Vernichtung Israels: Prinzip der Revolution
Unerschöpflich ist die Interpretationsgabe westlicher Nahosterklärer, die von Vertretern der Islamischen Republik zuweilen in unverblümter Rede vorgetragenen Wünsche einer Vernichtung des jüdischen Staates mit einer solchen Hingabe schönzureden und umzuinterpretieren, dass man fast Mitleid mit dem Regime in Teheran bekommen möchte. Es ist zwar leicht, ein böser Bube zu sein, aber manchmal eben schwer, sich einen entsprechend schlechten Ruf einzuhandeln.
Für die Ganovenehre freilich ist das ein Schlag ins Genick. Wenn selbst die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass die Auslöschung Israels fester Bestandteil des politischen Wunschkatalogs in Teheran ist, dann gibt es immer noch die Katajun Amirpur, die zum Glück besser als die Mullahs weiss, was die Mullahs denken. Unübertroffen ist bislang allerdings die Taktik aus Michigan, mit rigorosen Wort-für-Wort-Übersetzungen zu ganz neuen semantischen Ufern zu gelangen.
Dabei gibt das Regime sich soviel Mühe. Mit schönster Regelmässigkeit benutzen seine Vertreter Formulierungen, die umzuinterpretieren schon ein gerüttelt Mass an Phantasie erfordern, was dann in der “Süddeutschen” mitunter zu einem richtig langen Artikel führen kann. Die Mullahs verfügen zwar über Mittel, die Gegner im eigenen Land zur Räson zu bringen, aber an ihren Weichspülern im Westen gleiten sie vergeblich ab.
In der neuen Folge der west-östlichen Soap über Dinge, die gesagt, aber nie gemeint wurden, hat nun Hodjatoleslam Fazel-Lankarani seinen Auftritt, in dem er an ein paar Grundprinzipien der Islamischen Revolution erinnert (Hervorhebung von mir, MK):
Diese Revolution beruht auf denselben Prinzipien, die in unseren heiligen Texten vorhanden sind. Der Imam [Khomeini - MK] wollte keine eigene Denkschule gründen. Er hat ebendiese religiösen Texte und Weisheiten belebt und auf die Bühne des Handelns gebracht und ihre Werte in der Gesellschaft lebendig gemacht. (…)
Die Frage der anti-tyrannischen Einstellung gegenüber einem Tyrannen und eine Tyrannei nicht aushalten zu müssen, hat er betont. Es ist notwendig, dass wir alle uns die Revolution und ihren grossen ethischen Ursprung in Koran und Sunna aneignen. Auf dieser Grundlage brachte der Imam zum Ausdruck, dass die Vernichtung Israels [mahv-e Esrail] eine der wichtigsten Bestrebungen [mohemmtarin armanha-ye enqelab-e ma] unserer Revolution ist. (…)
Wenn nun geäussert wird, was denn für ein Unterschied zwischen dem Iran und Israel besteht und wir ebensogut ein Freund des Iran wie ein Freund Israels sein können, dann zeigt dies, dass die Glaubensprinzipien solcherlei Äusserungen schwach sind. Jemand, der solche Gedanken hegt, muss in der Glaubensfrage eine Revision vornehmen. Diesen Individuen ist das Wesen der Revolution nicht klargeworden (…).
Zu dem Dekret des Imams, dass solche, die dem Staat Israel Hilfe leisten, Kollaborateure sind, wurden unsere höchsten Autoritäten befragt, die dazu befanden, dass durch Selbstmordattentate [amaliyyatha-ye esteshhadi] den Aufenthaltsort des israelischen Volkes auszulöschen [gah-e mardom-e Esrail az beyn miravand] erlaubt sei und nicht verboten. (…)
Gott mache uns zu wahrhaft Wartenden auf den Emam-e Zaman, festige diese Revolution tagtäglich und führe die Weltrevolution des Emam-e Zaman kontinuierlich fort.
