“Israel muss von der Erdoberfläche verschwinden”
Israel ist alles andere als verschwunden, stattdessen verschwinden die von Teheran öffentlich geäusserten Vernichtungswünsche für den jüdischen Staat aus den online verfügbaren Transkripten. Offenbar haben Ahmadi-Nejad und seine Gefolgsleute noch nicht gemerkt, dass die westliche Intelligenzija immer nur das beste und edelste aus ihren Hasstiraden herausliest.
Nun hat Rahim Moshayi, Berater Ahmadi-Nejads und Vorsitzender der staatlichen Kulturstiftung (”Organisation für das kulturelle Erbe”), die Worte Ahmadi-Nejads bekräftigt, dass Israel keinerlei Legitimation besitze und bald von der Erdoberfläche verschwinden müsse. Das von Ahmadi-Nejad gebrauchte “az safhe-ye ruzgar” (vom Angesicht der Erde), das ein Professor aus Michigan in seiner englischen Übersetzung mit “from the page of time” aufgehübscht hat, benutzt Moshayi allerdings nicht.
In seinen Worten heisst es, Israel müsse “az arse-ye giti” verschwinden, wobei arse wörtlich soviel wie “Schauplatz, Bühne” bedeutet, und giti “Welt” oder “Universum”. Natürlich macht es keinen Sinn, Wort für Wort von einer Sprache in die andere zu übersetzen. So etwas mag vielleicht in Michigan als korrekte Übersetzung durchgehen, aber sonst nirgendwo. Selbstverständlich werden immer Sinneinheiten übertragen, die der Satzintention entsprechen, und darum wird auch z.B. ein englischer Ausdruck wie “to kill two birds with a stone” im Deutschen nicht mit “zwei Vögel mit einem Stein töten” wiedergegeben.
Während allerdings die von Ahmadi-Nejad benutzten Vokabeln safhe und ruzgar für sich genommen eine etwas schillernde Semantik aufweisen, gilt dies für arse und giti nicht. Ergo: Moshayi spricht davon, dass Israel komplett aus dieser Welt verschwinden möge, und dies, weil es keinerlei Legitimation besitze. Interpretationsspielraum gibt es bei dieser Aussage nicht. Gekrönt wird diese durch die Behauptung “das israelische Regime ist tot”, was abermals den Wunsch der iranischen Machthaber demonstriert, dass es mit Israel nicht schnell genug vorbei sein kann: “Wir in der Region und in der Welt werden Zeugen sein, wenn Israel nicht mehr zugegen ist [hozur nadarad].”
Das ganze Interview mit der Zeitung “Kargozaaran” hat es überhaupt in sich. Moshayi erläutert hier in extenso, warum die kürzlich weltweit verbreitete Nachricht, er habe den Iran als einen “Freund der Israelis” bezeichnet, ein Missverständnis sei. Tatsächlich, so führt Moshayi aus, sei der Iran ein Freund aller Nationen, auch solcher, die unter einer Besatzungsherrschaft leben. Da nun nicht alle Menschen in Israel auch Zionisten seien, habe der Iran für den grössten Teil der Bevölkerung auf dem Territorium israelischer Herrschaft Sympathie. Nicht jedoch für Israel selbst.
Israel selbst sei ohne Legitimation und dem Gebiet und der Bevölkerung Palästinas nur übergestülpt [tahmil shode ast]. Die Zionisten seien dort nur eine begrenzte Minderheit [yek aqalliyat-e mahdud], die man ignorieren könne. Die Mehrheit derer, die in den besetzten Gebieten1 lebten, haben mit dem Zionismus nichts zu tun: “Seien Sie gewiss, dass selbst der grösste Teil des jüdischen Volkes dort keine Zionisten sind.”
Weil Israel illegitim und übergestülpt sei, so Moshayi, sei er sich dessen sicher, dass es verschwinden müsse [bayad az miyan berawad / bayad az safhe-ye ruzgar mahw shawad], was allerdings der Feind mit seiner Medienmacht so dargestellt habe, als ob der Iran einen militärischen Zusammenstoss mit dem “usurpatorischen zionistischen Regime” beabsichtige und mit Nuklearwaffen in den Krieg ziehen wolle.
Nach der Niederlage im 33-Tage-Krieg (gemeint ist der Krieg 2006 gegen die libanesische Hisbollah) sei jedoch das Schicksal Israels besiegelt. Der Krieg habe deutlich gemacht, dass nicht etwa mehrere Länder notwendig seien, um Israel zu zerstören, sondern eine fromme Widerstandsbewegung allein ausreiche. Dies sei ein Zeichen für den Tod des Regimes, das die Legende vo der eigenen Unzerstörbarkeit unverzüglich begraben habe.
Weder Israel noch die USA haben den Mut, gegen den Iran aufzustehen. Für die Juden selbst sei Israel zu einem Nachteil geworden, habe doch “dieses Krebsgeschwulst” [ghodde-ye sartani] die Juden übel beleumundet und ihnen weltweit schwere Kosten aufgebürdet – ihnen, die mehrheitlich die “zionistischen Verbrecher” doch keineswegs akzeptierten. Selbst die Juden in Palästina seien mit Israel unglücklich. Damit wieder Ruhe in der Region einkehre, gebe es daher nur eine Möglichkeit: Das Verschwinden [barchide shodan] des Regimes.2
Was den Holocaust betreffe, so leugne “Dr. Ahmadi-Nejad” nicht die Ermordung von Juden durch die Nazis, er halte aber das “Abenteuer des Holocaust” [majara-ye holokast] für ein “politisches Spiel”, das die Zionisten in böser Absicht missbrauchten. Es folgt die bekannte Tirade, dass die Zionisten den Holocaust als Vorwand benützen, um ihre “verbrecherische Politik” zu verfolgen. Moshayi, der Israel nicht als Nation betrachtet, endet damit, dass keine Nation der Welt Feind des iranischen Volkes sei. Das seien nur die tyrannischsten und niederträchtigsten Individuen auf dem Globus.
