Libanon: Gemeinsam gegen die Hisbollah
“Für einen friedlichen, zivilen Widerstand zum Schutze des Libanon”, so lautet der öffentliche Aufruf libanesischer Intellektueller, Journalisten und Aktivisten der Zivilgesellschaft vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse um die Hisbollah.
Darin heisst es unumwunden, dass ein Verbleib der Waffen bei Nasrallahs Milizen das Ende des Libanon bedeutet und dass der Präsident nur solange Präsident ist, wie er auch Waffengewalt des Landes innehat. Darum sind auch Wahlen nur dann frei, wenn nicht die eine Partei unter Zuhilfenahme von Waffen Terror gegen andere Parteien auszuüben in der Lage ist.
Explizit wird festgesstellt, dass eine armierte Hisbollah die innerislamische Spaltung (fitna islamiyya-islamiyya) vorantreibt. Die Unterzeichnenden rufen daher “alle Libanesen im In- und Ausland” dazu auf, Verantwortung für sich und ihr Land zu tragen und “einen friedlichen, zivilen Widerstand gegenüber der Revolte der Hisbollah” in Gang zu setzen, um das Land, seine Gesellschaft und das Staatswesen zu schützen.
Der in arabischen Gesellschaften übliche Weg, einen Konflikt durch Interessenharmonisierung beizulegen, wird hier gerade nicht beschritten, sondern die Hisbollah ausdrücklich als Risikofaktor für den Fortbestand des Landes genannt, an deren Entwaffnung kein Weg vorbei führt. Hier ist sie, die vom Westen so oft erwünschte Zivilgesellschaft. Und die Liste der Unterzeichner ist beeindruckend lang.
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Siehe auch:
- Ja zur Freiheit des Wortes – auch in Saudi-Arabien, 31. März 2008,
- Ehrenmorde in dörflichen Gemeinschaften Syriens, 15. Januar 2007.
Ahmadi-Nejad: Israel ist wie eine tote Ratte
Glückwunsche zu Israels Sechzigstem auch aus Teheran: Der Nachrichtenagentur AFP zufolge bezeichnete Ahmadi-Nejad in seiner Grussbotschaft den jüdischen Staat als “verwesende Leiche und tote Ratte”, der ausserdem “dem Untergang geweiht” sei. Im Krieg der Hisbollah gegen Israel 2006 habe das libanesische Volk Israel eine Niederlage bereitet, sodass dieses nun “wie eine tote Ratte” beginnen werde, zu verwesen.
Na, wenn das mal nichts weiter als eine konstruktive Kritik an der israelischen Besatung war. Professor Cole, übernehmen Sie!
+++Nachtrag 22:40 Uhr+++
Falls wieder einmal jemand meint, besser Persisch zu können als die Mullahs: Die iranische Nachrichtenagentur IRNA bestätigt in ihrer englischen Onlineausgabe die Äusserungen Ahmadi-Nejads:
Addressing Majlis representatives, he said (…) the usurper and fabricated regime is moving towards annihilation.
(…) after the Lebanese nation slapped it in the face, they are like dead rats.
(…) “If some think that they can make any change in the global calculations, they are in mistaken because nations around the world will bury them ,” concluded President Ahmadinejad.
+++Nachtrag 23:10 Uhr+++
Ein trefflicher Kommentar von Michael Rubin findet sich hier:
Of course, University of Michigan professor Juan Cole will translate this tomorrow as “Israel will produce excellent top soil and is on its way to rebirth.”
Persepolis im Zedernstaat
Die Verfilmung von Marjan Satrapis Comic-Novelle Persepolis, in der die Autorin ihre Kindheit im Iran autobiographisch verarbeitet, darf im Libanon nicht aufgeführt werden. Die persischsprachige Webseite djar.eu will wissen, dass das Verbot auf Druck der Hisbollah, die bekanntlich am verlängerten Arm der Mullahs operiert, durchgesetzt wurde. Von seiten des libanesischen Kultusministeriums dagegen wird verlautbart, dass der Film weder antiiranisch noch antiislamisch sei, und ein Verbot rechtlich nur dann begründet werden könne, wenn ein Aufflammen konfessioneller Unruhen zu befürchten sei, ethische Wertvorstellungen tangiert, der Staat verunglimpft oder dem zionstischen Feind in die Hände gespielt werde. Die wahren Gründe für das Aufführverbot kennt auch der libanesische Kultusminister Tariq Matari nicht. Er selbst verurteilt die Zensur als unbegründet.
