeder beobachten, dass es hier immer mehr zugewanderte Menschen aus bestimmten Ländern gibt, welche nicht integriert sind. Um dies zu bemerken, muss man keine Kinder im schulpflichtigen Alter haben. Man muss nicht einmal in den sogenannten Problemvierteln wohnen, um mitzubekommen, dass unsere Probleme hier durch nicht integrierte Zuwanderer anwachsen. Ein Blick in die örtliche Zeitung reicht, um sich ein Bild machen zu können. Fast täglich kann man von Übergriffen in bestimmten Vierteln lesen. Die Nutzung der U-Bahn lehrt einen ebenfalls eindringlich, wie es um das Verhalten in bestimmten Gruppen bestellt sein kann. Man muss keine Überfälle mitbekommen, um sich einen Eindruck verschaffen zu können, wie bestimmte Gruppierungen auftreten können.
Daher, liebe Politiker, jeder hat Augen im Kopf und selbst wenn man die Zahlen nicht kennt – in Berlin haben 95% der Intensivtäter einen Migrationshintergrund –, um die Probleme durch bestimmten Gruppen weiß man durch einen Blick in die Zeitungen, Erzählungen der Mitarbeiterin im Pedikürestudio - dass ihr Freund angestochen wurde und dies erschien nicht in der Zeitung – und, last but not least, wenn man die eigenen Augen offen hält und beobachtet. Koch hat völlig Recht, wenn er sagte, viele äußern sich nicht dazu, weil ihnen dann das passieren würde, was ihm gerade passiere. Ihr verbalen Schläger bemerkt es nicht, Ihr liefert den Beweis für Kochs Erklärung nämlich, dass auf einen die Faschokeulen darnieder schlagen, wenn man das existierende Problem der Ausländerkriminalität von Jugendlichen im Gewaltbereich anspricht.
Was geschieht nun gerade, allen Ortens explodiert die Diskussion. Lange Aufgestautes schießt aus den Menschen raus. Ihr, welche die Diskussionen schon jahrelang unterbinden wollt, seid schuld daran, dass nun die Menschen aus allen Rohren schießen. Liest man Leserbriefe, dann wird einem klar, wie sehr sich die Menschen Luft machen wollen. Bei einer solchen Schießerei wird nicht mehr differenziert. Dass es zu einer solchen Diskussion kommen muss durch den Versuch diese zu unterdrücken, war absehbar. Die Geschichte lehrt uns, dass man Menschen nicht den Mund verbieten kann. Leidtragende der Diskussion sind nicht die, welche die Diskussion nicht zulassen wollen, sondern all die Migranten hier, die unsere Gesetze achten und gern in Deutschland leben.
Die Mehrzahl dieser Menschen lehnt Gewalt ebenso ab wie die, welche diese gerade lautstark anprangern. Diese müssen nun überall lesen und hören, welche Probleme andere Menschen aus ihrer Gruppe bereiten. Diese müssen erleben, wie emotional die Menschen sich Luft machen. Wären die Probleme frühzeitig angepackt worden, dann wäre es nie zu einer solch ausufernden Diskussion gekommen, die ganze Gruppen als Problem bezeichnet.
Während der WM fiel mir auf, wie viele Menschen mit türkischem, arabischem oder auch persischem Hintergrund für Deutschland die Fähnchen schwangen. Wie viele von diesen Menschen voller Inbrunst die deutsche Nationalhymne mitsangen. Dass diese Tränen in den Augen hatten, als Deutschland gegen Italien ausschied.
Den “Spiegel” mit dem Titelthema der Ausländerkriminalität kaufte ich in einem Kiosk, der von Menschen mit Migrationshintergrund geführt wird. Ich bemerkte, der Verkäufer beobachtet mich mit der “Spiegel”-Ausgabe in der Hand. Dies in einer Form, dass ich mich bemüßigt fühlte etwas zu sagen. Ich fragte ihn daher, ob er ihn schon gelesen habe. Zur Antwort bekam ich, “besser nicht. Was meine Leute hier machen, schadet uns. Jeder denkt doch, wenn er uns sieht, potentieller Krimineller.” Er machte eine kurze Pause und fügte dann hinzu, “ich verstehe die Deutschen nicht. Warum schiebt ihr diese Leute nicht ab? Deutschland ist ein tolles Land, ihr könnt jeden hier haben, den ihr wollt. Warum nehmt ihr die, welche nicht glücklich sind, hier leben zu dürfen. Wir müssen unter diesen Menschen leiden.”
Die ideologischen Totschläger sollten sich überlegen, ob sie weiter um jeden Preis ihre Ideologie durchsetzen oder ob sie mit dafür Sorge tragen wollen, dass das Bild der Bevölkerung von bestimmten Ausländergruppen wieder hergestellt wird, indem man irgendwann nicht mehr in den Zeitungen lesen muss, dass diese Gruppe zu besonderer Gewaltbereitschaft neige. Dass pauschalen Vorbehalten einfach wieder der Nährboden entzogen wird, indem dafür gesorgt wird, dass nicht unter den Meldungen über die aktuellen Übergriffe immer wieder eine Gruppe besonders hervorsticht. Dass in bestimmten Vierteln ein Zusammenleben wieder möglich ist, ohne dass dort eine Gruppe besonders auffällt. Dass in Schulen alle Kinder Deutsch können und nicht eine bestimmt Gruppe dafür sorgt, dass Eltern ihre Kinder lieber auf Schulen senden, in denen diese nicht vertreten sind.
Dass dies möglich sein kann, zeigen all die Migranten aus dieser Gruppe, welche sich hier integrieren und gern ihren Part für die Gesellschaft übernehmen. Lasst nicht weiter zu, dass aus falsch verstandener Toleranz heraus die Minderheit einer Gruppe es schafft, dass Bild der gesamten Gruppe zu beschädigen, weil diese sich so auffällig benehmen, dass sie die Schlagzeilen bestimmen. Sprich, dass endlich dafür gesorgt wird, dass die Ursachen der Probleme um die mangelnde Intergration angepackt werden und damit auch die Gewaltbereitschaft zurückgeht. Dafür müssen die Probleme beim Namen genannt werden – auch wenn es weh tut, weil dies bedeutet, das Scheitern der eigenen Politik zuzugeben.