(Dank an Nasrin)
[Dieser Text wurde um 19:00 Uhr überarbeitet. Die alte Fassung beruhte allein auf der Paraphrase des Interviews bei “Iran Press News”. Die ersten vier Absätze dieses Posts sind unverändert.]
- Aufgepasst: Das Mullahregime meint damit immer das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer! [back]
- Im Original: همه میدانند كه تنها راه بازگشت آرامش از بین رفته فلسطین، برچیده شدن این رژیم است. [back]
Was Mugabe vom Iran lernen kann
Wenn Mugabe lebenslang Präsident Zimbabwes bleiben und zugleich den Anschein demokratischer Verhältnisse bewahren will, dann, so der politische Analyst Hasan Daioleslam, sollte er sich einmal im Iran umsehen (Quelle: American Chronicle):
The recipe is easy and simple. Instead of becoming a presidential candidate, Mugabe could seat himself as the life term Supreme Leader. He then has to install a Council of Guardians to choose a few suitable presidential candidates with a solid record of obedience. By doing so, there would be no risk that one of the candidates would take refuge in a foreign embassy. As “democratic” elections take place every few years, the lucky winners of these presidential games could take turn in morphing into a moderate, reformist, pragmatist, radical, or realist. The democracy kit is not complete yet. Mugabe should fill the parliaments with the same kind of friends (moderates, reformists …). At the end, the Supreme Leader should make it clear to everyone that even such friendly president and parliament would have no authority and if by accident or excess of confidence they overextend their responsibilities, the Council of Guardian will intervene and guarantee the safety of the Republic. This form of democracy is called Velayat-e-Faghih.
Treffender könnte das herrschende Mullahsystem gar nicht beschrieben werden! Dabei ist es in der Tat unglaublich, wieviele Intellektuelle im Westen bereit sind, in der iranischen Theokratie zumindest annähernd demokratische Verhältnisse zu erblicken. Ähnliche Zitate, wie Daioleslam sie für den amerikanischen Raum gesammelt hat, liessen sich auch ohne weiteres für Europa finden.
Im Interview mit dem FrontpageMagazine erläutert Daioleslam, warum das Regime nun gerade Ahmadi-Nejad in das Amt des Präsidenten gehievt hat (Links von mir eingefügt – MK):
Why in 2005, did the Iranian leadership replace Mohammad Khatami, a smiling and internationally greeted president with a radical and repelling personality as Ahmadinejad? Note that in Iran, despite the masquerade of elections, presidents are selected rather than elected. It is naïve to believe that Ahmadinejad’s triumph was the result of a popular democratic process. The 2005 elections were particularly rigged. For the first time in the three decade history of the Clerical rule, all the candidates (except the lucky winner) publicly talked about massive intervention of the Guards and organized cheating.
(…) Why was there a need to unify the power under the Guards’ control? (…) In 2002- 2003, the Iranian clandestine nuclear program was uncovered and the regime was under immense pressure. At the same time, Iraq was invaded by the coalition forces and Tehran was faced with US massive presence. These two new elements were on top of the most important threat that regime was facing: the internal unrests and a growing social and political dissent movement.
To face these three challenges, regime had two choices: First choice was to come clean in nuclear dossier, get along with new regional geopolitics and finally liberalize the political atmosphere inside the country. We know that Tehran did not follow this path. The Ayatollahs opted for the second choice: (…) Mullahs’ armed forces- The Pasdaran Army (Revolutionary Gaurds); Hence Ahmedinejad’s presidency. The current catastrophic economic, political and social conditions, international isolation and placing the whole region at the verge of a dangerous war, are all consequences of this strategic choice by Tehran.
Bleibt nur die Frage, warum die Welt den Iran meist noch als Irgendwie-Demokratie zu betrachten bereit ist, Mugabes Zimbabwe dagegen nicht.
Viele, so Daioleslam, glauben, die Antwort heisse Öl.
(Dank an Nasrin)
Ahmadi-Nejad und seine westlichen Exegeten
Bei der marxistischen Zeitung “junge Welt” pflegt man weiter den Mythos, dass Ahmadi-Nejad nie von der Vernichtung Israels gesprochen habe, und drischt auf die Bundeszentrale für Politische Bildung ein:
Die Behauptung, Teheran wolle den Nahoststaat von der Landkarte tilgen, fand sich bis vor kurzem auch im einleitenden Text zu einem Antisemitismus-Dossier auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Das war für uns Anlaß, am 17. Januar einen offenen Brief an die Bundeszentrale zu richten und die Nennung der Originalquellen für das Landkarten-Zitat und weitere angebliche wörtliche Wiederholungen zu fordern, mit denen der iranische Präsident als Judenhasser und Holocaustleugner gebrandmarkt wird.
