Wie andere Nationen mit Pornografie…

August 19, 2008 · Filed Under Antiamerikanismus, Frankreich · Comment 

… halten es sie Franzosen mit?

McDonalds.

Das Kopftuch - nur ein politischer Nebenkriegsschauplatz?

February 9, 2008 · Filed Under Türkei, Welt des Islam · 1 Comment 

Der “Spiegel” berichtet über die Türkei,

Im Kabinett sitzt kein einziger Minister ohne eine verhüllte Ehefrau, in den AKP-regierten Kommunen ist keine unverhüllte Angestellte mehr zu finden. (…..) Die Journalistin Sükran Soner weist darauf hin, dass es in den Vororten der Großstädte “kein einziges unverhülltes Mädchen mehr” gibt. (….)

Der renommierte Sozialwissenschaftler Ersin Kalaycioglu sieht die Gefahr (…): “Im Hörsaal verbringt eine Studentin gar nicht so viel Zeit”, sagt er, “aber in den Studentenheimen gibt es Tausende von Mädchen. Ich fürchte, in wenigen Jahren werden wir dort keine unverhüllte Studentin mehr antreffen.” (….)

Die Kommunen schenken in städtischen Einrichtungen keinen Alkohol mehr aus und machen bei der Vergabe von Lizenzen an Lokale große Probleme. Die Weinindustrie der Türkei droht wegen horrender Alkoholsteuern einzugehen.

Weiter heißt es in dem “Spiegel”-Artikel,

Diese Opposition wirft Erdogan vor, seine Reformen nicht in ein allgemeines Paket der bürgerlichen Freiheiten einzubetten. Dazu gehörten nicht nur das Kopftuch, sondern die längst fälligen Rechte der Minderheiten oder eine Reform des Strafrechts für eine größere Meinungsfreiheit – Reformen, die die EU seit Jahren anmahnt. Stattdessen plant Erdogan einen zweiten umstrittenen Schritt: Die Absolventen der sogenannten Imam- und Predigerschulen sollen beim Zugang zum Studium mit den säkular erzogenen Gymnasiasten gleichgestellt werden.

Die linksliberale “Birgün” kommentiert: “Damit wird ein religiöser Bildungsstrang geschaffen, der später die säkulare Schule übernehmen soll.” Die Zahlen geben Erdogans Gegnern recht: Obwohl der Bedarf an Imamen minimal ist, besuchen heute 58.000 männliche und 62.000 weibliche Schüler diese Schulen.

Der Soziologe Yilmaz Esmer fasse zusammen:

“Die Regierung hat aus dem Kopftuch die Fahne einer politischen Bewegung gemacht. (…) Wenn das Tragen religiöser Symbole im Hörsaal als eine normale, bürgerliche Freiheit angesehen würde, hätte niemand etwas dagegen.” So sei das schließlich in Deutschland oder Frankreich. “Aber es geht hier um mehr: Um die Durchsetzung einer bestimmten Moral, einer politischen Linie in der Gesellschaft.”

Eine Woche in Kairo

Die letzte Woche habe ich in Kairo auf einer Konferenz über Geschichts- und Sozialkundebücher zugebracht, für mich die zweite dieser Art. Besonders schmerzlich fiel ins Auge, dass die einladende deutsche Organisation als Partner ausschließlich Akademiker und Funktionäre des Mainstreams ausgewählt hatte, nämlich Vertreter des staatstreuen Nationalismus oder solche der islamistischen Strömungen. Reflektierte Liberale dagegen, die es durchaus gibt, waren nicht anzutreffen, im Gegensatz zur letzten Konferenz im November, wo sie immerhin als Statisten vertreten waren.