Ich möchte auf einen offenen Brief verweisen. Dieser Brief zeigt eindringlich, wer die wirklichen Leidtragenden der nun explodierten Diskussion sind. Nicht die, welche dafür sorgten, dass die Diskussion derart heftig ausbrach, weil sie diese jahrelang unterdrückten und damit auch ein Angehen der Probleme verhinderten, welche die Ursache für die aktuelle Debatte sind. Die Leidtragenden sind die, welche Vorbehalten ausgesetzt sind, weil sie auch unter die Gruppe derer fallen, die aktuell die Diskussionen bestimmen ohne dass sie über das Zuwanderungsland hinaus mit jenen eine Gemeinsamkeit haben. Die nun betonen müssen, dass sie gern in Deutschland sind und dies deshalb, weil sie sich im Gegensatz zu einer Minderheit aus ihrer Gruppe unauffällig in die Gesellschaft eingefügt haben.
–––Ähnliche Beiträge:
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- An der Sache vorbei – die Diskussion um die Jugendkriminalität, December 30, 2007
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30 Responses to “Hauen und Stechen mit Totschlagargumenten”
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Die ganze, zum großen Teil realitätsferne Debatte lässt sich hier
http://www.trupoli.com/de/topics/835
verfolgen und bewerten.
Bin gestern auf Trupoli gestossen. Dort kann man Aussagen von Politikern bewerten und kommentieren.
Stefanie ich fürchte, es wird sich nichts ändern, auch wenn im Moment ein Riesenhype durch Koch verursacht wird. Wahrscheinlich ist der Leidensdruck noch nicht hoch genug, obwohl ich sagen muß, daß die ganzen Beglückungen durch die sogenannte multikulturelle Gesellschaft auch unser beschauliches Städtchen längst erreicht haben. Solange Leute den Diskurs bestimmen die in ihren von Leibwächtern begleiteten Panzerlimousinen durch die Gegend rollen, solange Journalisten die öffentliche Meinung dadurch beeinflussen, daß sie jeden der widerspricht, zum Rechtsradikalen erklärt, solange wird gar nichts passieren.
Eins steht aber fest: Nicht nur die Eingewanderten leiden unter diesem Zustand, die Autochthonen leiden ebenso. Wenn keiner den Druck aus diesem Kessel nimmt, geht er eben hoch. Dann Gnade uns Gott.
@Riccardo
Die Autochthonen sind nicht derart heftig bei der gesamten Gesellschaft ins Visier geraten, dass ihre Gruppe Gewaltbereitschaft hervor bringe. Von daher sehe ich sie nicht als hervorzuhebende Leidtragende an.
Die gesamte Gesellschaft hat überwiegend zugeguckt, wie die Probleme enstanden und wuchsen. Man wollte nicht riskieren, in die ausländerfeindliche Ecke geschoben zu werden, indem man sagt, bei unserer Integrations - und Einwanderungspolitik läuft etwas schief. Seit nunmehr Jahrzehnten wird hierbei einfach nur zugeschaut. Und, die Gesellschaft insgesamt hat nicht verhindert, dass die Faschokeule Wirkung zeigt, wenn sie auf jemanden danieder fällt, weil er die drastischen Zahlen anspricht. Dass die Gesellschaft von bestimmten Worführern geprägt wird, ändert nichts daran, dass wir insgesamt zuließen, dass es versäumt wurde, für eine Integration und Einwanderung zu sorgen, welche die aktuellen Probleme verhindert hätte. Aber hierbei befinden wir Deutschen uns ja in guter europäischer Gesellschaft.
[…] wäre der Wahlkampf in Hessen, bzw. um Hessen und um Hessen drumherum, nicht schon unappetitlich genug, fangen nun auch noch die Spitzenkandidaten der Linkspartei an, um […]
“Wären die Probleme frühzeitig angepackt worden, dann wäre es nie zu einer solch ausufernden Diskussion gekommen, die ganze Gruppen als Problem bezeichnet.”
———-
Kleiner Widerspruch:
Bei einer bestimmten Klientel kannst du die schnellsten und effizientesten Aburteilungsverfahren anstrengen und dennoch wird immer dumpfer Fremdenhass und Antisemitismus bleiben. Und das nicht zu knapp. Übrigens quer durch alle Parteien und Gesellschaftsschichten. Frag’ mal die Menschen in Meck’-VP oder anderen östlichen Bundesländern, wo der Ausländeranteil gerade mal die 3%-Grenze schrammt. Die Einheimischen haben ihre Meinung vorher schon gehabt und würden sie auch nicht ändern, wenn Gesetze verschärft werden würden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass von den meisten Antisemiten z.B. schon einmal einen Juden persönlich kennen gelernt hat.
Die Debatte dient nur noch als Mittel zum Zweck - quasi als Transmissionsriemen für eine Verschiebung nach weit rechts. Es fehlte nur noch der Anlass. Allen gesellschaftlichen Grundsatzdebatten wohnt der Gedanke inne, dass ein Umwälzungsprozess stattfinden soll. Das ist normal und demokratisch. Aber bei den Kandidaten, die sich in diversen Foren tummeln, habe ich den Eindruck, dass sie einen anderen Freiheitsbegriff haben als ich. Das Wort müsste man ganz anderes buchstabieren, wenn die das sagen hätten.
Falls man die Debatte ideologiefrei führen würde - und das wünschst du dir ja auch - wäre allen Leuten gedient.
Nur passiert das eben nicht mehr, weil einige Typen nur darauf gewartet haben und jetzt aus ihren Löchern kriechen.
Zum Link nach PI: Den Beitrag habe ich schon gelesen, aber eine Schwalbe macht dort noch lange keinen Sommer, wenn zwei Beiträge später das alte Spielchen weitergeführt wird.
P.S.: Gestern habe ich ein Interview mit dem Münchener Polizeipräsidenten gehört: Der türkische Täter in dem Fall “U-Bahn” war von der zuständigen Richterin wegen eines anderen Deliktes vorher zu einer mehrmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verknackt worden. Sie hat - den Möglichkeiten entsprechend - so schnell und effektiv gehandelt, wie es möglich war. Du bist vom fach und weißt, wie viel mal anstellen muss, um überhaupt ohne Bewährung davonzukommen. Jetzt braucht die arme Frau Personenschutz, weil viele Leute glauben, sie hätte nichts unternommen und wäre einer 68erin, die Kuscheljustiz betreibt. Da siehst du mal, was der Mob anrichten kann, wenn man ihm Zucker gibt. Und da macht es keinen Unterschied, ob der, der den Zucker verfüttert, Koch oder Struck. Vielleicht sollte ich in Zukunft mein Geburtsjahr geheimhalten…Scherz…
Gruß
Bernd
“Bei einer bestimmten Klientel kannst du die schnellsten und effizientesten Aburteilungsverfahren anstrengen und dennoch wird immer dumpfer Fremdenhass und Antisemitismus bleiben.”