(…) Der Sprachendienst des Deutschen Bundestages legte folgende Übersetzung vor: »Unser lieber Imam [Khomeini] sagte auch: Das Regime, das Jerusalem besetzt hält, muß aus den Annalen der Geschichte [safha-yi rozgar] getilgt werden. In diesem Satz steckt viel Weisheit.« Damit sind von drei Fehlern, die in dem kurzen Satz steckten, zwei bereinigt. Aus ›Israel‹ ist ›das Regime, das Jerusalem besetzt hält‹ geworden und aus ›Landkarte‹ ist ›Annalen der Geschichte‹ geworden. Was geblieben ist, ist das transitive »tilgen«, das nach den Erkenntnissen von Jonathan Steele, Juan Cole und Katajun Amirpur zu »verschwinden« hätte werden müssen. Aber die Wendung »von der Landkarte tilgen«, die im englischen Sprachraum mit »wipe off the map« kursiert und im übertragenen Sinne die Bedeutung von »dem Erdboden gleichmachen« oder »ausradieren« hat, ist damit als eindeutig falsche Übersetzung entlarvt.
Auf diesem Blog ist eigentlich alles notwendige dazu schon gesagt worden. Vielleicht könnte man hinzufügen, dass das Regime eine eigene Übersetzung ins Englische angefertigt hat, wie auf nebenstehender Aufnahme aus Teheran zu sehen ist. Bemerkenswert an der Argumentation ist aber vor allem die Tatsache, dass die Autoren von “Arbeiterfotografie” zwar drei Kronzeugen für die angebliche Falschübersetzung der Äusserung von Ahmadi-Nejad anführen, es aber offenbar nicht der Mühe für wert befunden haben, einen Muttersprachler zu befragen, was denn der inkriminierte persische Satz genau bedeutet.
Natürlich hätten sie auch, anstatt offene Briefe und Petitionen zu verfassen, auch auf ganz altmodische Art ein Ding namens “Recherche” betreiben können. Dann nämlich wären sie vielleicht auf eine weitere Äusserung Ahmadi-Nejads gestossen, die da lautet “Die Verwirklichung einer Welt ohne Amerika und ohne Israel ist machbar und erreichbar” (tahaqqoq-e donya-ye bedun-e Amrika ve-Esrail dast-yaftani ve-shodani ast), woraus klar und deutlich hervorgeht, dass
- Ahmadi-Nejad nicht von einer Beendigung der Besatzung Ostjerusalems und der Westbank spricht, sondern klipp und klar von Israel, und
- im Gegensatz zur Propaganda des Dreigestirns Steele-Cole-Amirpur Ahmadi-Nejad unmissverständlich ausdrückt, dass Israel nicht von allein verschwinden werde (ähnlich dem Zusammenbruch der Sowjetunion), sondern als Ergebnis einer Handlung (”machbar und erreichbar”) – welche auch immer das sein mag.
Stattdessen macht man lieber Journalismus auf die lockere Art: viel Trara mit einem Minimum an Grips, von intellektueller Redlichkeit ganz zu schweigen. Und immer gibt es genügend Ahnungslose und Israel-Obsessive, die diesen Schmonzes nur zu gern für bare Münze nehmen.
Wann gibt eigentlich Steinbach seinen Senf dazu?
(Dank an J.M.)
Bildnachweis: Reuters
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[9. Juli 2008: Titel geändert.]
Was treibt Ahmadinejad an?
Von Jonathan Halevi und Ashley Perry
Der schiitische Iran strebt danach, die Position einer regionalen Supermacht zu erlangen, indem er eine wichtige Atommacht auf der internationalen Bühne wird. Der Iran fordert den Westen offen heraus, wenn er versucht, die Amerikaner und Briten aus dem Irak zu vertreiben und Hegemonie in der Golfregion zu erreichen, u. a. mittels seines in den letzten Jahren massiv vorangetriebenen Militärprogramms. Die iranische Führung spricht von einem „neuen Nahen Osten“ als Antwort auf den Westen und meint damit einen islamischen Nahen Osten, der von der Islamischen Revolution des Iran geprägt ist.
Die politischen Aspirationen des Iran werden von einem religiösen Eifer angetrieben. Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat wiederholt die „bevorstehende und offenkundige Liquidierung Israels“ beschworen, als Codewort für die messianische Inbrunst, die er mit seinem spirituellen Mentor, Ayatollah Mohammad Taghi Mesbah Yazdi, teilt, einem der radikaleren Ayatollahs, der diplomatischen und militärischen Aktivismus vertritt, um die globale islamische Revolution voranzutreiben.
Der frühere Präsident Khatami, ein iranischer Reformer, hat Yazdi einmal als den „Theoretiker der Gewalt“ bezeichnet. 2006 erließ Yazdis führender Schüler, Mohsen Gharavian, eine Fatwa, die den Einsatz von Atomwaffen gegen andere Länder genehmigte. Dies steht im Widerspruch zu iranischen Diplomaten im Westen, die immer wieder sagen, dass Atomwaffen dem Islam zuwiderlaufen und daher nicht angestrebt werden sollen.
In einer Sprache, die an Ayatollah Khomeinis Fatwa gegen Salman Rushdie erinnert, bestimmte Ahmadinejads Mentor auch: „Wenn irgendjemand die Heiligkeit des Islam beleidigt, erlaubt der Islam, dass sein Blut vergossen wird, ohne dass rechtliche Verfahren notwendig wären.“
Gegenüber führenden Religionsgelehrten versuchte Ahmadinejad im November 2005 nicht seine wahren Motive und Absichten zurückzuhalten. Das grundlegende Ziel sei es, dem Mahdi, dem schiitischen Messias oder „entschwundenen Messias“ den Weg zu bereiten. Dabei betonte er, um dies zu erreichen, müsse der Iran ein islamisches Beispiel geben, eine starke Gesellschaft aufbauen und eine Regierungspolitik auf vielen Bereichen entwickeln, die sich um die Zielvision des Endes der Zeit mit der Ankunft des Mahdi bemüht.