Eine regierungsnahe anoyme Quelle hingegen behauptet, dass das Verbot auf Geheiss des Generaldirektors für öffentliche Sicherheit, General Wafiq Jazini, ausgesprochen wurde, der der Hisbollah nahestehen soll. Dieser jedoch dementiert und behauptet, dass die Zensur keine Sache einer einzelnen Person sei. Demnach soll es Klagen verschiedener Religionsvertreter über den Film gegeben haben und vor allem in den Reihen der schiitischen Gemeinschaft war gewalttätiges Potential vermutet worden. Die “Sozialistische Fortschrittspartei” rief mittlerweile dazu auf, sich nicht jedem “Gesinnungsterror” zu beugen und forderte die sofortige Freigabe des Films.
Derweil klagt der libanesische Vertreiber des Films, Bassam Eid, dass die Zensur ihm das Geschäft kaputtmache. Tatsächlich könne man die Verbreitung des Films gar nicht verhindern: Er selbst habe im palästinensischen Flüchtlingslager Sabra Raubkopien des Films für zwei Dollar pro Stück erstanden.
“Time”: So rekrutiert die Hisbollah Kinder
Die amerikanische Wochenzeitschrift „Time“ deckt die Methode der Organisation auf, die schon um Kinder im Alter von sieben Jahren wirbt. Die Kinder, die in libanesischen Schulen ausgewählt werden, werden zu Seminaren geschickt, in denen die Ideologie der Organisation vermittelt wird und militärische Übungen durchgeführt werden. Die Kinder werden dann in die Organisation eingereiht und schließen sich Veteranen an, die Besten fahren in ein Übungslager im Iran und werden in geheimen Lagern weiter ausgebildet.
Der militärische Arm der Hisbollah operiert geheim. So wurde die „Time“ bei ihrer Recherche von einem schiitischen Libanesen unterstützt.
Dem Bericht zufolge beginnt die Suche nach Kandidaten schon unter sehr jungen libanesischen Schülern sowohl in regulären Schulen als auch in denen, die von der schiitischen Terrororganisation unterhalten werden.
Die Kandidaten werden im Auftrag der Hisbollah auf „Ausflüge“ und Seminare geschickt, auf denen ihnen die Ideologie der Organisation (z.B. der Märtyrertod) nahe gebracht wird.
Während der Seminare werden die Kinder in Gruppen von jeweils fünf Teilnehmern aufgeteilt, und jede Gruppe muss auf spielerische Weise verschiedene Aufgaben erfüllen.
Diese erste Stufe der Ausbildung kann zwischen einigen Monaten bis hin zu einigen Jahren dauern, je nachdem, wie sehr die Kinder schon für eine Aufnahme in die Organisation geeignet sind. Wer die verschiedenen Unterrichtseinheiten erfolgreich absolviert, wird in die nächste Stufe aufgenommen und durchläuft eine militärische Grundausbildung über mindestens neun Monate.
Dabei werden die Kinder ihren Fähigkeiten und Neigungen gemäß eingeteilt: Die eher „faulen“ Kinder werden für Beobachtungsposten an der Nordgrenze eingeteilt und kundschaften Aktivitäten der Zahal in dem Gebiet aus. Die „Mutigen“ nehmen an militärischen Aktionen teil, und die „Klugen“ werden dem Nachrichten- und Sicherheitsdienst angegliedert.
Nach Abschluss der militärischen Grundausbildung werden die Kinder verschiedenen Einheiten der Hisbollah zugeteilt.
Nur etwa zehn Prozent aller Kämpfer werden für einige Monate in ein Geheimlager im Iran geschickt. Die Anzahl der Hisbollah-Kämpfer ist nicht bekannt, allerdings hat Hisbollahführer Nasrallah in der Vergangenheit angedeutet, dass es Zehntausende sind.