Das ist so. Diese Erscheinungen bekommt man nicht ausgerottet - weder in der bewussten noch latenten Variante. Worum es geht, dafür zu sorgen, dass diese nicht ausgelebt werden können und zu versuchen, einer Verbreitung entgegen zu wirken durch z.B. Aufklärung. Ich halte unsere Demokratie für wehrhaft und in der Lage, mit diesen Erscheinungen an den Rändern weiter fertig zu werden. Ebenso sehe ich dies bei der Problematik Deutschenhass unter Migranten. Dies ist im Übrigen wie jede Form des Hasses auf ganze Gruppen nicht nur Mitgliedern anderer Gruppen vorbehalten, Stichwort Selbsthass. Es gibt daher auch Deutsche ohne Migrationshintergrund welche die Deutschen pauschal hassen respektive Vorbehalte haben.
Edit: gelöscht, da ich etwas falsch verstanden hatte.
“Die Debatte dient nur noch als Mittel zum Zweck - quasi als Transmissionsriemen für eine Verschiebung nach weit rechts.”
@Bernd
Das ist doch Unsinn. Koch bringt das Ding aus wahltaktischen Gründen und das wars. An dem Hype siehst du aber, dass das Problem den Leuten unter den Nägeln brennt.
Spannend wird allein sein, ob das was bringt, wie in Hamburg 2001, als Schill mit dem gleichen Schlager 20% aus dem Stand geholt hat.
P.S. Wie man eine derartige Debatte ideologiefrei führen soll, mußt du mir mal gelegentlich näher erklären.
Kochs Vorschläge - Erhöhung des Strafrahmens, Verschärfung der Regeln um die Ausweisung - fallen in die Kompetenz des Bundes. Von daher kann er schon gar nicht als Landespolitiker seine Vorschläge umsetzen.
Schill kündigte Maßnahmen an, welche in die Landeskompetenz fielen, aber aus tatsächlichen Gründen nicht möglich waren. Damals gab es schon die gleichen Probleme wie heute. Verfahrensdauern die dafür sorgen, dass man Beschuldigte aus der U-Haft entlassen mußte, bevor überhaupt die Ermittlungen abgeschlossen waren etc.. Überfüllte Haftanstalten waren ebenfalls schon ein Problem. Hierbei kündigte er dann an, innerhalb eines Jahres xy Haftplätze mehr schaffen zu wollen. Jeder, der ein bißchen nachdenkt, wußte, es ist nicht möglich innerhalb eines Jahres so ein Bauvorhaben durchzuführen - Genehmigung und Bereitstellung der Mittel, Ausschreibungsverfahren, der Bau selbst etc.…
Die Frage jetzt ist also die, werden die Politiker nach diesem Hype endlich wach und sehen, es muss an den Ursachen der Probleme gearbeitet werden oder geht es nach den Wahlen weiter wie bisher, indem man die Dinge einfach weiter laufen läßt…
@Ricardo:
Vielleicht hätte ich’s so schreiben sollen:
“Die Debatte dient vielen (!) nur noch als Mittel zum Zweck - quasi als Transmissionsriemen für eine Verschiebung nach weit rechts.”
Womit ich diesen speziellen Fall von Paranoia meine. Dass große Teile der Linken unter einer anderen Paranoia leiden, die in einer Anbiederung an den Islam gipfelt, wird landauf, landab schon ausführlich debattiert.
Vielleicht sollten die Leute einfach einmal versuchen, Islamkritik kosmopolitisch zu interpretieren anstatt jetzt langweilige Teutsch-Schubladen aufzumachen. Das ist nämlich genau die Diskussion, die jetzt parallel dazu läuft und vor der Clemens Heni gewarnt hat. Ich dachte mir damals schon: “Einsamer Rufer in der Wüste”…
http://www.achgut.com/dadgdx/i.....er_broder/
Also “vielen” einfügen. Davon rücke ich keinen Millimeter ab.
Eine Debatte wird immer die eine oder andere Bewegung auslösen. Das ist klar. Wenn sie aber unlauter und unfair geführt wird ist sie für mich erledigt.
Unlauter ist z.B., wenn man mit Zahlen- und Quellenmaterial hantiert, das nicht abgesichert ist und ein paar stunden später widerlegt wird. unlauter ist auch, wenn man beschissen recherchiert und aus einer Nachricht einen wertenden Bericht macht. Wer sich den Anschein gibt, eine Nachrichtenseite zu betreiben und gleichzeitig gefärbte Ansichten einbringt (keine Angst, ich nenne keine Namen), sollte die Absichten beim Namen benennen oder es bleiben lassen.
Wenn man sauber recherchiert, argumentiert und schön nüchtern bei den Fakten bleibt, besteht die Gefahr der Ideologisierung nicht so sehr. Man könnte auch sagen, dass die Kleingeisterei dann nicht so schnell Einzug in den Köpfen hält.
So viel zu deinem Unsinn-Vorwurf.
@Bernd
“Nur passiert das eben nicht mehr, weil einige Typen nur darauf gewartet haben und jetzt aus ihren Löchern kriechen.”
In meinem gelöschten Teil, hatte ich etwas dazu gesagt. Habe Deinen Beitrag jetzt noch einmal gelesen und möchte doch noch etwas dazu sagen:
Mein Eindruck ist ein anderer. Erst nachdem Koch mit der Fascho-Keule angegangen wurde, uferte die Diskussion doch aus. Wenn man Leserbriefe studiert, dann geht es doch in denen auch immer darum, dass die Menschen anprangern, kaum einer spreche die Probleme offen an und es wird sich darüber beschwert, dass diejenigen, die sagen, die Zahlen seien bedenklich, in die Fascho-Ecke getrieben werden. Daher, ich sehe es nicht so, als haben all diese darauf gewartet, los zu legen, sondern es ist einfach ein Ventil geplatzt. Die Menschen fühlen sich unverstanden und ungerecht behandelt durch die Fascho-Keulen. Womit sie ja auch insofern Recht haben, die Zahlen anzusprechen und Lösungen zu fordern hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun.