Als Bürgermeister Teherans hat Ahmadinejad im Jahr 2004 offensichtlich heimlich die Stadtverwaltung angewiesen, eine große Allee für den Mahdi vorzubereiten. Ein Jahr darauf stellte er als Präsident 17 Millionen Dollar für eine blau-gekachelte Moschee in Jamkaran in Qum zur Verfügung, die eng mit dem Mahdi-Glauben (mahdaviat) verbunden ist. Er drängte auch zum Bau einer direkten Zuglinie zwischen Teheran und Jamkaran.
Der religiöse Eifer, der mit der Moschee verbunden ist, zeigt sich jeden Dienstag, wenn sich am für die Ankunft des Mahdi angesetzten Abend Tausende von Iranern am Schrein von Jamkaran tummeln. Sie schreiben Wünsche auf Zettel und werfen sie in einen Brunnen, in dem der Imam erschienen sein soll. Ahmadinejad hat einmal eine Liste der von ihm vorgeschlagenen Kabinettsmitglieder in einen nahe der Moschee gelegenen Brunnen geworfen, um – so wird erzählt – von der ihm zugeschriebenen göttlichen Verbindung zu profitieren.
Am meisten beunruhigt, dass Ahmadinejad offen den Glauben vertritt, seine Herrschaft sei der Vorbote des Mahdi. Seine Rede vor der UNO im Jahr 2006 in Anwesenheit vieler führender Politiker aus der ganzen Welt schloss er mit einem Gebet: „Oh mächtiger Gott, ich bete zu dir, das Erscheinen deines letzten Treuhänders zu beschleunigen, des Versprochenen, des perfekten und reinen menschlichen Wesens, desjenigen, der diese Welt mit Gerechtigkeit und Frieden erfüllen wird.“
Ein voriges Jahr im Libanon veröffentlichtes Buch mit dem Titel „Ahmadinejad und die nächste globale Revolution“ konzentriert sich auf Ahmadinejads schiitische Vision des Mahdi. Der Autor, Shadi Fakiya, stellt eine direkte Verbindung zwischen Ahmadinejad und dem Mahdi her. Fakiya behauptet, dass der gegenwärtige iranische Präsident der Beschreibung des Kommandanten der Mahdi-Truppen entspricht, die gemäß dem schiitschen Glauben Jerusalem befreiten.
Ahmadinejad wird als entschlossen und direkt von Allah geführt dargestellt und im Glauben daran, dass die „Armee der Befreiung Jerusalems“ durch den Irak ziehen wird, ähnlich wie Ayatollah Khomeini, der behauptete, dass die Straße nach Jerusalem durch Karbala (eine heilige schiitische Stadt im Irak) führe würde.
Ahmadinejads Entschlossenheit, Atomwaffen zu gelangen, wird auch als Zeichen messianischer Erlösung ausgelegt, wenn er und sein Umkreis die Auseinandersetzung mit der internationalen Gemeinschaft über die Verhinderung der Entwicklung von Nukleartechnologie als einen der Wege, dem Erscheinen des Mahdi den Weg zu bereiten, betrachten.
Wie im Christentum wird auch dem schiitischen Messias ein ‚Anti-Christ’ bzw. im schiitischen Glauben der ‚Dajjal’ vorangehen. Die muslimische Tradition sagt voraus, dass am „Ende der Zeiten“ der Dajjal und seine Armee damit drohen werden, den gesamten Globus zu übernehmen, wobei der größte Teil mittels militärischer Macht erobert und andere mit materiellem Wohlstand verführt werden sollen. Dann wird der Mahdi erscheinen, um den Dajjal zu zerstören und sodann nach dem Gesetz der Sharia die Welt zu regieren.
Wenn auch historisch wenig über die Identität des Dajjal bekannt ist, behaupten mehr und mehr schiitische Imame, dass die Juden der Dajjal und seine Anhänger sind. Diese extremistischen Imame und ihre Gefolgsleute verweisen auf die antisemitischen ‚Protokolle der Weisen von Zion’ als Beweis dafür, dass die Juden die Welt regieren und den Islam korrumpieren.
Bereits in den 70er Jahren schrieb Ayatollah Khomeini in seinem Vilayat-i Faqih, dass die Juden den Islam pervertieren und daher göttliche Rache verdienen würden.
Ahmadinejads Obsession mit Israel führt viele dazu, davon auszugehen, dass er glaubt, Israel sei das absolut Böse und passe in die Rolle des vermeintlichen Dajjal. Des iranischen Präsidenten andere Obsession, die Leugnung des Holocaust, fügt sich ebenso in den Glauben ein, dass der Dajjal die Welt mit seinen Lügen irrezuführen vermöge.
Gemäß der Fakiya ist das gegenwärtige Zeitalter das „Zeitalter der Offenbarung“, in dem verschiedene Anzeichen das Erscheinen des Mahdi verkünden: Zuerst wird es eine Zusammenkunft der Juden in Palästina geben; danach wird der schiitsche Mahdi erscheinen und die entscheidende Schlacht zur Vernichtung der Juden führen. Dem wird die Errichtung eines islamischen Staates als erste Phase des weltweiten Imam-Staats folgen. Ein wichtiges Element stellt dabei ein dem Iran gegenüber loyales Regime im Irak dar.
Die Schilderung des Khorasani in der schiitschen Vision des Zeitenendes ist kompatibel mit Irans spirituellem Führer, Ayatollah Ali Khamenai, dem Staatsoberhaupt des Iran. Der Khoransani wird die Fackel dem Mahdi übergeben und dann zum obersten Muslim werden.
