Ein Blick nach Großbritannien

Auf dem immer lesenswerten Blog Sicherheitspolitik fand ich folgende Meldung:

Britische Medien berichten unter Berufung auf den MI5, dass insgesamt bis zu 1.500 Briten mit der Absicht zum Islam konvertiert seien, terroristische Aktivitäten zu unterstützen. Ein großer Anteil davon habe sich in Gefängnissen zur Konversion entschlossen, häufig unter dem Einfluss islamistischer Mitgefangener.

In den letzten Jahren war zudem zu beobachten, dass Links- und Rechtsextremisten zum Islam konvertieren, weil sie diesen als führende antiwestliche Weltanschauung der Gegenwart betrachten. Bekannte Beispiele sind der Linksterrorist “Carlos” und der Gründer der rechtsextremen britischen Organisation “Combat 18″, David Myatt.

Der Islamwissenschaftler Olivier Roy beobachtete zudem sog. “Protest Conversions” in Europa. Die Identifikation mit dem Islam habe für bestimmte politische Kräfte dieselbe Bedeutung wie die Identifikation mit dem Vietkong oder anderen revolutionären Kräften der “Dritten Welt” in der Vergangenheit. Die islamistische Bewegung würde als aktuelle Form des Protests der “Dritten Welt” gegen den Westen betrachtet.

Die islamistische Bewegung in Europa könnte angesichts der beobachteten Konversionen mittel- bis langfristig ihr Gesicht verändern. Bereits jetzt finden sich Konvertiten in Deutschland sowohl in führenden Ämtern politisch-aktistischer islamistischer Organisationen als auch in führenden Funktionen in terroristischen Zellen.

Ich hoffe, man verzeiht mir dort mein Vollzitat.

Aus dem Jahre 2006 stammt ein Artikel von Ernst Hildebrand für die Friedrich Ebert Stiftung. Hierin heißt es, dass 32 % aller Muslime in Großbritannien der Meinungen seien, dass sich Muslime für die Beseitigungen der „dekadenten amoralischen“ westlichen Zivilisation engagieren sollten. 20% der Muslime würde Verständnis für die Motive der U-Bahn- Attentäter vom 07.Juli 2005 hegen. Gleichzeitig würde nur 17 % der Nicht-Muslime glauben, dass Muslime und Nichtmuslime friedlich mit einander leben können und ein Viertel der Wähler könne sich vorstellen, eine rechtsradikale Partei zu wählen.

Erste repräsentative Zahlen über die Einstellungen unter Muslimen liegen auch für Deutschland vor.

Beschwichtigungsdogmatiker wie Frau Roth, die sogar so weit gehen, dass sie Aufforderungen an Muslime, radikale Glaubensbrüder den Behörden anzuzeigen, als Aufforderung zum Denunziantentum bezeichnen, sollten sich bei einem Blick nach Großbritannien fragen, ob sie das immer noch weiter so aufrecht erhalten wollen. Es könnte nämlich eintreten, dass Eltern von in Deutschland hochgebombten Kindern sich diese Bemerkung gemerkt haben und ggf. einmal Rechenschaft für diese Äußerung verlangen werden. Ferner sollte die aktuelle Diskussion über Kriminalität als Warnung dienen, was passieren kann, wenn man versucht Themen zu unterbinden.

Kultur und Fortschritt

August 23, 2007 · Filed Under Deutschland, Lexikon, Zukunftsfragen · 1 Comment 

Die Geschichte hat in Jahrhunderten weltweiter Migration gleichsam ein Experiment durchgeführt, um den Beweis dafür zu liefern, daß Menschen gleicher Kultur in ganz unterschiedlichen Ländern ähnlich erfolgreich waren und daß Menschen unterschiedlicher Kulturen in demselben Land, unter denselben äußeren Bedingungen und bei gleichen wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht gleich reagieren und reüssieren. Was sie mitbrachten, waren nicht das Klima und die geographische Beschaffenheit ihrer Herkunftsländer noch deren Politik und Wirtschaftssystem, sondern ihre Kultur.