Von daher sage ich, wäre die Politik sachlich auf Kochs Äußerungen eingegangen, indem man gesagt hätte, was tun wir gegen ansteigende Kriminalität in bestimmten Bereichen, wäre es nicht zu der Diskussion in der jetzigen Form gekommen. Die Leute wären nicht so aufgebracht, weil sie sich verstanden und nicht ungerecht behandelt fühlen würden mit ihren Sorgen.
Darüber hinaus hat die Politik so die Chance verpaßt zu zeigen, wie man sachlich über die existenten Probleme sprechen kann, welche sensibel behandelt werden sollten. Das hat die Politik aber verpaßt, weil sie lieber Fascho-Keulen schwingen wollte um den Gegner in eine Ecke zu drängen. Mit dem nach meiner Einschätzung Resultat: Die Leute sind sauer darüber und lassen ihren Ärger an der Politik freien Lauf und treffen damit auch die Falschen, nämlich all die integrierten Zuwanderer, die mit den Intensivtätern über einen Kamm geschert werden, indem man ganze Gruppen als gewaltbereit darstellt.
Ferner, es kann doch nicht die Lösung sein, Dinge zu verschweigen, Probleme nicht zu lösen, nur weil bei bestimmten Themen Menschen auf einen Zug springen, mit denen man nicht reisen möchte.
@stefanie.
Du schreibst:
“Wenn man Leserbriefe studiert, dann geht es doch in denen auch immer darum, dass die Menschen anprangern, kaum einer spreche die Probleme offen an und es wird sich darüber beschwert, dass diejenigen, die sagen, die Zahlen sind bedenklich, in die Fascho-Ecke getrieben werden.”
————-
Entschuldige bitte. Das Gerede von “in die rechte Ecke getrieben” kann ich mir nicht mehr anhören. Und wer ist “denen”?. Viele dieser “denen” pfeifen aus dem letzten Loch. Ich könnte dir mittlerweile ein “Kompendium” von “Leserbriefen” wie du sie nennst, präsentieren, in denen ganz freimütig von Geziefer, Aufhängen an Laternenmasten, Zwangssterilisation und anderen schauerlichen Dingen die Rede ist.
Weiter sagst du zum Schluss:
“Ferner, es kann doch nicht die Lösung sein, Dinge zu verschweigen, Probleme nicht zu lösen, nur weil bei bestimmten Themen Menschen auf einen Zug springen, mit denen man nicht reisen möchte.”
Vollkommen einverstanden, aber: Dann sollte man es diesen Herrschaften deutlich sagen. Ich weiß schon, warum ich mit einer Handvoll Freunden zwischen allen Stühlen sitze…; es ist nicht jedermanns Sache, von allen Seiten Prügel einzustecken.
Denk’ an den Beitrag von JungleWorld, den ich dir geschickt habe….
@Bernd
„Vielleicht sollten die Leute einfach einmal versuchen, Islamkritik kosmopolitisch zu interpretieren anstatt jetzt langweilige Teutsch-Schubladen aufzumachen.“
Du tust so, also sei der überwiegende Teil der „Islamkritiker“ unterwegs, weil sie deutsches Kulturgut in Gefahr sehen. Das finde ich ebenso so falsch, wie pauschal zu behaupten, Migranten aus islamischen Ländern seien ein Problem. Auch finde ich den Vorwurf Henis an Broder unberechtigt. Bei Broder bekommt nun wirklich jeder sein Fett weg, welcher freiheitliche Werte missachtet oder auch nur in Frage stellt.
Die meisten, welche ich lese, die den fundamentalistischen Islam und den Islamismus kritisieren, denen geht es um eben diese Freiheit. Dem politischen Islam, eine extremistische Ideologie, soll ebenso wie dem Links- und Rechtsradikalismus die Stirn geboten werden um unsere Menschenrechte zu verteidigen. Diese Werte – Freiheit, Gleichheit etc.– verteidigen zu wollen, hat doch nichts mit Deutschtümelei zu tun.
Es gibt welche, die dieses Thema missbrauchen, aber gleich alle über einen Kamm zu scheren….manchmal habe ich den Eindruck – jetzt aktuell bei der Giordano Debatte – die sogenannten Islamkritiker stehen in Konkurrenz zueinander und wollen daher andere in bestimmte Ecken treiben um so selbst die Meinungsführerschaft zu übernehmen. Es gibt welche, die in diesen Ecken stehen, aber manche werden dort auch hineingeschoben, obwohl sie da nicht hingehören. Zu viele versuchen auf Kosten anderer sicher zu stellen, dass man sie nicht diesen Ecken zuordnet, indem sie Abgrenzungen vornehmen, wo keine nötig wären.
Das ist mein persönlicher Eindruck, der natürlich auch falsch sein kann. Ich empfinde es aber häufig als kontra produktiv, wie Meinungen, welche nicht mit der eigenen übereinstimmen, auseinander genommen werden, anstatt sich mit diesen auseinander zu setzen. Würde man letzteres machen, so bin ich sicher, würden einige weniger vorschnell in Ecken geschoben werden, weil es unberechtigt ist - siehe Giordano. Man muss nicht seiner Meinung sein, das bin ich auch nicht in allem, aber in die extreme Ecke gehört er einfach nicht.
“Entschuldige bitte. Das Gerede von “in die rechte Ecke getrieben” kann ich mir nicht mehr anhören. Und wer ist “denen”?. Viele dieser “denen” pfeifen aus dem letzten Loch. Ich könnte dir mittlerweile ein “Kompendium” von “Leserbriefen” wie du sie nennst, präsentieren, in denen ganz freimütig von Geziefer, Aufhängen an Laternenmasten, Zwangssterilisation und anderen schauerlichen Dingen die Rede ist. ”
Wir sprechen hier glaube ich von zwei verschiedenen Dingen. Ich meinte mit in die Ecke treiben z.B. Koch durch z.B. Struck und Roth. Dass in Leserbriefen Dreck erscheint, habe ich in meinem Eingangspost durchklingen lassen. Dort schrieb ich schon, dass pauschale Äußerungen, dass alle aus einer bestimmten Gruppe zur Gewaltbereitschaft neigen, nicht akzeptabel sind.
Leserbriefe mit Worten wie Geziefer habe ich nicht gelesen. Was liest Du für Zeitungen und Seiten? Das ist menschenverachtend und hierbei besteht kein Zweifel, diesen Menschen geht es um anderes. Das sagt nicht jemand, nur weil ihm aus Ärger die Pferde durchgingen - zumindest in der Regel und wenn wird sich hoffentlich später zumindest gebührend geschämt.
