Ahmadi-Nejad und der Kapitalismus
Der Oskar Lafontaine hat ja immer gewusst, dass es “Schnittmengen zwischen linker Politik und islamischer Religion” gibt, die vor allem darin bestehen, dass man in einem “übersteigerten Individualismus”, diesem Ausdruck der Dekadenz westlicher Gesellschaften, einen gemeinsamen Feind findet. Darum zeigt jetzt der iranische Präsident Ahmadi-Nejad, dass das Diktum Lafontaines keineswegs nur so daherschwadroniert war, sondern dieser sich auf sein Alter Ego in Teheran verlassen kann.
Vor einer Gruppe von Universitätsgelehrten machte Ahmadi-Nejad deutlich, was er vom Kapitalismus hält: “Die wirtschaftliche Stagnation, die ihr heute in Amerika seht, ist der Anfang vom Ende des Neo-Kolonialismus auf dieser Welt, demgegenüber es unsere Verpflichtung ist, bereit zu sein und den Entwurf für ein neues System vorzulegen.” Das neue System, mit dem die Welt beglückt werden soll, ist der politische Islam, der als holistisches Konzept auf allen Gebieten zur Anwendung kommen müsse, nicht nur auf dem der Ökonomie.
Die einer zunehmenden Gleichschaltung unterliegenden Universitäten des Iran seien “als authentischste Universitäten der Islamischen Welt” dazu berufen, eine politische Theorie auszuarbeiten, die das herrschende Weltsystem, das im Zerfall begriffen ist, von Grund auf zu verändern. Folgerichtig sieht Ahmadi-Nejad in den Wirtschaftssanktionen gegen sein Land auch mehr Nutzen als Schaden, werden so doch “die verschlungenen Kanäle, die unsere Ressourcen und unser Kapital nach ausserhalb unseres Landes befördern, geschlossen.”
Das einzige, was ein Land voranbringe und auf den Weg des Fortschritts führe, so Ahmadi-Nejad weiter, sei die Arbeit. Darum auch sei es für den Iran, der für Ahmadi-Nejad zu den drei bis vier bedeutendsten Ländenr der Welt gehöre, so wichtig, nach der Nukleartechnologie zu streben, die zu erlangen die Welt den Iran nicht hindern könne: “Die Kultur und der Geist des Islam sind mit der herrschenden Idee und dem Kapitalismus, der Arbeit und Arbeiter als Mittel zum Füllen der Taschen einiger weniger benutzt, unvereinbar.”
Na, ist das nicht reiner Laftontaine?
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Siehe auch:
- Der Sokrates unserer Tage, 27. April 2008,
- Prügel statt Wissenschaft, 4. Februar 2008,
- Iran: Kulturrevolution schreitet voran, 2. Dezember 2007,
- Zweite Kulturrevolution an iranischen Universitäten, 7. September 2006,
- Schutz-Schildbürger, 4. April 2006,
- “Das Pendel schlägt zurück”, 15. März 2006.
Ähnliche Beiträge:
- Ahmadi-Nejad – in Teheran noch weniger beliebt als in New York, October 3, 2007
- Ursache und Wirkung, January 12, 2006
- Ahmadi-Nejad für Friedensinitiative?, March 5, 2007
- Prügel statt Wissenschaft, February 4, 2008
- Iranische Studenten schlagen Ahmadi-Nejad in die Flucht, December 11, 2006
- “I doubt that you have the intellectual courage” (update), September 25, 2007
- Zweite Kulturrevolution an iranischen Universitäten, September 7, 2006
- Der missverstandene Herr Ahmadi-Nejad, August 6, 2008
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4 Responses to “Ahmadi-Nejad und der Kapitalismus”
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Naja Herr Kreutz ein islamische Geschäftsmann würde wohl mehr Gemeinsamkeiten mit dem Kapitalismus (oder Marktwirtschaft) sehen als mit “linker Politik”. Es kommt halt auf die Gewichtung an.
Und überhaupt, es ist doch noch keine Islamismus, wenn man Gemeinsamkeiten zwischen islamischer Religion und Linker Politik sieht. Außer man sieht zwischen Islam und Islamismus kein Unterschied.
Naja Herr Kreutz ein islamische Geschäftsmann würde wohl mehr Gemeinsamkeiten mit dem Kapitalismus (oder Marktwirtschaft) sehen als mit “linker Politik”.
Darauf wäre hier keiner gekommen.
Und überhaupt, es ist doch noch keine Islamismus, wenn man Gemeinsamkeiten zwischen islamischer Religion und Linker Politik sieht.
Wo steht das Gegenteil?
@N.Neumann
Das war auch nich direkt an M. Kreutz gerichtet. Das Zitat von Lafontain wurde in öffentlichen Medien (in einigen) immer auf den Islamismus gebracht. Das war eine Entgegnung darauf. Ich denke es gibt da halt einen Unterschied.
Und im Übrigen kenne ich sehr viele Muslime, die mit “linker Politik” nichts am Hut haben und daher ihre kaufmännische oder wirtschaftliche Tätigkeit in eine Ähnlichkeit von Marktwirtschaft und “islamischen Prinzipien” des Handelns münzen.
Wie schon gesagt, es kommt auf die Gewichtung an.
Auf der Seite der türkischen Liberalen gibt es dazu einiges Anhaltspunkte:
http://www.liberal-dt.org.tr/index.php?lang=en
Zur Klarstellung: Ich habe keine Aussage über den Islam getroffen, sondern über die linke Denke, wie wir sie beispielhaft bei Lafontaine finden.
Die Episode zeigt deutlich, wie gut Sozialisten und Islamisten zusammengehen. Um DEN Islam oder DIE Muslime ging es in meinem Beitrag nicht.
Eigentlich sollte das keiner Erklärung bedürfen.
Na klar doch!