behauptet Siegfried Kohlhammer in einem bemerkenswerten Beitrag (hier gefunden). Die These, daß Kultur ein wichtiger Faktor bei der Integration von Einwanderern ist, bei ihrem wirtschaftlichen Erfolg oder Mißerfolg und bei der wirtschaftlichen wie politischen Entwicklung der Nationen, scheint ein plausibler und empirisch ausreichend belegter Gedanke zu sein. Kohlhammer legt plausibel dar, dass Diskriminierung als Erklärung für gescheiterte Integration in den meisten Fällen aussscheidet, denn diesen stehen bei vergleichbaren Ausgangsbedingungen ebensoviele oder sogar mehr Fälle gelungener Integration gegenüber. Da Rasse ein ideologisches und kein wissenschaftliches Konstrukt ist, so schlussfolgert Kohlhammer, muss es die kulturelle Herkunft sein, die den massgeblichen Faktor für gesellschaftlichen Erfolg oder Misserfolg von Einwanderern darstellt.

Ich kann verstehen, wenn man sich gegen diese These sträubt, denn die meisten Menschen denken bei Kultur doch wohl eher an sehr konkrete Dinge wie Musik, Kunst und Küche. Ersetzt man aber den Begriff Kultur durch “Werte”, dann wird deutlich, was Kohlhammer meint und man kommt kaum umhin, ihm zuzustimmen. Beispiele gibt es zur Genüge. Der Integrationsprozess der dritten Generation türkischstämmiger Deutscher z.B. verläuft alles andere als konvergent. Für viele ihrer Angehörigen gilt:

Abgeschnitten von den Quellen der eigenen Kultur, sprechen sie Türkisch oft ebenso schlecht wie Deutsch. Ganze Häuserblocks in der Umgebung der Nürtingenschule [in Berlin-Kreuzberg – MK] kennen ausschliesslich die Provinzdialekte von Samsun oder Denizli, und selbst diese klingen bei ihnen, als hacke einer Holz mit dem Spaten. Aus “kalörifer” (Heizung) wird “kalifer”, an die Stelle von “iş ve işçi bulma kurumu” (Arbeitsamt) tritt die lexikalische Neuschöpfung Arbizamt. Schwierigere Dinge, etwa Liebesgeständnisse, versuchen türkische Teenager lieber gleich mit dem bisschen Deutsch, das sie aufgeschnappt haben.

Das schrieb die FAZ vor nunmehr neun Jahren.1 Dass dieser Zustand, der keineswegs nur Einwanderer mit muslimischem Hintergrund betrifft, keineswegs der ablehnenden Haltung seitens der autochthonen Mehrheitsgesellschaft geschuldet ist, zeigt die Tatsache, dass in Berlin Lehrer zu berichten wissen, dass Einwanderer aus Russland und Asien die schnellsten Lernerfolge erzielen, während solche aus afrikanischen und arabischen ländern deutlich mehr Schwierigkeiten haben. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Grossbritannien. Besondere Schwierigkeiten haben aber auch italienische Kinder in Deutschland: Nur 14%, so heisst es aus der italienischen Botschaft, besuchten ein Gymnasium, fast 50% gehen auf die Hauptschule, die meisten verlassen sie ohne Abschluss.2

Die Erklärung dafür, warum manche Gruppen sich besser, andere sich schlechter integrieren, kann also unmöglich allein das Umfeld sein. Will man nicht an den Zufall glauben, dann muss man die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass die Werte der eigenen Herkunftsgesellschaft gewisse Verhaltensweisen von Individuen begünstigen, während sie andere hemmen. Deswegen habe ich auch nie verstehen können, wie der von mir an sich so geschätzte Ökonom Joseph Schumpeter hat glauben können, dass der “Geist des rationalistischen Individualismus” ein Erzeugnis des aufsteigenden Kapitalismus sein soll – und nicht etwa umgekehrt. Wie jedoch kommt es dann, fragt Kohlhammer, “dass der Kulturalismus – so wird diese These von ihren Gegnern genannt – einerseits so lange vernachlässigt wurde und andererseits so polemisch kritisiert wird?”