Passend dazu erfolgte die Meldung im iranischen Staatsfernsehen, dass der Iran in der Lage ist, mit seinen Kampfflugzeugen eine Distanz von 3000 km ohne Nachbefüllung zurückzulegen, so der Chef der Luftwaffe, General Ahmad Mighani.
Israel liegt etwa 1000 km vom Iran entfernt.
(Dank an Nasrin)
Tehran Consensus
“Es gibt im Iran einen Konsens darüber, dass die Existenz Israels illegitim ist”, so der Sprecher des iranischen Aussenministeriums, Hasan Qashqavi.
Dies nur noch einmal als Klarstellung einer Geschichte, die allerdings schon anderswo klargestellt worden war.
Der missverstandene Herr Ahmadi-Nejad
Mittlerweile sollte sich herumgesprochen haben, dass das iranische Mullahregime selbst die inkriminierte Äusserung Ahmadi-Nejads über Israel als Vernichtungsdrohung versteht und so auch ins Englische überträgt.
Fragt sich nur, wie das passieren konnte. Kannte das Regime etwa nicht die Übersetzung von Juan Cole aus Michigan (”must vanish from the page of time”), die von dessen Adeptin Katajun Amirpur auch ins Deutsche übertragen worden war? Glaubt das Regime ernsthaft, besser Persisch zu können als Cole und Konsorten? Und so fragt Frau Amirpur:
Eine Frage ist allerdings weithin unbeachtet geblieben: Wieso verwenden auch offizielle iranische Stellen die englische Übersetzung wipe off the map bis zum heutigen Tag, obwohl sie offenkundig falsch ist?
Hahaha, ist das eine Satire oder was? Und die Antwort ist kongenial: Die Radikalen in der iranischen Führung, so Frau Amirpur, wollen die “Politik der vorsichtigen Öffnung” der Vergangenheit sabotieren. Deshalb käme ihnen ein Angriff der USA und Israels auf den Iran nicht ungelegen. Und aus diesem Grunde verschärften sie die Äusserungen Ahmadi-Nejads in den englischen Übersetzungen iranischer Nachrichtenagenturen.
Soweit, so schräg. Nun sagt uns Frau Amirpur aber ausserdem, dass Ahmadi-Nejad Teil ebendieser Radikalen ist, er selbst also mitverantwortlich dafür sein soll, dass seine Äusserungen über Israel auf Englisch aggressiver klingen als von ihm auf Persisch intendiert. Gleichwohl bleiben die Übersetzungen, obschon von ihm autorisiert, eine Fälschung.
Ergo: Ahmadi-Nejad meint es nicht böse mit Israel, will die Welt aber das Gegenteil glauben machen, weil ihm ein Angriff Israels auf sein eigenes Land ins theologisch-politische Kalkül passt. Warum er nicht gleich Tacheles reden soll, bliebe damit sein Geheimnis. (”Bliebe”, denn er REDET ja Tacheles! Daher zum tausendstenmal: “Die Verwirklichung einer Welt ohne Amerika und ohne Israel ist machbar und erreichbar” tahaqqoq-e donya-ye bedun-e Amrika ve-Esrail dast-yaftani ve-shodani ast.) Und deswegen hängen auch Bush und Olmert mit drin:
Und mit Politikern wie Ahmadinedschad auf der einen und Olmert, Bush und Schaul Mofas auf der anderen rasen hier zwei Züge mit Volldampf aufeinander zu.
Denn Olmert, Bush und Mofas wünschen sich bekanntlich nichts sehnlicher als die Apokalypse. Ganz genau wie auch Ahmadi-Nejad. Aber der meint es ja eigentlich nicht so.
(Dank an M.O.)
Die Strassen von Teheran (2)
“Die Straßen von Damaskus und Teheran sind viel sicherer als die Straßen von New York oder Detroit”, findet der Jürgen Todenhöfer.
Jetzt wurden im Teheraner Evin-Gefängnis 29 Todesurteile vollstreckt, allesamt an angeblichen Mördern, Drogenhändlern und Ehebrechern.