Von einem Theologen der Azhar-Universität, einer Institution, die die Bestrafung von Apostasie vom Islam unterstützt, mithin also gegen Religionsfreiheit ist, hörten wir einen ausführlichen Vortrag darüber, dass der Mensch religiös veranlagt sei, dass Religion in allen Bereichen des Lebens, also auch der Bildung Vorrang haben müsse, und dass Wissenschaft mit Religion niemals im Widerspruch stehen könne. Lobend sprach er von der Religionsfreiheit und der Demokratie im Islam. Leider gab es während der ganzen Konferenz keine Verständigung über diese Begriffe (Menschenrechte), obwohl sie viel gebraucht wurden und mit Sicherheit anzunehmen ist, dass es grundlegende Differenzen in den Auffassungen gibt. So wird von Vertretern des politischen Islams die Institution der Dhimma, also des Schutzes bestimmter Rechtsgüter von Nichtmuslimen unter islamischer Herrschaft, gern als Ausdruck der Religionsfreiheit im Islam beschworen, was der Auffassung gemäß der Erklärung der Menschenrechte fundamental widerspricht.

Es gab einige weitgehend inhaltsfreie Beiträge, die in irgendwelcher Form eine bessere Darstellung “des Selbst und des Anderen” im Schulunterricht forderten. Zu den Highlights zählten Berichte über die Bildungsreformen in Oman und den VAE und die Darstellung eines libanesischen Historikers, der zwar nicht auf die Bildungssituation einging, dafür aber einige falsche Grundannahmen aufdeckte, auf denen Begegnungen und gegenseitige Rezeption zwischen Arabern und Europäern oft aufbauen. Z. B. wies er darauf hin, dass der arabische Beitrag zur westlichen Wissenschaft und zur westlichen Rezeption der griechischen Philosophie durchaus in zahlreichen westlichen Veröffentlichungen gewürdigt wird, dass der Westen in den arabischen Gesellschaften ohnehin präsent sei, nämlich als das maßgebende Vorbild für die Organisation öffentlicher Institutionen, und dass der Kolonialismus keine hinreichende Begründung für die Probleme der arabischen Gesellschaften sei, wofür er mit einigen Beispielen auf die Situation in Japan, China und Indien verwies, wo mit dem Erbe und den Lasten des Kolonialismus erfolgreicher umgegangen werde.

Ein anderer interessanter Beitrag war die vergleichende Analyse zwischen drei jordanischen Geschichtsbüchern und einem amerikanischen, alle für die Sekundarstufe, auf ihre Darstellung “des Selbst und des Anderen” hin, mit dem Ergebnis, dass das amerikanische Schulbuch sowohl in Umfang und Detailgenauigkeit als auch in Sachen Würdigung der fremden Kultur den jordanischen Schulbüchern vieles voraus hat. Dies wurde von Seiten der deutschen Gastgeber jedoch in der anschließenden Diskussion eilfertig relativiert mit dem Verweis auf das föderale Schulsystem in den USA und darauf, dass das untersuchte amerikanische Schulbuch eben nur einen ganz bestimmten Geschichtsansatz für die Sekundarstufe - “History of Civilizations” - behandle. Die Darstellung solle keineswegs ausdrücken, “dass etwa amerikanische Schulbücher besser seien als jordanische” (was eine glatte Untertreibung wäre). Der junge Referent nickte dazu - was hätte er dagegen auch sagen sollen?

Wie immer, wenn ich in Ägypten bin, besuchte ich Kamal, der in den 1990er Jahren an einer Schulbuchstudie des Ibn Khaldoun Centers über Religionen im Religionsunterricht mitgewirkt und in zahlreichen Artikeln die voranschreitende Islamisierung des ägyptischen Bildungswesen angeprangert hat. Er schreibt nach wie vor mit ungewöhnlich klaren Worten gegen die Islamisierung Ägyptens (z. B. hier) und gegen den desolaten Zustand des Schulunterrichts an (z. B. hier) an. Als ich bei ihm eintreffe ist ein beträchtlicher Teil seiner Verwandtschaft versammelt, um den Abschied seiner ältesten Tochter zu feiern, die für ein halbes Jahr zu Verwandten nach Frankreich reist, um Französisch zu lernen und sich nach Studienmöglichkeiten umzuschauen. Es wird gegessen, musiziert, gesungen, dazu getanzt, getrunken und sehr viel gescherzt und gelacht.