Die Frage ist berechtigt, aber die implizit geäusserte Annahme, dass die Gegnerschaft sich selber keiner kulturalistischen Erklärungsmuster bedient, stimmt nicht. Dafür lassen sich mehrere Beispiele anführen, u.a. der nicht nur von Linksintellektuellen so geschätzte Theodor W. Adorno, der sich gegen eine Gleichmacherei der Menschen wandte und stattdessen die “Verwirklichung des Allgemeinen in der Versöhnung der Differenzen” bevorzugte: “Attestiert man dem Neger, er sei genau wie der Weiße, während er es doch nicht ist, so tut man ihm insgeheim schon wieder Unrecht an” heisst es in den Minima Moralia. Adorno war zwar kein Rassist, glaubte aber, dass Schwarze kulturell bedingt für den “Industriekapitalismus” nicht geschaffen sein, weswegen er auch auch den amerikanischen “melting pot” ablehnte, in dem er nichts als ein Instrument sah, Menschen unterschiedlicher Kultur für die bessere Verfügbarkeit durch den Kapitalismus zu nivellieren: “Der Gedanke, in ihn hineinzugeraten, beschwört den Martertod, nicht die Demokratie.” Hierin drückt sich ein typischer Wesenszug von Linksintellektuellen aus: Der Paternalismus.

Kulturalistische Deutungsansätze sozialer Erscheinungen sind also unter Vertretern doch recht unterschiedlicher Weltanschuungen anzutreffen, wobei sie unter linken Intellektuellen vor allem dazu herangezogen werden, die vermeintliche Unmenschlichkeit des Kapitalismus zu demonstrieren. Dass solche Erklärungsansätze jedoch nicht in einen starren Determinismus münden müssen, liegt auf der Hand. Kulturell vermittelte Werte begünstigen oder hemmen Verhaltensweisen – nicht mehr und nicht weniger. Denn ebenso wie Menschen nicht in einem Vakuum sozialisiert werden (was schon ein Widespruch in sich wäre), so können Menschen auch über ihre eigenen Lebensumstände hinauswachsen, wofür es zahllose Beispiele gibt (die vielen positiven Fälle türkischstämmiger Deutscher, die in der Wirtschaft Karriere gemacht haben, finden natürlich nicht so leicht den Einzug in die Medien), von denen mir eines besonders bemerkenswert erscheint, nämlich die Ergebnisse einer Studie am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim, die das Phänomen der sogenannten “türkischen Powergirls” zu ergründen versuchte:

Die “türkischen Powergirls”, wie sie sich selbst nennen, widerlegen alle Stereotypen über junge Türkinnen in Deutschland. Sie sind Kinder ehemaliger “Gastarbeiter”, teilweise haben die Mütter keinen Schulabschluss, sie sind in einem typischen Migrantenwohngebiet in Mannheim aufgewachsen und haben trotz sehr schwieriger Lebensumstände höhere Schul- und Hochschulabschlüsse erreicht. Ihr Leitbild ist es, “frei zu leben”, sie geben sich frech, flippig und modern. Sie wehren sich gegen stereotype Ausgrenzungen, die sie von deutscher und türkischer Seite erfahren. Sie verstehen sich weder als “Deutsch” noch “Türkisch”, sondern haben ein neues eigenständiges Selbstbild und einen eigenen Kommunikationsstil entwickelt. Die Studie beschreibt diesen Stil, den derb-drastischen Umgangston, den schnellen Wechsel zwischen Deutsch und Türkisch und rhetorisch äußerst effektive deutsch-türkische Mischungen.

Integration mag also in manchen oder sogar vielen Fällen gescheitert sein. Aber sie ist niemals dauerhaft und unabänderlich gescheitert.