(ynet, 28.03.08)
Quelle: Newsletter der Israelischen Botschaft in Berlin und mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht.
Kopfgeld
Wie das iranische Online-Magazin Shahab News berichtet, hat eine radikale iranische Gruppe ein Kopfgeld von insgesamt 1 Mio. USD auf drei israelische Militärs ausgesetzt, nämlich Ehud Barak, Meir Dagan und Amos Yadlin. Unter der Parole “Qesas-e Jalut” (Strafe Goliaths) wird offen zum Mord aufgerufen:
Der Islam lehrt uns, kein Unrecht zu begehen und keines zu erleiden, was bedeutet, dass sobald die Ehre von Muslime angegriffen wird, wir uns mit dem Leben dazu verschrieben haben, uns tapfer zu verteidigen und unsere Feinde zu töten.
Zugleich warnt der Chef der iranischen Pasadaran, Safawi, dass Israel die Worte des libanesischen Hisbollah-Chefs Nasrallah ernstnehmen solle, dass das Blut des Märtyrers Mughniye den Sturz des “blutrünstigen zionistischen Krebsgeschwürs” beschleunigen werde.
Dessen ungeachtet träumen Europas Intellektuelle weiter von einem Dialog mit dem Mullahstaat.
(Dank an Nasrin)
Weihnachtsgrüsse von Uncle Bin
“Ich möchte unseren Leuten in Palästina versichern, dass wir unseren heiligen Krieg dorthin ausweiten … Wir haben vor, Palästina zu befreien - das ganze Palästina vom Jordanfluss bis zum Meer… Blut für Blut. Zerstörung für Zerstörung.”
so Bin Laden in seiner jüngsten Audiobotschaft. Nun warten wir gespannt auf die kommenden Erklärungsversuche einschlägiger Islamismuserklärer, warum diese Worte in Wahrheit ein Friedensangebot an den Westen seien und sich Bin Laden schon längst mit der Existenz Israels abgefunden habe. Die Uhr läuft.
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Siehe auch:
- Eine weisse Weste für die Hisbollah, 9. August 2006,
- Off the map, 3. April 2006,
- Hisbollah bleibt militant, 1. Februar 2006,
- “vom Meer bis zum Fluss….”, 15. September 2005.
Die Ayatollahs haben die Wahl
Von Ofer Bavly
Niemand kann mehr daran zweifeln, dass das radikale Regime im Iran mit seinem Atomprogramm beabsichtigt, eine regionale Großmacht zu werden. Atomwaffen in den Händen eines fanatischen Regimes – gekoppelt mit einem Langsteckenraketenbestand, der sie bis nach Europa tragen kann – werden nicht nur den Nahen Osten, sondern darüber hinaus sowohl die globale Stabilität als auch die Ölproduktion gefährden. Die meisten politischen Führer in der Welt und den USA, eingeschlossen alle US-Präsidentschaftskandidaten für 2008, stimmen darin überein, dass ein atomarer Iran schlicht inakzeptabel ist.
Vorschläge zum Umgang mit dem Iran reichen von stillschweigender Duldung bis zu vollständigem Krieg, doch ist Beschwichtigungspolitik keine Option. Das iranische Atomprogramm befindet sich auf der Überholspur, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Iran das notwendige Know-how erreicht, um Waffen herzustellen – oder die Technologie an seine terroristischen Verbündeten wie Al-Qaida, Hisbollah, Hamas u.a. weiterzureichen. Man stelle sich nur vor, was am 11. September passiert wäre, wenn die Terroristen auch nur einen winzigen „schmutzigen“ Atomsprengsatz mit sich geführt hätten. Wie auch immer, ein umfassender Krieg sollte auch nicht die unmittelbare Lösung darstellen. Ein Militäreinsatz sollte ein Mittel letzter Instanz sein, und es kann viel unternommen werden, bevor dieses ergriffen wird – auf wirtschaftlichem Wege beispielsweise.