U. a. lerne ich hier Said Okasha kennen (von ihm kann man hier lesen). Er ist Journalist und einer der ganz wenigen Ägypter, die mit einem Stipendium der israelischen Botschaft nach Israel gegangen sind, um Land, Leute und Sprache kennen zu lernen. Wir unterhalten uns ein paar Takte in unserem rostigen Hebräisch. Nach seiner Rückkehr verlor Said seine Mitgliedschaft in der Wafd, einer oppositionellen Partei, die als liberal gilt, und durfte auch nicht mehr für ihr Parteiorgan schreiben, was ihm zuvor einen wichtigen Teil seines Lebensunterhalt gesichtert hatte. Es folgten ein paar Jahre der Unsicherheit, in denen er sich z. T. mit Musizieren durchschlug - er spielt sehr gut Laute (’Ud), auch an diesem Abend - und als Journalist in Marokko arbeitete, wo er wiederum nach seinem ersten Beitrag, der eine Normalisierung mit Israel in Betracht zog, den Hut nehmen durfte. Immerhin veröffentlicht heutzutage al-Ahram zuweilen einen Beitrag von ihm.

Said ist außerdem Mitglied von Arabs Against Discrimination (www.aad-online.org), für die er israelische Presse übersetzt und analysiert. Ähnlich einem anderen Teilnehmer der Konferenz betrachtet er die immer wieder von offiziellen Stellen beschworene Gegnerschaft zum Zionismus als müden Vorwand für den desolaten Zustand des ägyptischen Staates. Said und Kamal sind der Beschwörungen der arabischen Einheit müde. Mit großem Eifer suchen sie in Sprache, Musik und Literatur das vor-islamische und vor-arabische Erbe der ägyptischen Kultur und sind der arabischen Musik, der arabischen Schriftsprache usw. überdrüssig.

USA integrieren besser

January 25, 2008 · Filed Under Israel, Transatlantisches, USA, Welt des Islam · 3 Comments 

Six-in-ten Muslim Americans (61%) say that “a way can be found for Israel to exist so that the rights and needs of the Palestinian people can be taken care of,” compared with 16% who say that the rights and needs of Palestinians cannot be taken care of as long as Israel exists. The opinions of U.S. Muslims closely resemble those expressed by the U.S. public as a whole, and are starkly in contrast to the views of Muslims in other parts of the world.

… ergab eine Umfrage des Pew Research Center. Verwunderlich ist das nicht: Schon zuvor haben Umfragen gezeigt, dass sich eine Mehrheit der Muslime in den USA als integriert einschätzt und angibt, mit ihrem Leben zufrieden zu sein und sich als echte Amerikaner zu betrachten – auch in der Hinsicht, dass sie die Werte der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft teilen.

 

Zugleich stimmten 71% der Aussage zu, dass jeder, der sein Leben verbessern will, dies auch in die Tat umsetzen kann, wenn er bereit ist, beständig daran zu arbeiten. Angesichts der grossen Identifikation mit den Werten der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft verwundert es daher nicht, dass mehr Muslime in den USA den Terrorismus ablehnen, als dies unter muslimischen Minderheiten in Westeuropa der Fall ist.

 

Damit unterscheiden sie sich erheblich von ihren Glaubensgenossen in Westeuropa, wo drei von vier der Befragten sich in erster Linie als Muslime und danach erst als Bürger ihrer Landes definieren, wenngleich Frankreich hier eine Ausnahme bildet.

It is true that, since the Enlightenment and the French Revolution, messianic passions have not shaped continental European religious life as profoundly as they have in the United States. But it is equally true that continental Europe has been less prepared intellectually to cope with such passions when they do arise and become a force in politics.

 

… so der amerikanische Ideenhistoriker Mark Lilla (2007). Ganz klar: Die USA integrieren besser.