  1. Deutschland kommt im Alltag nicht mehr vor. Von Konrad Schuller, FAZ vom 10.3.1998, S. 3. Nicht online. Das Zitat wurde von mir geringfügig orthographisch überarbeitet. [back]
  2. Mütter als Integrationshelfer. Bundesregierung will Eltern ausländischer Kinder einbeziehen. FAZ vom 27. April 2007, S. 5. Leider nicht online. [back]

Globalisierung – nicht wirklich beliebt

July 26, 2007 · Filed Under Antiamerikanismus, Globalisierung · Comment 

“In den vergangenen 200 Jahren ging der Siegeszug des Kapitalismus und Industrialismus Hand in Hand mit Kriegen und Revolutionen. Warum Neoliberale glauben, dass die Dinge sich im 21. Jahrhundert anders entwickeln, bleibt ihr Geheimnis” findet der Sozialökologist Ulrich Beck, der ein schönes Beispiel dafür abgibt, auf welch beklagenswertem intellektuellen Niveau das Thema Globalisierung hierzulande abgehandelt wird. (Wer nicht an den Quantensprung zu einer sozialökologischen Gerechtigkeitspartei glaubt, kann bei Jagdish Bhagwati Nachhilfestunden nehmen, s.u.)

Wie eine Umfrage (PDF) von “Financial Times” und “Harris Interactive” zeigt (via MEO), ist erstaunlicherweise aber in keinem der grossen westlichen Industrieländer der Zuspruch zur Globalisierung so hoch wie in Deutschland mit 36% – wenngleich auch hier der Anteil derer, die mit Globalisierung eher negative Effekte verbinden, weitaus grösser ist (42%). An der Globalisierung scheiden sich die Geister. Ausserhalb Europas sieht man das übrigens ein wenig anders.

Interessant auch dies: Der FT/Harris-Umfrage zufolge hält in Grossbritannien, Spanien und Deutschland eine relative Mehrheit von 30 bzw. 44 bzw. 28% die USA für die grösste Bedrohung globaler Stabilität – einerseits. Andererseits ist der Wert für Deutschland seit der letzten Umfrage deutlich gefallen. Das ist erfreulich. Die Aussage von Andrei Markovits “Any trip to Europe confirms what the surveys have been finding: The aversion to America is becoming greater, louder, more determined” (in “Uncouth Nation: Why Europe Dislikes America”) darf also angezweifelt werden, obwohl Antiamerikanismus ein immer noch virulentes Phänomen darstellt.

In Frankreich, Italien und den USA ist man übrigens eher geneigt, China die Rolle des globalen Gefährders zuzuschanzen.


Siehe auch:
Warum Globalisierung eine feine Sache ist, 1. Juni 2007,
Gute Nachrichten vom Planeten Erde, 30. November 2006.

Pew-Umfrage über muslimische Amerikaner

July 20, 2007 · Filed Under USA, Welt des Islam · Comment 

Jetzt erst entdeckt: Das amerikanische Pew Research Center hat im Mai eine hochinteressante Umfrage unter 1050 muslimischen Amerikanern durchgeführt. Wenig überraschend: Auch in den USA sind die Muslime eine gespaltene Gruppe, wenn es um Politik geht.

Der Umfrage zufolge ist die Mehrheit der Muslime integriert, mit ihrem Leben zufrieden und betrachtet sich als echte Amerikaner – auch in der Hinsicht, dass sie die Werte der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft teilen. Dabei ist zu bemerken, dass 65% der befragten Muslime ausserhalb der USA geboren wurden; ihre Lebensqualität schätzen sie als gut oder hervorragend ein. Dabei stimmen 71% der Aussage zu, dass jeder, der sein Leben verbessern will, dies auch in die Tat umsetzen kann, wenn er bereit ist, beständig daran zu arbeiten!