Ich meinte z.B. hier die Reaktionen
http://www.kristina-koehler.de.....chuert_de/
Ich weiß nicht, was da nun noch hinzu kam - ob da was von Ungeziefer steht. Ich las da mal ganz zu Beginn drüber. Da hatte ich den Eindruck, die Leute wollen sich Luft machen. So wie ich dies auch an anderen Stellen dachte. Und, wie ich es in meinem Eingangspost schrieb, die Opfer des Luftmachens sind nicht die, welche dafür sorgten, dass sich da so viel anstaute, indem Diskussionen und damit auch die Problemlösung unterbunden wurde, sondern all diejenigen, welche nun mit Intensivtätern pauschal über einen Kamm geschert werden, nur weil sie aus den gleichen Ländern stammen.
“Vollkommen einverstanden, aber: Dann sollte man es diesen Herrschaften deutlich sagen. Ich weiß schon, warum ich mit einer Handvoll Freunden zwischen allen Stühlen sitze…; es ist nicht jedermanns Sache, von allen Seiten Prügel einzustecken.”
Ach Du armes Tuck, hauen sie Dich alle
Runde Mitleid für Dich
Das macht Koch doch. Du willst doch nicht behaupten, dass Koch gemeinsame Sache mit z.B. der NPD machen will. Also, distanziert hat sich Koch nicht nur einmal und sehr deutlich durchklingen lassen, was er von den Herrschaften hält. Dass er dies überhaupt tun musste zeigt doch, dass es so ist, dass Leute in Ecken getrieben werden, in die sie offensichtlich nicht gehören. Populismus kann man ihm vor werfen, aber doch nicht mehr.
Mist, jetzt habe ich den ganzen Text verloren, weil ich zu schnell getippt habe.
Also noch einmal (nichts abgespeichert):
Du:
Leserbriefe mit Worten wie Geziefer habe ich nicht gelesen. Was liest Du für Zeitungen und Seiten? Das ist menschenverachtend und hierbei besteht kein Zweifel, diesen Menschen geht es um anderes. Das sagt nicht jemand, nur weil ihm aus Ärger die Pferde durchgingen - zumindest in der Regel und wenn wird sich hoffentlich später zumindest gebührend geschämt.
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Du weißt, welche Seite ich meine.
Zu K. Köhler. Ich schätze die Frau seit gut eineinhalb Jahren. Sie hat auch jede Menge Verstand.
Was hat man mit ihr vor ein paar Wochen gemacht, als sie sich dafür einsetzte, mit den verfassungstreuen Muslimen zusammenzuarbeiten? Und zwar denen, die hier über Jahre hinweg bewiesen haben, dass sie diese Ordnung bejahen? Für diese nüchterne Vorgehensweise wurde sie beschimpft. Und das nicht zu knapp. Wer solche Freunde hat braucht keine Feinde mehr.
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Runde Mitleid für Dich
Du:
Ach Du armes Tuck, hauen sie Dich alle
Das macht Koch doch. Du willst doch nicht behaupten, dass Koch gemeinsame Sache mit z.B. der NPD machen will. Also, distanziert hat sich Koch nicht nur einmal und sehr deutlich durchklingen lassen, was er von den Herrschaften hält. Dass er dies überhaupt tun musste zeigt doch, dass es so ist, dass Leute in Ecken getrieben werden, in die sie offensichtlich nicht gehören. Populismus kann man ihm vor werfen, aber doch nicht mehr.
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Was ist ein Tuck? (Erröte’)
Gemeinsame sache will er natürlich nicht machen, aber wenn die sache so heiß ist, warum spricht er sie nicht schon vorher (vor München) an? Es gab’ genügend Anlässe, klare Kante zu zeigen. Z.B., als der ZDM seine Indifferenz zum GG ganz deutlich unter Beweis stellte, die EKD wegen ihrer Handreichung als primitiv und rückständig bezeichnete. Bis zur Wahl war’s halt noch ein wenig hin, und wer führt schon Dauerwahlkampf über mehrere Monate hinweg, wenn er’s in vier Wochen auch gebacklen bekommt? Und bei Schröder, Struck und Co. hat man natürlich auf diesen Moment nur gewartet, wobei Ersterer an Heimtücke ja kaum noch zu übertreffen ist, weil er vor Jahren noch viel drastischer formulierte und jetzt so tut, als sei nichts gewesen.
Jetzt bleibt nur noch die Frage, wer wen treibt oder ob viele Hohlköpfe nicht selbst dran Schuld tragen, wenn sie sich Tag für Tag veräppeln lassen.
Die entschuldigende These (jetzt allgemein gesprochen, nicht auf dich bezogen), dass die Leute “Getriebene” sind, kann ich nicht gelten lassen. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, was sich in seinem Kopf abspielt. Dann sind wir nämlich schnell wieder da, dass vom verführten Volk gesprochen wird, und schwupp, schon ist die nächste Lebenslüge fertig.
Deshalb gebe ich auch so große Stücke auf Daniel Goldhagen: http://www.spiegel.de/kultur/g.....90,00.html
test, test
(Ich habe einen Beitrag verfasst und meine Mail verified, diese beschissene Software meinte aber trotzdem, dass ich meine Mail verifien müsse.)
@N. Neumann
wg. Test,Test
———
Ging mir auch so; schon ein paar Mal. Sicherheitshalber in externem Editor vortippen und sichern.
Ich musste auch wieder alles neu schreiben. Siehe oben. Und alles kann ich mir dann auch nicht immer merken.
Wird schon noch….(grins)
Meine Tests sind alle positiv verlaufen. An der Software liegt es wohl nicht, es handelt sich um die aktuelle Version von WP. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang mit dem Browser? Ich selbst bin nur mit Firefox im Netz unterwegs.
Gruss
MK
“Du weißt, welche Seite ich meine.”
Dieses Blog ist aber nicht die Nation. Wir reden hier über die gesamte Gesellschaft. Dabei ist es so interessant wie ein Sack Reis, der in China umfällt, was irgendein Kommentator auf dem von Dir beobachteten Blog sagt. Dies ist nicht repräsentativ für die allgemeine Stimmung und kann damit auch nicht als Beleg dafür dienen. Es ist schlichtweg uninteressant für die Diskussion hier. Allenfalls Erwähnung unter ferner liefen wäre angebracht gewesen.