Die Beschreibung des Shuyeb bin Salah passt auf Ahmadinejad. Shuyeb, auch bekannt als al-Shabi al-Salah, ist die Figur, die nach der schiitischen Tradition die Armee des Mahdis führen wird, also der Kommandant der muslimischen Truppen. Shuyeb wird als sonnengebräunt und dünn beschrieben, mit einem kurzen Bart, aus Teheran stammend, entschlossen und kriegerisch. Man geht davon aus, dass Ahmadinejad sich selbst in dieser Rolle sieht, da er der historischen Beschreibung zu entsprechen scheint.
Oberstleutnant d. Res. Jonathan D. Halevi ist Senior Researcher of the Middle East and radical Islam am Jerusalem Center for Public Affairs.
Ashley Perry ist politischer Analytiker und hat u. a. für das Büro des Ministerpräsidenten gearbeitet.
(Yedioth Ahronot, 17.06.08. Mit freundlicher Genehmigung der Botschaft des Staates Israel, Berlin.)
Evin: Acht Menschen an einem Tag gehenkt
Hier ist was für die Freunde des Dialogs, denen die Dämonisierung des Mullahregimes die Sorgenfalten auf die Stirn treibt: In diesem Jahr allein wurden 108 Menschen hingerichtet. Derweil kämpft die iranische Frauenbewegung um ihr Recht: Zehntausende Frauen gingen heute im ganzen Land auf die Strasse, um gegen die Praxis der “Erhöhung der öffentlichen Sicherheit” ihren Zorn zum Ausdruck zu bringen, da dieser nichts anderes als eine neue Stufe des jakobinischen Tugendterrors der Mullahs darstellt.
Und das Regime antwortet mit verschärften Repressalien. Zuvor schon sollen innerhalb von nur zwei Wochen 1098 Frauen wegen “schlechter Verschleierung” (bad-hejab) festgenommen worden sein. Aus demselben Grunde wurden acht Frauen von der Universität Schiraz relegiert.
Wie sagte doch Ahmadi-Nejad: “Der Liberalismus ist gescheitert.“
Ahmadi-Nejad über Israel [TF-Dossier]
Zuletzt überarbeitet: 24. Mai 2008.
Die Zahl der Webseiten, die behaupten, dass Ahmadi-Nejad nie von einer Vernichtung des Staates Israel gesprochen habe, ist mittlerweile Legion. Diese Behauptung wird im folgenden überprüft und mit anderen Äusserungen Ahmadi-Nejads verglichen. Grundlage sind immer die persischen Originaltexte.
Wir alle erinnern uns noch an die Worte des iranischen Präsidenten Ahmadi-Nejad, der fand, dass Israel von der Landkarte getilgt werden müsse. Der erste, der behauptete, es handele sich dabei um einen Übersetzungsfehler, war ein amerikanischer Orientalist, Juan Cole. Wo in den englischen Medien davon die Rede war, dass für Ahmadi-Nejad “Israel wiped off the map” gehöre, habe im persischen Original etwas anderes gestanden, behauptet Cole:
(…) I object to the characterization of Iranian president Mahmoud Ahmadinejad as having “threatened to wipe Israel off the map.” I object to this translation of what he said on two grounds. First, it gives the impression that he wants to play Hitler to Israel’s Poland, mobilizing an armored corps to move in and kill people.
But the actual quote, which comes from an old speech of Khomeini, does not imply military action, or killing anyone at all. The second reason is that it is just an inexact translation. The phrase is almost metaphysical. He quoted Khomeini that “the occupation regime over Jerusalem should vanish from the page of time.” It is in fact probably a reference to some phrase in a medieval Persian poem. It is not about tanks.
Stein des Anstosses ist der Ausdruck safhe-ye ruzgar, den man in der Tat nur schwer wörtlich übersetzen kann. Das Wort safhe, das aus dem Arabischen kommt, hat im wesentlichen zwei Bedeutungen: “Seite” (eines Buches) und “Oberfläche”, i.w.S auch “Gebiet” oder “Land”. Noch schillernder ist der Begriff ruzgar, der “Zeit, Epoche”, aber auch “Welt”, “Leben” oder “Schicksal” bedeuten kann. Das macht die Sache nicht eben einfach, aber wie man es auch dreht oder wendet: Ob Israel (bei Ahmadi-Nejad: “Besetzer von Jerusalem”) nun von der “Fläche der Welt” oder aus der “Seite der Epoche” verschwinden soll, unterscheidet sich nicht in der Satzbedeutung, sondern nur im stilistischen Mittel.
Tendenziös ist aber auf jeden Fall Coles Übersetzung des Satzprädikats: Wo es nämlich im Original1 heisst “emam-e aziz-e ma farmudand in rejim-e eshghalgar-e Qods bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad” also: “Unser lieber Imam [Khomeini] sagte, dass der Besetzer Jerusalems vom Angesicht der Erde/ aus der Seite der Epoche/ dem Buch der Geschichte getilgt werden muss, da heisst es ganz harmlos bei Cole “should vanish from…”, als ob Khomeini, den Ahmadi-Nejad zustimmend zitiert, jemals hatte sagen wollen, Israel werde sich ganz von selbst auflösen. Das arabisch-persische mahv kann zwar auch die weniger starke Bedeutung “verschwinden” haben, würde aber aus diesem Kontext heraus sicherlich nicht so verstanden werden. Denkbar wäre eine Übersetzung wie “Israel muss von der Bildfläche verschwinden”. Inwieweit aus diesem Satz Gewalt spricht, möge der Leser für selbst entscheiden.