Hier zeigt sich deutlich, dass der marktwirtschaftlich orientierte liberale Staat eben doch besser integriert als der Wohlfahrts- und Verteilungsstaat. Aus eigener Kraft sich etwas aufzubauen in einem Land, dem man die Chance dazu verdankt – das ist Integration. Und nicht das Päppeln mit Almosen. Daher verwundert es nicht, dass mehr Muslime in den USA den Terrorismus ablehnen, als dies unter muslimischen Minderheiten in Westeuropa der Fall ist!

Andererseits findet sich unter der jüngeren Generation mehr als unter der älteren die Neigung, Selbstmordanschläge zur Verteidigung des Islam zumindest in manchen Fällen zu rechtfertigen (7% insgesamt). Insgesamt sind es aber nur 1%, die Anschläge auf zivile Objekte gutheissen. Auch ist die uneingeschränkte Unterstützung für den islamischen Extremismus sehr gering; 51% der Befragten zeigen sich besorgt um den international operierenden islamischen Extremismus. Nur in Grossbritannien sind es mit 52% geringfügig mehr.

Immerhin 53% der Befragten gaben an, dass es seit den Anschlägen vom 11. September für Muslime das Leben in den USA schwieriger geworden sei; eine Mehrheit sieht dabei Muslime verstärkt im Visier der Sicherheitsbehörden. Zugleich bestreitet eine Mehrheit, dass Araber für die Attentate verantwortlich waren! Nur 40% wollen wahrhaben, dass die Anschläge von Arabern verübt wurden. Auch ist die Unterstützung für den Krieg gegen den Terrorismus ausgesprochen schwach, und ebenso für den Einsatz im Irak. Gerade einmal 35% äussern Sympathie für das militärische Engagement in Afghanistan (im Gegensatz zur Mehrheitsgesellschaft mit 61%).

Dass die Mehrheit der Muslime in den USA als integriert gelten kann, mag die Tatsache zeigen, die meisten Befragten zu Protokoll gaben, dass ein grosser Teil ihres Freundeskreises aus Nichtmuslimen bestehe. Gerade unter diesen Muslimen herrscht auch die Neigung vor, amerikanische Gewohnheiten anzunehmen, anstatt sich von der Mehrheitsgesellschaft abzuheben. 63% der Befragten sehen denn auch keinen Widerspruch darin, ein praktizierender Muslim zu sein und zugleich in einer modernen Gesellschaft zu leben (steht da so – und nicht etwa “… und zugleich Amerikaner zu sein”).

Die Hälfte der muslimischen Amerikaner geht nach eigener Auskunft in die Moschee; 47% sagen von sich selber aus, dass sie sich in erster Linie als Muslime, dann erst als Amerikaner fühlen. Damit unterscheiden sie sich erheblich von ihren Glaubensgenossen in Westeuropa (Pew hat letztes Jahr in Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und Spanien ein ähnliche Umfrage durchgeführt), wo drei von vier der Befragten sich in erster Linie als Muslime und danach erst als Bürger ihrer Landes definieren! Frankreich ist hier allerdings die Ausnahme: Dort ist der Anteil der Muslime, die sich zuerst als Staatsbürger ihres Landes sehen, ähnlich hoch wie in den USA.

Auch interessant: Ausser in den USA glauben nur noch in Frankreich ebensoviele (nämlich 62%) Muslime, dass die Lage der Frau in dem Land, in dem sie leben, besser ist als in den muslimischen Ländern. Aber nirgendwo sonst in der Welt ist unter Muslimen die Ansicht verbreitet, dass es möglich ist, einen Weg zu finden, bei dem Israel als Staat bestehen bleibt und die Rechte der Palästinenser gewahrt werden. Der Grad des Zuspruchs (keine Zahl genannt) entspricht hier dem der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft.

Fazit: Die USA integrieren besser.


Siehe auch:
Muslime in Amerika nach dem 11. September, 11. September 2006.

“Der Westen ist schuld!”