Noch eine Sache, die mir allgemein auffällt. In den politischen Diskussionen geht es zu häufig darum, einen politischen Gegner ins Aus zu stellen und nicht mehr um die Sache allgemein. Jetzt bei Koch ist es eskaliert. Dies beschrieb ich auch in meinem Eingangspost. Um den Gegner ins Aus stellen zu können, verzetteln sich die Leute mit Tritten gegen die Person und beschränken sich nicht auf die Sache. Hauptsache dem Gegner einen mitgeben zu können. Wie arm ist unsere Politik geworden, dass dies ein Mittel geworden ist im Kampf um Wählerstimmen. Dass der persönliche Angriff schon fast zu einem üblichen politischen Mittel geworden ist, anstatt zu versuchen in der Sache zu überzeugen. Haben die Leute so wenig zur Sache zur sagen. Jetzt in den Koch Diskussionen ist es extrem, aber nach meinem persönlichen Eindruck nimmt es zu, dass versucht wird auch den Gegner persönlich zu diffamieren um zu erreichen, dass seine Argumente weniger Gewicht erhalten.
Herausragendes Beispiel ist hierbei für mich Claudia Roth. Wenn ich etwas von ihr lese, dann regelmäßig auch, dass sie den Gegner persönlich angeht und am liebsten in extreme Ecken schieben will. Ich frage mich dann immer, ob sie so wenig überzeugt von ihren eigenen Argumenten ist, dass sie es nötig hat, quasi Verstärkung zu holen, indem sie versucht, auch die Personen selbst anzugehen.
@ Bernd Dahlenburg
In Kurzform:
Bei dergleichen Leserbriefen handelt es sich zwar eher um Onlinekommentare, aber sie existieren zweifelsohne. Und zwar nicht nur im Kommentarbereich von PI.
Ich lebe seit zehn Jahren in einem Berliner Stadtteil, der dann und wann wegen Gewaltdelikten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund kleinere Schlagzeilen macht. Persönlich habe ich davon in meinem Kiez, der weder aus sozialer Zuckerwatte besteht noch ein sozialer Brennpunkt ist, in all den Jahren nichts mitbekommen. Die türkischen und arabischen bzw. türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen benehmen sich hier recht normal. Auffällig ist da eher noch der eine oder andere mehr oder minder eingeborene Psycho.
Sofern du jedoch Leuten, die z.B. im Wedding oder in Neukölln leben oder dort gelebt haben, im Rahmen eines Gesprächs über Jugendkriminalität erstmal mit besagten Leserbriefen und einer Kritik an Roland Koch kommst, würdest du von den meisten jedoch Unverständnis ernten. Wobei darunter wiederum die meisten weit davon entfernt sind, rechts zu sein und sich anders artikulieren als die von dir erwähnten Leserbriefschreiber.
Darüber hinaus ist es mithin schon lustig, wenn mir mein deutsch-syrischer Pizzabäcker und sein deutsch-polnischer Pizzafahrer sagen, wie bescheuert es doch ist, dass jugendliche Serientäter türkischer und arabischer Herkunft ohne deutschen Pass nicht abgeschoben werden.
@Stefanie
Roland Koch ist intelligent genug, um zu wissen, dass eine bloße Erhöhung des Strafmaßes für jugendliche Gewalttäter ein aller Wahrscheinlichkeit nach ineffizientes Instrument zur Senkung der Gewaltquote ist. Und um die von Experten und Praktikern unterschiedlicher Couleur schon länger angemahnte Verkürzung der Verfahrensdauer hat er sich während seiner zwei Legislaturperioden in Hessen nicht gekümmert.
So sehr mir die gutmenschige Ignoranz und das Abwiegeln von bestimmten Personen links von der CDU/CSU immer wieder auf den Wecker geht, halte ich es für falsch, gegenüber Roland Koch gleichsam noch Dankbarkeit für die Schaffung von Problembewusstsein zu verlangen. Als ob dies erst durch die besonders anschauliche Gewalttat in München oder den Kochschen Wahlkampf entstanden wäre und der hohe Ideologielevel der Debatte nun allein auf die Koch-Hasser zurückzuführen.
Der Innensenator des rot-dunkelroten Senats, Erhart Körting, sowie der Neuköllner Bezirksbügermeister, Heinz Buschkowsky, sind in Berlin ziemlich populär. Und zwar gerade nicht deshalb, weil sie so reden und handeln wie der Feuilleton-Chef der Zeit, Jens Jessen, oder Claudia Roth. Auch laufen keine Migrantenverbände gegen erstere Sturm.
“So sehr mir die gutmenschige Ignoranz und das Abwiegeln von bestimmten Personen links von der CDU/CSU immer wieder auf den Wecker geht, halte ich es für falsch, gegenüber Roland Koch gleichsam noch Dankbarkeit für die Schaffung von Problembewusstsein zu verlangen. ”
Das kann ich unterschreiben, aber wer tut das denn?
Mein Punkt ist der, lange bekannte Probleme werden nicht diskutiert, weil man sie nicht ansprechen möchte. Die einen sprechen sie nicht an, weil es ihre Ideologie verbietet und andere nicht, weil sie sonst in die ausländerfeindliche Ecke gedrängt werden. Das dies so ist, beweist schon allein Diskussion um Koch.
“Dieses Blog ist aber nicht die Nation. Wir reden hier über die gesamte Gesellschaft. Dabei ist es so interessant wie ein Sack Reis, der in China umfällt, was irgendein Kommentator auf dem von Dir beobachteten Blog sagt. Dies ist nicht repräsentativ für die allgemeine Stimmung und kann damit auch nicht als Beleg dafür dienen.”
@Stefanie:
Gut, dann haben wir uns in diesem Punkt etwas missverstanden. Ich hatte es in diesem Fall nicht gesamtgesellschaftlich gemeint.
Dennoch: Dieser Blog steht in intensivem Kontakt mit Dutzenden anderen Bloggern, die regelmäßig untereinander ihre “Erfahrungen” austauschen und die Blogsphäre ebenso vergiften wie die Linken.
So unwichtig ist “der Sack Reis” übrigens nicht, weil diese Kommentare mittlerweile Legion sind und eine Stimmung wiedergeben (nicht nur erzeugen), die sich gerne wieder auf Begriffe wie das “Völkische” bezieht und latent da ist. Das als “Sack Reis” abzutun ist naiv. Zwar ist es nicht repräsentativ für die allgemeine Stimmung, aber für eine schweigende Mehrheit schon.