 

Was der Liberalismus nicht ist

December 16, 2007 · Filed Under Moderne/Antimoderne, Neoirrationalismus · 1 Comment 

Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, wie häufig die Abneigung gegen den Liberalismus auf Ängsten gründet, die sich eigentlich genau gegen das richten, was der Liberalismus nicht ist. In Frankreich sind nun einige Bücher über (und das heisst: gegen) den Liberalismus erschienen, über die es in einer Rezension in der FAZ von morgen heisst:

Le libéralisme est-il une sauvagerie?”, fragt seinerseits der Philosoph Pierre Zaoui in seinem Buch: Ist der Liberalismus ein wild gewordenes System? Ja, lautet die Antwort, wenn er auf nichts anderes als seine eigenen Voraussetzungen baut. Wo der Liberalismus in Laune kommt, warnen all die genannten Autoren, wo er alles besser zu wissen und zu machen glaubt und die nachdenkliche, besorgte Miene seiner Vordenker von Hobbes bis Benjamin Constant und Tocqueville ablegt, kann der Demokratie angst werden.

Der Liberalismus als System, das vorgibt, alles besser zu wissen – muss man drauf kommen. Dagegen hilft sicherlich nur mehr Planung, Dirigismus und Etatismus.

Deren Misserfolge werden dann wieder dem Liberalismus aufs Konto gebucht. Und die Regale der Buchhandlungen mit weiteren Erzeugnissen des Illiberalismus gefüllt.


Siehe auch:
Wer Wind sät…, 20. März 2006.

Israel enttäuscht über internationale Iran-Politik

October 18, 2007 · Filed Under Bürgerliche Werte, Iran, Israel · Comment 

Von Barak Ravid

Das Vorgehen der internationalen Gemeinschaft gegen das iranische Atomprogramm ist alles andere als zufriedenstellend, und in politischen Kreisen Israels äußert man angesichts dessen große Frustration und Pessimismus. Der Generaldirektor des Außenministeriums, Aharon Abramovitch, sagte letzte Woche, dass weitweit „eine besorgniserregende Verzagtheit gegenüber allem, was mit Sanktionen gegen den Iran zu tun hat“, bestehe.

Die Iran-Frage stand im Mittelpunkt eines in Washington stattfindenden Treffens von Abramovitch mit den Generalkonsuln und Botschaftern Israels in Nordamerika. Das Außenministerium hat vor einigen Monaten eine „diplomatische Offensive“ gegen das iranische Atomprogramm gestartet, wobei einer der Schwerpunkte der Stopp wirtschaftlicher Investitionen von privaten Firmen im Iran ist. In den USA war ihr bisher ein großer Erfolg beschieden, in den letzten Monaten wurden dort zahlreiche Gesetze gegen Investitionen im Iran erlassen.

Das Bild der internationalen Situation, wie es sich aus dem Überblick Abramovitchs ergab, war ein trauriges. Die wesentlichen Betreiber der Ausweitung der Sanktionen, die USA und Frankreich, seien bisher bei ihrem Bemühen gescheitert, vor allem wegen des scharfen Widerstands Russlands und Chinas. Frankreich scheiterte auch bei seinen Versuchen, die Sanktionen der Europäischen Union gegen den Iran auszuweiten.

Der Aufschub der Diskussion im Sicherheitsrat über die Ausweitung der Sanktionen bis der Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) über das iranische Atomprogramm vorliegt, hat das Gefühl der Frustration in Israel noch gesteigert. Dazu kommt noch die Sorge, dass die Diskussion, die derzeit mindestens bis Dezember verschoben worden ist, sich aufgrund der Arbeitsüberlastung des Sicherheitsrats noch bis Januar oder Februar hinauszögern wird. Außer Russland und China, erläuterte Abramovitch, würden auch Deutschland und Italien nicht darauf brennen, gegen den Iran vorzugehen. Beide Staaten verfolgen wirtschaftliche Interessen im Iran, der Handel beläuft sich auf mehrere Milliarden Dollar im Jahr.

Bei allem Pessimismus zeigt man sich in politischen Kreisen doch über einige positive Entwicklungen befriedigt. Der bedeutsamste Schritt war die Entscheidung der Financial Action Task Force (FATF), eine internationale Warnung vor Handel mit dem Iran zu veröffentlichen. Die Organisation, die gegen Terrorfinanzierung und Geldwäsche aktiv ist, hat ihren 34 Mitgliedsstaaten empfohlen, das Risiko in Rechnung zu stellen, das wirtschaftliche Beziehungen mit dem Iran mit sich bringen. Außerdem fühlt man sich in Israel ermutigt von berichten über den Rückgang des Handels mit dem Iran und Besuchen iranischer Offizieller.