Die iranische Führung muss vor die ökonomische Wahl gestellt werden: Pumpt weitere Milliarden von Dollar in die Waffenfabrikation oder ernährt eure Bevölkerung. Als einer der großen Ölhersteller bezieht der Iran 80 Prozent seiner Einkünfte aus Ölexporten. Der Großteil seines Budgets speist sich aus diesem Industriezweig. Doch schrecken ausländische Investoren heute zunehmend vom Iran zurück, der ironischerweise inzwischen den Großteil seines raffinierten Öls importieren muss und es schwer subventioniert, um den Preis niedrig zu halten. Dies ist die Achillessehne des Iran, die gedehnt werden kann, um das Atomprogramm zu verlangsamen oder anzuhalten.
Mit der oben erwähnten Entscheidung konfrontiert, wird der Iran nicht dafür optieren, seine Bevölkerung auszuhungern oder die Gas-Preise hochzuschrauben. Derlei Schritte würden die Fortdauer des Regimes gefährden. Letztendlich steht das Überleben des Regimes auf der Liste seiner Prioritäten höher als Atomwaffen. Das Auslandsvermögen des Iran hat - wenn es auch nicht mehr in US-Dollars vorliegt – einen Wert von etwa 60 Milliarden Dollar. Diese Reserven liegen im Ausland, in ausländischen Banken. Um sie einzufrieren, wäre eine konzertierte Anstrengung von Banken und Staaten notwendig; doch es wäre möglich und würde zusätzlichen, enormen Druck auf den Iran ausüben.
Obwohl er noch immer von den Einkünften aus seinen Ölexporten profitiert, ist der Iran knapp bei Kasse. Da sich die meisten ausländischen Investoren aus dem Land zurückgezogen haben, fällt es der Ölindustrie zunehmend schwerer, ihren gegenwärtigen Produktions- und Raffinierungs-Level aufrechtzuerhalten. Dafür wäre eine Investition von jährlich 10 Milliarden Dollar nötig. Zurzeit steht dem Iran dafür nur ein Drittel dieses Betrags zur Verfügung. Das bedeutet, dass es mit der Ölproduktion bergab geht und der Gewinn nicht maximiert wird.
Durch Veräußerungsmaßnahmen können der iranischen Wirtschaft noch weitere Milliarden entzogen werden. Florida ist der erste Staat der USA, der ein Gesetz verabschiedet hat, das die Devestition aus dem Iran vorschreibt. Das bedeute, dass die Pensionsfonds des Staates nicht länger in eine Firma investiert werden können, die dort Geschäfte macht. Dies ist ein hervorragender Anfang, doch kann noch mehr auch auf persönlicher Ebene getan werden. Individuen mit Aktiendepots können ihre Banker anweisen, Investitionen von jenen Unternehmen abzuziehen, die mit dem Iran zu tun haben. Wirtschaftlich betrachtet würden die Investoren nichts verlieren, da sie schließlich bei niedrigerem Risiko in amerikanische Energieunternehmen investieren könnten, die keine Geschäfte mit dem Iran treiben.
Im Ergebnis werden die radikalen Machthaber im Iran nach all diesen Maßnahmen vor eine klare Wahl gestellt werden: weiterhin Milliarden in das Atomprogramm fließen zu lassen und damit Krieg zu riskieren oder die so benötigten Finanzmittel zum Wohlergehen ihres Volkes einsetzen zu können.
Geben wir uns keinen Illusionen über den Iran und seine Absichten hin. Er wird, solange er von den Ayatollahs beherrscht wird, damit fortfahren, Terrororganisationen in der ganzen Welt zu unterstützen, finanzieren und auszubilden. Er wird weiterhin danach streben, die westliche demokratische Welt zu destabilisieren, da eben darin seine revolutionäre Ideologie besteht. Der Iran versucht die westliche Zivilisation nach seiner eigenen Spielart des religiösen Fanatismus umzuwandeln. Aber dem Iran die wirtschaftliche Fähigkeit zur Durchsetzung dieser Ziele zu nehmen, ist der beste Weg, einen Krieg gegen das iranische Volk zu vermeiden.
Ofer Bavly ist Generalkonsul des Staates Israel in Florida.
(The Miami Herald, 29.10.07; via Newsletter der Israelischen Botschaft Berlin, veröffentlich mit freundlicher Genehmigung der Botschaft.)