February 26, 2007 · Filed Under Aus dem Tollhaus, Bürgerliche Werte · 6 Comments 

Der Westen ist an allem schuld, so lautet das Credo nicht nur rabiater Islamisten, sondern auch vieler moderater Intellektueller. Manche Argumente scheinen sich dabei niemals abzunutzen, so absurd sie auch sein mögen. So mutet die Behauptung, der elende Zustand, in dem die meisten Länder des Nahen und Mittleren Ostens sich befinden, sei eine Folge des europäischen Kolonialismus, mit jedem verstreichenden Jahrzehnt umso aberwitziger an. Offensichtlich scheint der Kolonialismus nicht vergehen zu wollen. Wie kommt es dann jedoch, dass die Baltischen Staaten, die noch vor weniger als zwanzig Jahren Sowjetkolonien waren, wirtschaftlich ungleich erfolgreicher sind als die meisten Arabischen Länder?

Das Beispiel Korea zeigt, dass eine ehemalige Kolonie sehr schnell zu wirtschaftlicher Blüte und politischer Stabilität gelangen kann, wenn es nur bereit ist, aus der Rolle des ewigen Opfers auszusteigen. Korea war mehr als dreissig Jahre lang japanisch besetzt. Aber während der Norden seinen kläglichen Zustand noch heute mit den Nachwirkungen der Besatzungszeit begründet, gehört der Süden zu den technologisch fortschrittlichsten Ländern der Welt und ist demokratisch obendrein. Heute erscheint es uns kaum mehr vorstellbar, dass der Süden in den 1960er Jahren wirtschaftlich rückständiger gewesen sein soll als der Norden.

Wir müssen also Ursachenforschung betreiben und uns fragen, welche inneren Faktoren dafür gesorgt haben, dass die Islamische Welt sich in einem so beklagenswerten Zustand befindet, mögen darunter auch einige Länder sein, die eine Ausnahme bilden. Dabei sollten wir die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, dass Kolonialismus keine exklusiv europäische und japanische Sünde ist. Das Osmanische Reich, ein islamisch legitimiertes orientalisches Imperium, hatte 400 Jahre lang den Balkan beherrscht. Aber auch wenn heute dort nicht alles zum besten steht, so ist der Balkan doch keine Region, die bekannt dafür wäre, religiösen Fanatismus zu exportieren. Ganz im Gegenteil ist heute die Demokratie fest verwurzelt und der wirtschaftliche Fortschritt unübersehbar. Warum also hat eine solche Entwicklung in der Arabischen Welt nicht stattgefunden und warum nicht in den mittelasiatischen Staaten der ehemaligen Sowjetunion?

Hinzu kommt, dass es gerade nicht die ehemaligen Kolonialmächte Grossbritannien und Frankreich sind, denen der Hass eines Grossteils der Bevölkerung im Nahen Osten gilt, sondern Amerika. Dabei waren die USA im Nahen Osten niemals Kolonialmacht und allem Gerede über ihre Rolle im Irak zum Trotz sind sie es auch heute nicht. Umso weniger verständlich ist es, wenn heutige Intellektuelle die Schuld für die Misere des Nahen Ostens bevorzugt im Westen suchen. Das aber kann nur, wer glaubt, der heutige Westen sei immer noch derselbe wie zu Zeiten des Kolonialismus oder, wenn wir noch weiter zurück in der Geschichte gehen, der Kreuzzüge. Damit aber verleugnen gerade die Intellektuellen all diejenigen Fortschritte, die sich selbst nur zu gern auf die eigenen Fahnen schreiben.

Mirfetros über die iranischen Intellektuellen

February 17, 2007 · Filed Under Iran, Menschen & Mächte · 15 Comments 

In der Londoner “Kayhan“, dem wichtigsten persischsprachigen Organ iranischer säkularer Demokraten im Ausland, gibt es eine Fortsetzungsreihe “Betrachtungen über die Islamische Revolution im Iran”, deren Verfasser der namhafte (in Deutschland leider unbekannte) Historiker Ali Mirfetros (Webseite) ist. In der aktuellen Ausgabe schreibt er, dass die aufgeklärte Gesellschaft des vorrevolutionären Iran eine Gefangene zweier Fundamentalismen war: Des islamischen und des marxistischen Fundamentalismus. Beiden gemeinsam ist das “Nicht-Denken” (nayandishidan), die Gegnerschaft zum Modernismus und zu den Errungenschaften der Monarchie, vor allem unter Mohammed Reza Shah.