Wichtig ist allerdings der Kontext: Die Worte waren, wie wir uns erinnern, Teil einer Ansprache, die Ahmadi-Nejad auf der Konferenz “Eine Welt ohne Zionismus” hielt (jahan-e bedun-e sahyonism). Daher ist auch klar, dass Ahmadi-Nejad nicht nur die vermeintliche Besetzung Jerusalems oder der Westbank ein Dorn im Auge ist. Während Cole hier auf dem schmalen Grad der Philologie wandelt, übersieht er aber noch etwas ganz anderes: Derselbe Ahmadi-Nejad erklärte - vom Westen nicht unregistriert - nämlich auch2, dass “jeder, der Israel offiziell anerkennt, vom Zorn der islamischen Gemeinschaft verbrannt werden wird” (harkas Esrail-ra be-resmiyyat be-shenasad, be atesh-e qahr-e ommat-e Eslam khahad sukht), wobei der Begriff qahr auch “Gewalt” (statt Zorn) heissen kann. Und weiter: “Die Verwirklichung einer Welt ohne Amerika und ohne Israel ist machbar und erreichbar” (tahaqqoq-e donya-ye bedun-e Amrika ve-Esrail dast-yaftani ve-shodani ast). Alles nur “a reference to some phrase in a medieval Persian poem”?
Alledings gibt es auch Übersetzungen ins Englische, die das Regime selbst vorgenommen hat. Eine davon war auf einem Foto zu sehen, das das Magazin “Focus” in seiner Ausgabe Nr. 19 vom 18. Mai 2006, S. 206, veröffentlichte. Auf einem staatlichen Propagandaplakat der Teheraner Machthaber stand unter dem inkriminerten persischen Satz bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad auf Englisch: “Isreal must be wiped out the world”, und das ist trotz des etwas schrägen Englisch eine klare und deutliche Aussage.
Cole nun behauptete, dass für die englische Redewendung “to wipe off the map” kein Pendant im Persischen existiere. Das jedoch ist ein logischer Zirkel: Erst erklärt er die englische Übersetzung für unzutreffend, um dann zu behaupten, es gebe keine Entsprechung für das englische “to wipe off the map” im Persischen. Dabei sollte jedem, der aus einer Sprache in eine andere übersetzt klar sein, dass eine Übertragung Wort für Wort zu einem sinnentstellenden Ergebnis führen muss. Übersetzt werden können nur Satzintentionen, Sinneineheiten also, die dem Kontext entsprechen. Darum wird aus der deutschen Redewendung “zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen” im Englischen “to kill two birds with a stone.”
In Deutschland hat Coles misslungeener Übersetzungsvorschlag allerdings schnell dankbare Aufnahme gefunden. Offensichtlich fällt es gerade Intellektuellen schwer, den grundsätzlichen Charakter des iranischen Regimes im allgemeinen und den Ahmadi-Nejads im besonderen anzuerkennen. Dazu gehört auch der Mythos, dass Ahmadi-Nejad sich lediglich gegen die israelische Besetzung Jerusalems ausgesprochen habe, nicht jedoch gegen die Existenz des jüdischen Staates.
So soll nach Angaben der saudischen Nachrichtenagentur SPA der iranische Präsident Ahmadi-Nejad, der einige Zeit zuvor auf Staatsbesuch in Saudi-Arabien war, der Friedensinitiative des Arabischen Gipfels in Beirut 2002 seine Unterstützung zugesagt haben. Diese Melddung fand Eingang in die westlichen Medien. Auch die FAZ berichtet davon. Und beruft sich auf die Saudische Nachrichtenagentur.
Dass jedoch ein Ahmadi-Nejad, der von einer Welt ohne Israel träumt, nun ausgerechnet eine Friedensinitiative für den Nahostkonflikt unterstützen soll, ist nur schwer zu glauben. Die Meldung ist aber sicherlich Wasser auf den Mühlen all derer, die die Gefährlichkeit des Teheraner Regimes zu verharmlosen pflegen. Tatsächlich bestreitet IRNA, die amtliche Nachrichtenagentur des Mullahregimes, dass Ahmadi-Nejad die Arabische Friedensinitiative befürworte. Mehr noch, nach amtlicher Darstellung habe es nie auch nur ein Gespräch zwischen Ahmadi-Nejad und dem saudischen König Abdullah über dieses Thema gegeben.
In diesem Stil geht es weiter: Ahmadi-Nejad liess nicht davon ab, öffentlich von der Vernichtung Israels zu träumen. Im folgenden die Dokumentation des Originaltextes von der offiziellen Webpräsenz des iranischen Präsidenten (Hervorhebung von mir, MK):
رييس جمهور گفت: ملت هاي دنيا در حال پيوستن به يك رودخانه زلال هستند كه به زودي به اقيانوس بيكران حقیقت ، عدالت و یگانه پرستی متصل خواهند شد .
دكتر محمود احمدي نژاد كه روز يكشنبه در ديدار ميهمانان خارجي شركت كننده در مراسم سالگرد رحلت بنيانگذار نظام جمهوري اسلامي ايران سخن مي گفت؛ با اعلام اين مطلب افزود : امروز فرهنگ و راه امام خميني (ره) از سوي تمام ملت هاي جهان به عنوان بهترين راه برگزيده شده است و به فضل الهي در آستانه يك تحول عظيم در زندگي بشري هستيم .