(Quelle: Ha’aretz, 18.10.2007 via Newsletter der Botschaft des Staates Israel, Berlin. Veröffentlich mit Genehmigung der Botschaft.)

Siehe auch:
Ganz großes Kino, 06. Oktober 2007,
Bedrohung für die Existenz Israels, 11. September 2007,
Atombomben für alle!, 22. August 2007.

Moral im Dilemma

September 22, 2007 · Filed Under Zukunftsfragen · 1 Comment 

“Was lehrt die Moral: Darf ein Passagierflugzeug, das auf ein Atomkraftwerk zurast, abgeschossen werden?”, fragt Malte Lehrming im “Tagesspiegel” und erklärt, worin das moralische Dilemma besteht:

In welcher Welt wollen wir leben? Um diese Frage kreist jede Moral. Zwei Hinterbliebene stehen am Tag nach der Entscheidung vor dem Oberkommandierenden – die Ehefrau eines Passagiers, dessen Tod durch den Abschuss des entführten Flugzeugs in Kauf genommen wurde, um einen Atom-GAU zu verhindern, und die Ehefrau eines Mannes, der wie viele tausend andere Menschen durch einen Atom-GAU ums Leben kam, der nicht verhindert wurde, obwohl er hätte verhindert werden können. Beide Frauen sind traurig und wütend. Doch welche von ihnen verzeiht dem Oberkommandierenden eher? Die, die ihren Mann ohnehin verloren hätte, oder die, deren Mann zum Opfer einer unterlassenen Hilfeleistung wurde?

Wer meint, es sei die erste, braucht weder in Zynismus zu flüchten noch muss er an seiner Moral verzweifeln. Wer meint, es sei die zweite, irrt wahrscheinlich.

Malte Lehming zeigt auf, warum die Moralkeule in der Diskussion um den Abschuss von Passierflugzeugen fehl am Platze ist. Denn

Wer dessen Abschuss befiehlt, tötet nicht vorsätzlich unschuldige Menschen. Weder wünscht er ihren Tod, noch trägt ihr Tod zur Erklärung der Tat bei. Sie wäre ebenso erfolgt, wenn keine Zivilisten an Bord gewesen wären. Wer dennoch behauptet, ein solcher Abschuss sei ein schweres Verbrechen, da Massenmord, leugnet die Lehre vom doppelten Effekt. Hiroshima, Nagasaki, Dresden, Giftgaseinsatz gegen Kurden: In diesen Fällen wurden tatsächlich absichtlich unschuldige Menschen getötet. Ihnen allein galt die Gewalt. Stehen diese Verbrechen moralisch auf einer Stufe mit dem Abschuss des besagten Passagierflugzeugs? Wohl kaum. Die primäre Motivation würde in diesem Fall auf die Verhinderung einer Katastrophe zielen, nicht auf die Ermordung von Zivilisten.

Eine solche Entscheidung darauf zu reduzieren, es ginge um die zahlenmäßige Abwägung von Menschenleben und dies sei unmoralisch, ist noch aus einem weiteren Grunde bedenklich: können sich Islamisten sicher sein, eine gekarperte Maschine wird nicht abgeschossen werden, dann wissen sie auch, ihre Pläne werden nicht dadurch vereitelt werden, dass man die Maschinen durch einen Abschuss daran hindert, als Waffe benutzt zu werden. Jeder Islamist weiß dann: Kapere ich ein Flugzeug mit unschuldigen Passagieren, ist mir mein freier Flug sicher.

Hierbei muss man berücksichtigen, dass die USA, Frankreich, die Niederlanden, Spanien und Österreich den Abschuss von Passagiermachinen im Notfall erlaubt und geregelt haben. Ein kluger Islamist wird also in diesen Ländern nicht auf die Idee kommen, ein Passierflugzeug zur tödlichen Waffe umzufunktionieren und sich ein für solche Pläne “sicheres” Land aussuchen.

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Siehe auch:
Ein Verteidigungsminister wird abgeschossen, 21. September 2007.

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