Ich wiederhole mich ungern, aber: Der Feind meines Feindes ist nicht unbedingt mein Freund. Das trifft in den meisten Fällen zu. Wir dürfen nicht übersehen, die Gefahr besteht, dass - so wichtig die Diskussion ist - unheilvolle andere Entwicklungen im Schlepptau daherkommen. Wer das nicht sehen will wird sich eines Tages noch verwundert die Augen reiben.
Giordano hatte schon Recht, wenn er meinte, dass eine bestimmte Klientel aus Köln ihn wieder ans Messer liefern würde. Und diese Klientel sitzt mit vielen von denen, die du an den Rand gedrängt siehst (als seien sie nicht selbst für ihr Tun verantwortlich) in einem Boot.
Jeder Mensch kann seine Meinung sagen. Wenn mache meinen, sie könnten das nicht, weil sie sonst in die rechte Ecke gestellt werden, dann frage ich mich, ob diese Meinung bei umgekehrten Deutungshoheiten in diesem Land nicht genauso argumentieren würden und sagen, sie fühlten sich dann in die linke Ecke gestellt.
Nein, so einfach ist es nicht.
Was anderes noch: Der Kriminologe Pfeifer hat m.E. Recht, wenn er die Gewaltphänomene zwischen deutschen (in dem Fall rechten) und islamisch tradierten Jugendlichen miteinander vergleicht, was die Ausformung und Radikalität betrifft. Unterschiedlich sind nur die Motive: Bei den Einen läuft es an einer völkischen Linie entlang und bei den Anderen an einer islamischen (obwohl sie davon selbst auch nur wenig wissen).
Einig sind sie sich in ihrem platten Antisemitismus. Und die Champagner-Antisemiten (M.Friedman) in der Mitte unserer Gesellschaft grinsen sich eins.
@N.Neumann
Du schreibst:
“Darüber hinaus ist es mithin schon lustig, wenn mir mein deutsch-syrischer Pizzabäcker und sein deutsch-polnischer Pizzafahrer sagen, wie bescheuert es doch ist, dass jugendliche Serientäter türkischer und arabischer Herkunft ohne deutschen Pass nicht abgeschoben werden.”
……
Da widerspreche ich ja nicht. Es wird auch Türken geben, die dasselbe sagen wie die von dir angeführten Personen. Sie haben aber eine andere Motivation: Sie wollen sich zu Recht ihren Ruf nicht ruinieren lassen. Bei Einheimischen atecken oft noch andere Motive dahinter - und die beschränken sich nicht nur auf Gewalttäter. Aber das brauche ich wohl nicht mehr darzulegen.
Zur Abschiebung: Heute Vormittag habe ich im Deutschlandfunk gehärt, dass der Europäische Gerichtshof hier entschieden hat, dass (auch ohne dt. Pass) die Entscheidung zur Abschiedung von der Dauer des bisherigen Aufenthaltes abhängt. Der türkische junge Mann im Fall München lebt seit frühester Kindheit hier. Also, was soll man machen? Wenn er, sagen wir mal, erst 1 Jahr hier leben würde, wäre das einfacher, denn das Recht auf Aufenthalt (also Nichtabschiebung) steigt bzw. fällt mit seiner Aufenthaltsdauer hier in Deutschland.
Schon allein deswegen war Kochs Manöver sehr durchsichtig. Wenn er konsequent wäre würde er beim EGH eine Petition einreichen bzw. Bundesrat und Bundestag dazu anraten, dass sie es tun. Beide müssen nämlich den Antrag stellen.
Jo Leinen hat das heute Morgen im Radio gesagt.
@Michael Kreutz
Wäre es möglich, dass ihr mal Formatierungsmöglichkeiten einbaut? Danke.
@Bernd
“Giordano hatte schon Recht, wenn er meinte, dass eine bestimmte Klientel aus Köln ihn wieder ans Messer liefern würde. Und diese Klientel sitzt mit vielen von denen, die du an den Rand gedrängt siehst (als seien sie nicht selbst für ihr Tun verantwortlich) in einem Boot.”
Bernd, Du stelltest doch nun selbst fest, dass wir über zwei unterschiedliche Paar Schuhe reden. Wie häufig muss ich hier noch schreiben, dass es mir um Koch, Giordano etc. geht, welche nicht in die extreme Ecke gehören.
Ich schrieb nichts darüber, dass ich Menschen, welche sich rassistisch äußern als in eine Ecke gedrängt sehe. Wer sich so äußert, der befindet sich in der Ecke und wird nicht in diese gedrängt. Daher, worauf willst Du hinaus?
Ich weiß es, Du verbeißt Dich hier gerade .-)
Du willst über PI und Co sprechen. Aber ich sagte es Dir schon via E-Mail und auch in dem oben gelöschten Teil stand etwas dazu. Ich möchte hier schon grunds. nicht über andere Blogs sprechen. Dies in keinem Falle wenn es darum geht, die Betreiber selbst ins Visier nehmen zu wollen. Wir bieten keine Plattform um Personen ins Visier zu nehmen
Darüber hinaus, mir ist das Thema zu wichtig als dass ich dies anhand eines einzelnen Blogs diskutiert sehen möchte. Du bezeichnest es als naiv, wenn ich sage, was ein Kommentator auf einem Blog PI sagt, ist nicht repräsentativ. Ich sage dazu nur, man kann die Stimmung in Deutschland nicht anhand einzelner Kommentare bei PI beurteilen. Eine Diskussion die sich um PI dreht, geht damit an der Sache vorbei, die Stimmung in Deutschland. Abgesehen davon, dass auch in anderen Foren Bemerkungen fallen, wie sie bei PI vorkommen. Diese Foren zu diskutieren, wären teilweise sehr viel geeigneter, als das Blog PI, weil sich dort Vertreter aller politischen Richtungen tummeln um man somit einen sehr viel größeren Schnitt durch die Bevölkerung vertreten sieht, womit das Repräsentative sehr viel mehr gegeben wäre. Und noch einmal, Diskussionen über die Betreiber anderer Blogs - jeglicher politischer Couleur - sind hier nicht erwünscht. Damit spreche ich auch im Namen meiner Kollegen. Wir wollen uns mit Meinungen auseinander setzen und haben nicht einzelne Personen im Fokus.
@Stefanie:
Ein letztes Mal: Der von mir nicht genannte Blog u.a. sind Syptome eines gesellschaftliches Wandels.