Selbstkritisch schildert Mirfetros, selber ein Ex-Linker, wie junge Menschen zu seiner Zeit ganz selbstverständlich in einem Klima “politischer und kultureller Irrationalismen” mit den Schriften von Al-e Ahmad1 aufgewachsen waren, deren Spätfolge die Islamische Revolution ist. Die Tudeh-Partei (Kommunisten) wurde zum Faktor für sich abwechselnde Reaktionen und Gegenreaktionen gegenüber dem Staat und den politischen Kräften innerhalb der Gesellschaft. Eine anti-intellektuelle Front aus Islamisten und Kommunisten erklärte das Schah-Regime für illegitim und jegliche Zusammenarbeit mit ihm für Ketzerei.

Als Reza Schah 1941 durch Grossbritannien und die Sowjetunion abgesetzt wurde, so Mirfetros, hatten die Intellektuellen zwölf Jahre lang die Gelegenheit, die entstandene politische Freiheit zu nutzen, scheiterten jedoch, weil sie es nicht verstanden, rechten Gebrauch von ihr zu machen: “Ein Blick auf die unterschiedlichen Veröffentlichungen der Tudeh und die Zeitungsartikel so bekannter Autoren wie Mohammad Mas’ud, Karimpur Shirazi und sogar einige unvergessene Artikel von Dr. Hossein Fatemi (in “Bakhtar-e Emruz”2) zeigen, dass die Intellektuellen und Zeitungsjournalisten jener Zeit das Beleidigen, Denunzieren, Erpressen, Verleumden und Bedrohen von politisch Andersdenkenden mit Anstand und politischer Moral verwechselten.”

Diese “zwölferschiitischen Marxisten” (M. Rambod) sind mit dafür verantwortlich, warum die Schahzeit in Europa eine dermassen schlechte Presse hatte, da die 68er hierzulande die Tudeh-Propaganda ihrer iranischen Genossen ungefiltert wiedergaben. Dazu gehört auch die Mär von einem 1953 durch die CIA gestürzten “Volkshelden” Mosaddegh. Die gesammelten Informationen im “Kursbuch” Nr. 2 (1965) über den Schah (das mir vorliegt) stammen meist aus Tudeh-Quellen wie der erwähnten “Bakhtar-e Emruz” und “Iran Azad”. In Deutschland ist es vor allem der Altlinke Bahman Nirumand, der mit seinem Buch “Persien – Modell eines Entwicklungslandes” die Studentenbewegung massgeblich beeinflusste und bis heute gegen den Westen agitiert.

Es ist daher an der Zeit, dass in deutschen Medien mehr Leute vom Schlage eines Mirfetros über den Iran zu Wort kommen. Und weniger von den Reformislamisten, Marxisten und anderen Freunden des Obskuren.


  1. Ein nichtreligiöser, linksintellektueller Antimodernist, gest. 1969. Sein bekanntestes Werk ist “Gharbzadegi”, auf Deutsch etwa “Verwestlichung” oder “Okzidentose”. Man muss ihm allerdings zugestehen, dass er ein begabter Schriftsteller war. Sein Roman “Modir-e Madrase” ist eine wunderbar sarkastische Darstellung gesellschaftlicher Verhaltensweisen in der iranischen Provinz – leider bis heute nicht ins Deutsche übertragen. [back]
  2. Dt. “Heutiger Westen”, kommunistische Zeitschrift. [back]

So viele Angriffe auf britische Juden wie noch nie!

Verkündet Hannes Stein. Dabei sollte er doch wissen, wer die wahren Juden von heute sind. Maleiha Malik erklärt es ihm und allen anderen Verstockten im GUARDIAN.

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