وي با تاكيد بر اينكه «پيام امام ، جهاني و بشري بود و مرز جغرافيايي، مذهبي و نژادي نداشت» ، اظهار كرد: وقتي هسته هاي مقاومت عليه نظام سلطه در سراسر دنيا شكل بگيرد و ملت ها به نقطه تصميم برسند ، هيچ قدرتي نمي تواند جلوي حركت آنها را بگيرد .
رييس جمهور تصريح كرد : كليد شمارش معكوس نابودي رژيم صهيونيستي به دست فرزندان لبنان و فلسطين خورده است و به زودي شاهد نابودي اين رژيم ستمگر خواهيم بود ، زيرا همه جهانيان از مديريت قدرت هاي فاسد، ناصالح و غير امانتدار در دنيا خسته شده اند و منتظر حاكميت انسان صالح بر جهان هستند.
دكتر احمدي نژاد در ادامه سخنان خود همچنين به شخصيت بي نظير امام راحل در جهان معاصر اشاره و خاطرنشان كرد: امام پيرو حقيقي و استوار پيامبران الهي و تجلي همه خوبي ها و زيبايي ها در دوران ما نظير اخلاص، شجاعت، تواضع، فداكاري ، امانتداي و عشق به مردم است.
وي برجسته ترين ديدگاه امام خميني (ره) را ايمان به خدا و يقين نسبت به نصرت الهي دانست و گفت: اگر كسي براي خدا حركت كند، تمام آفرينش پشتيبان او خواهد بود و شكست ناپذير خواهد شد.
براساس اين گزارش در اين ديدار صميمي، شماري از علما وصاحبنظران خارجي شركت كننده در آيين سالگرد رحلت امام خميني(ره) ، ديدگاههاي ياسي و اقتصادي مردم و مسوولان كشور خود را درباره نقش بي بديل امام راحل در ايجاد تحولات جهاني ارايه كردن
Der entscheidende Satz, auf den es ankommt, lautet: kelīd-e šomāreš-e maʿkūs-e nābūdī-ye režīm-e ṣahyaunīstī be dast-e farzandān-e Lobnān ve-Felasṭīn ḫōrde ast, ve-be zūdī šāhed-e nābūdī-ye īn režīm-e setamgār ḫāhīm būd, zīrā hame ǧahāniyān az modīrīyat-e qodrathā-ye fāsed, nā-ṣāleḥ ve-ġeyr-e emānat-dār dar donyā ḫaste šode-and ve-montaẓer-e ḥakemīyat-e ensān-e ṣāleḥ bar ǧahān hastand.
Deutsch: “Der Knopf [wörtlich: Schlüssel] zum Countdown der Vernichtung [nābūdī] des zionistischen Regimes ist durch die Hand der Kinder des Libanons und Palästinas ausgelöst worden [be dast ḫōrde ast] und schon bald [be zūdī] werden wir Zeuge der Vernichtung des tyrannischen Regimes werden, sind doch alle Menschen der Herrschaft verdorbener [fāsed], unrechter und ungläubiger Mächte auf der Welt überdrüssig und warten auf die Herrschaft des guten Menschen über die Welt.”
Die “Herrschaft des guten Menschen über die Welt” ist eine Anspielung auf die erwartete Ankunft des Emam-e Zaman (Erlöser), der die Erde dereinst von der Tyrannei befreien wird. Ich brauche nicht extra hinzuzufügen, dass das Mullahregime die Hisbollah aktiv unterstützt. Ahmadi-Nejad spricht hier also keineswegs von einem erhofften Verlauf der Weltgeschichte, dem er selbst nur als Augenzeuge gegenübersteht. Dazu muss man im Auge behalten, dass das Teheraner Regime seit langem bereits aktiv militärisch gegen Israel kämpft, und zwar hauptsächlich in Form der Hisbollah, dem verlängerten Arm Teherans. Eine Meldung der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA (Hervorhebung von mir, MK):
Basij commanders of ministries and offices on Wednesday met representative of Lebanese Hizbollah in Tehran on the anniversary of Hizbollah’s victory over the Zionist regime.
Commander of Basijis at ministries and offices Masood Chinigarzadeh told the audience that the 33-day successful resistance of the Lebanese Hizbollah forces against the Zionist regime is a victory belonging to all Muslims worldwide.
Chinigarzadeh said last year victory of Lebanese Hizbollah over the Zionist regime brought global fame for the resistant group and drew attention of all world Muslims in its favor.
He hoped that Lebanese Hizbollah resistance forces would get gradually more powerful in the world of Islam.
He said Iranian people pray for more victory of the Lebanese people against the occupying regime of Quds.
Man möge es bitte zur Kenntnis nehmen: Das iranische Mullahregime ist keinesfalls allein der Überzeugung, dass Israel quasi von selbst verschwinden werde, so wie die Sowjetunion ohne äussere Einwirkung in sich zusammengefallen ist, sondern es hält ein militärisches Vorgehen gegen den jüdischen Staat für mindestens legitim. Ein Treffen zweier so kampfwütiger Organisationen wie der Hisbollah und den Basij (Schlägertrupp des Mullahregimes) spricht hier Bände.
Palästina gilt in beider Weltsicht als unveräusserliches islamisches Territorium, über das eine nichtmuslimische Regierung kein Recht hat zu herrschen. Auch können mit einem Gebet “für weitere Erfolge gegen das Besatzungregime von Jerusalem” (Quds) keine Verteidigungssiege gemeint sein, denn dann wäre es wohl logischer, gleich dafür zu beten, dass kein weiterer Krieg zwischen Israel und dem Libanon mehr stattfinden möge!