Vielleicht ist es jetzt angekommen. Manachmal kann es nicht schaden, sich etwas mehr Gedanken darüber zu machen, was der andere schreibt.
Und jetzt kannst du mich wieder löschen.
Es ist auch nicht fair, hier eine “Belehrung” abzulassen und mich rauszunehmen. So entsteht der Eindruck, ich hätte fürchterliche Dinge geschrieben, die du jetzt korrigiert. Wahrlich nicht fair.
Aber ich lass’ mich hier eh’ nicht mehr blicken.
“Und jetzt kannst du mich wieder löschen.”
??? Hier wurde nichts gelöscht, bzw. ich löschte etwas aus einem Beitrag von mir, wie man unter dem entsprechenden Beitrag von mir nachlesen kann.
“Ein letztes Mal: Der von mir nicht genannte Blog u.a. sind Syptome eines gesellschaftliches Wandels.”
Worin genau siehst Du denn einen gesellschaftlichen Wandel, welchen es anzuprangern gilt?
“Und jetzt kannst du mich wieder löschen.”
??? Hier wurde nichts gelöscht, bzw. ich löschte etwas aus einem Beitrag von mir, wie man unter dem entsprechenden Beitrag von mir nachlesen kann.
“Ein letztes Mal: Der von mir nicht genannte Blog u.a. sind Syptome eines gesellschaftliches Wandels.”
Worin genau siehst Du denn einen gesellschaftlichen Wandel, welchen es anzuprangern gilt?
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@Stefanie: Entschuldige. Alle Mann zurück. Ich hab beim Scrollen falsch geschaut.
Ich fasse es abschließend zusammen, und das soll es dann auch sein:
Große Teile der Linken haben ihre Kritikfähigkeit verloren und werfen sich dem politischen Islam an den Hals. Und auf der anderen Seite bemächtigt sich die Rechte des Themas “Islam”, verrührt das Ganze noch mit “Ausländern” zu einem unappetitlichen Brei und verkauft das dann als Islamkritik.
Und der deutsche Michel lässt’s geschehen.
….bzw. freut sich darüber, dass diejenigen, mit denen er sonst nichts zu tun haben will, das “Geschäft” für ihn erledigen.
Und diejenigen, die die sachlichen und leisen Töne anschlagen, drohen in dieser Gemengelage unterzugehen bzw. werden kaum gehört, weil auf beiden Seiten die Messer gewetzt werden.
Da widerspreche ich ja nicht. Es wird auch Türken geben, die dasselbe sagen wie die von dir angeführten Personen. Sie haben aber eine andere Motivation: Sie wollen sich zu Recht ihren Ruf nicht ruinieren lassen.
@Bernd
Ja, abgesehen davon, dass ihr Unverständnis gegenüber Jugendkriminalität dasselbe ist. In anderer bzw. ähnlicher Hinsicht ist die Motivation identisch: Sie ziehen weg. Zumal dann, wenn die Kinder ins Schulalter kommen.
Bei Einheimischen atecken oft noch andere Motive dahinter - und die beschränken sich nicht nur auf Gewalttäter. Aber das brauche ich wohl nicht mehr darzulegen.
Ja.
Ein letztes Mal: Der von mir nicht genannte Blog u.a. sind Syptome eines gesellschaftliches Wandels.
Wobei der gesamtgesellschaftliche Wandel im Sinne einer Rechtsverschiebung, den du daraus und aus bestimmten Internetpublikationen ableitest, so nicht existiert.
Als ob ein signifikanter Teil der Bevölkerung im Rahmen der Debatte über Islamismus, Islam und der Grauzone dazwischen im Zuge des 11. September 2001 nach rechts gerutscht wäre.
Das Internet ist zunächst mal das Medium, in dem noch jeder Faselklumpen, der selbst in der Kneipe oder an einer sozialwissenschaftlichen Fakultät Probleme hatte, nennenswerten Zuspruch für seine besondere Sicht der Dinge zu ernten, Mitstreiter findet. Da verwundert es erst recht nicht, dass das politische Spektrum rechts von der CDU/CSU und links von der NPD für den liberalen Bildungsbürger besser sichtbar geworden ist, d.h. a) Blogs eröffnet b) an verschiedenen virtuellen Orten kommentiert, dass die Schwarte kracht, und last but not least c) vor allem im Islam sein Thema gefunden hat.
Das ist mindestens unästhetisch, und es kann als richtig und wichtig gelten, im Rahmen des Oberthemas Islam zuweilen einen Strich gegenüber PI und Co. zu ziehen. Allerdings handelt es sich um einen Trugschluss bzw. um eine Spiegelung des Kulturpessimismusses derjenigen, die ihre elaborierten Zwangsgedanken anhand des Islams in der Öffentlichkeit feil bieten, wenn man annimmt, dass dem ein gesellschaftlicher Wandel im oben beschriebenen Sinne zugrunde liegt.
Dieser besteht hauptsächlich darin, dass, wie gesagt, bestimmte Ressentiments via Internet sichtbarer geworden sind und ein Trigger-Thema vorhanden ist, mit dessen Hilfe bestimmte Leute ihr generelles Misstrauen gegenüber der politische Klasse, ihre mehr oder weniger manifeste Fremdenfeindlichkeit und ihre weitgehende Ablehnung des sog. Mainstreams ausagieren - so jedenfalls der gemeinsame Nenner. Die Mitglieder dieses insgesamt losen virtuellen Milieus waren schon vor dem 11. September 2001 und/oder bevor sie im Internet aktiv wurden Schwachköpfe.
Weder ist daraus eine soziale Bewegung noch eine rechtspopulistische Partei entstanden.
Maßnahmen gegen jugendliche Gewalttäter - zwei Blicke nach Frankreich…
Ich versuche mal, im Zusammenhang mit Roland Koch das P-Wort zu vermeiden. Aber wenn ich seine teilweise doch sehr martialischen Interviews mit der Springer-Presse mit den Forderungen abgleiche, die dann ihren Weg in die entsprechenden CDU-Papiere (Sec…
Koch und seine Kellner
Von Giovanni di Lorenzo
Leider reagieren Linke und Liberale auf die Gewalt junger Ausländer reflexhaft falsch
http://www.zeit.de/2008/04/01-.....t?page=all
Nach dem Video von Lessen war dies wohl auch bitter nötig .-)
Danke Dir für den Link!
Zur ausgleichenden Gerechtigkeit muss jetzt aber der Schirrmacher sein Fett wegkriegen.