Und schliesslich: Der chiliastisch-militärische Charakter des Mullahregimes enthüllt sich vortrefflich an Ahmadi-Nejads jüngster Rede (En.) bei seinem Besuch in Afghanistan: “Es gibt keinen Weg für die Erlösung der Menschheit als durch die Herrschaft des Islam über die Menschheit.” Passend dazu gibt es ein Emblem auf Ahmadi-Nejads Webseite:
“ettehad-e melli – ensejam-e eslami” Internationale Einheit – Islamische Harmonie
Auch die jüngste Äusserung Ahmadi-Nejads spricht Bände: Der Nachrichtenagentur AFP zufolge bezeichnete Ahmadi-Nejad in seiner Grussbotschaft den jüdischen Staat als “verwesende Leiche und tote Ratte”, der ausserdem “dem Untergang geweiht” sei. Im Krieg der Hisbollah gegen Israel 2006 habe das libanesische Volk Israel eine Niederlage bereitet, sodass dieses nun “wie eine tote Ratte” beginnen werde, zu verwesen.
Falls wieder einmal jemand meint, besser Persisch zu können als die Mullahs: Die iranische Nachrichtenagentur IRNA bestätigt in ihrer englischen Onlineausgabe die Äusserungen Ahmadi-Nejads:
Addressing Majlis representatives, he said (…) the usurper and fabricated regime is moving towards annihilation.
(…) after the Lebanese nation slapped it in the face, they are like dead rats.
(…) “If some think that they can make any change in the global calculations, they are in mistaken because nations around the world will bury them ,” concluded President Ahmadinejad.
Schlussfolgerungen:
- Ahmadi-Nejad delegitimiert die Existenz des Staates Israel, den er von der Bildfläche zu verschwinden wünscht,
- Ahmadi-Nejad bedient sich einer Sprache, die die Anwendung von religiös motivierter Gewalt, wenngleich in einem allgemein gehaltenen und unpräzisen Sinne, als zulässig zum Ausdruck bringt,
- Ahmadi-Nejad dämonisiert Israel mit Begriffen, die eine Künstlichkeit und Morbidität des jüdischen Staates suggerieren,
- Ahmadi-Nejad macht deutlich, dass an an einer versöhnlichen Übereinkunft mit Israel – sei es in Fragen regionaler Sicherheit, sie es in Fragen des Nahostkonflikts – nicht interessiert ist.
-Michael Kreutz
- http://www.president.ir/ahmadinejad/speeches/1384/aban-84/840804sahyonizm.htm [back]
- http://www.president.ir/ahmadinejad/cronicnews/1384/08/04/index-f.htm [back]
Ahmadi-Nejad und der Kapitalismus
Der Oskar Lafontaine hat ja immer gewusst, dass es “Schnittmengen zwischen linker Politik und islamischer Religion” gibt, die vor allem darin bestehen, dass man in einem “übersteigerten Individualismus”, diesem Ausdruck der Dekadenz westlicher Gesellschaften, einen gemeinsamen Feind findet. Darum zeigt jetzt der iranische Präsident Ahmadi-Nejad, dass das Diktum Lafontaines keineswegs nur so daherschwadroniert war, sondern dieser sich auf sein Alter Ego in Teheran verlassen kann.
Vor einer Gruppe von Universitätsgelehrten machte Ahmadi-Nejad deutlich, was er vom Kapitalismus hält: “Die wirtschaftliche Stagnation, die ihr heute in Amerika seht, ist der Anfang vom Ende des Neo-Kolonialismus auf dieser Welt, demgegenüber es unsere Verpflichtung ist, bereit zu sein und den Entwurf für ein neues System vorzulegen.” Das neue System, mit dem die Welt beglückt werden soll, ist der politische Islam, der als holistisches Konzept auf allen Gebieten zur Anwendung kommen müsse, nicht nur auf dem der Ökonomie.
Die einer zunehmenden Gleichschaltung unterliegenden Universitäten des Iran seien “als authentischste Universitäten der Islamischen Welt” dazu berufen, eine politische Theorie auszuarbeiten, die das herrschende Weltsystem, das im Zerfall begriffen ist, von Grund auf zu verändern. Folgerichtig sieht Ahmadi-Nejad in den Wirtschaftssanktionen gegen sein Land auch mehr Nutzen als Schaden, werden so doch “die verschlungenen Kanäle, die unsere Ressourcen und unser Kapital nach ausserhalb unseres Landes befördern, geschlossen.”
Das einzige, was ein Land voranbringe und auf den Weg des Fortschritts führe, so Ahmadi-Nejad weiter, sei die Arbeit. Darum auch sei es für den Iran, der für Ahmadi-Nejad zu den drei bis vier bedeutendsten Ländenr der Welt gehöre, so wichtig, nach der Nukleartechnologie zu streben, die zu erlangen die Welt den Iran nicht hindern könne: “Die Kultur und der Geist des Islam sind mit der herrschenden Idee und dem Kapitalismus, der Arbeit und Arbeiter als Mittel zum Füllen der Taschen einiger weniger benutzt, unvereinbar.”
Na, ist das nicht reiner Laftontaine?
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Siehe auch:
- Der Sokrates unserer Tage, 27. April 2008,
- Prügel statt Wissenschaft, 4. Februar 2008,
- Iran: Kulturrevolution schreitet voran, 2. Dezember 2007,
- Zweite Kulturrevolution an iranischen Universitäten, 7. September 2006,
- Schutz-Schildbürger, 4. April 2006,
- “Das Pendel schlägt zurück”, 15. März 2006.