Der Teheraner Staatsanwalt Said Mortasavi erklärte dazu im Fernsehen:
“Mit der Zusammenarbeit der Bürger und der vollständigen Umsetzung des öffentlichen Sicherheitsplanes, wird Teheran in diesem Jahr zur unsichersten Stadt der Welt für Mörder, Drogenhändler, asoziale Elemente1 und Verbrecher an den Traditionen des Volkes.”2
Sicherheit hat eben ihren Preis.
- Pers. arazel ve-oubash, ein Gummibegriff in der Rechtsprechung der iranischen Theokratie. [back]
- Im Original: با همکاری شهروندان و با اجرای کامل طرح امنیت اجتماعی ، امسال شهر تهران برای سوداگران مرگ ، قاچاقچیان مواد مخدر، اراذل و اوباش و متجاوزان به نوامیس مردم نا امن ترین شهر دنیا شود. [back]
“Israel muss von der Erdoberfläche verschwinden”
Israel ist alles andere als verschwunden, stattdessen verschwinden die von Teheran öffentlich geäusserten Vernichtungswünsche für den jüdischen Staat aus den online verfügbaren Transkripten. Offenbar haben Ahmadi-Nejad und seine Gefolgsleute noch nicht gemerkt, dass die westliche Intelligenzija immer nur das beste und edelste aus ihren Hasstiraden herausliest.
Nun hat Rahim Moshayi, Berater Ahmadi-Nejads und Vorsitzender der staatlichen Kulturstiftung (”Organisation für das kulturelle Erbe”), die Worte Ahmadi-Nejads bekräftigt, dass Israel keinerlei Legitimation besitze und bald von der Erdoberfläche verschwinden müsse. Das von Ahmadi-Nejad gebrauchte “az safhe-ye ruzgar” (vom Angesicht der Erde), das ein Professor aus Michigan in seiner englischen Übersetzung mit “from the page of time” aufgehübscht hat, benutzt Moshayi allerdings nicht.
In seinen Worten heisst es, Israel müsse “az arse-ye giti” verschwinden, wobei arse wörtlich soviel wie “Schauplatz, Bühne” bedeutet, und giti “Welt” oder “Universum”. Natürlich macht es keinen Sinn, Wort für Wort von einer Sprache in die andere zu übersetzen. So etwas mag vielleicht in Michigan als korrekte Übersetzung durchgehen, aber sonst nirgendwo. Selbstverständlich werden immer Sinneinheiten übertragen, die der Satzintention entsprechen, und darum wird auch z.B. ein englischer Ausdruck wie “to kill two birds with a stone” im Deutschen nicht mit “zwei Vögel mit einem Stein töten” wiedergegeben.
Während allerdings die von Ahmadi-Nejad benutzten Vokabeln safhe und ruzgar für sich genommen eine etwas schillernde Semantik aufweisen, gilt dies für arse und giti nicht. Ergo: Moshayi spricht davon, dass Israel komplett aus dieser Welt verschwinden möge, und dies, weil es keinerlei Legitimation besitze. Interpretationsspielraum gibt es bei dieser Aussage nicht. Gekrönt wird diese durch die Behauptung “das israelische Regime ist tot”, was abermals den Wunsch der iranischen Machthaber demonstriert, dass es mit Israel nicht schnell genug vorbei sein kann: “Wir in der Region und in der Welt werden Zeugen sein, wenn Israel nicht mehr zugegen ist [hozur nadarad].”
Das ganze Interview mit der Zeitung “Kargozaaran” hat es überhaupt in sich. Moshayi erläutert hier in extenso, warum die kürzlich weltweit verbreitete Nachricht, er habe den Iran als einen “Freund der Israelis” bezeichnet, ein Missverständnis sei. Tatsächlich, so führt Moshayi aus, sei der Iran ein Freund aller Nationen, auch solcher, die unter einer Besatzungsherrschaft leben. Da nun nicht alle Menschen in Israel auch Zionisten seien, habe der Iran für den grössten Teil der Bevölkerung auf dem Territorium israelischer Herrschaft Sympathie. Nicht jedoch für Israel selbst.
Israel selbst sei ohne Legitimation und dem Gebiet und der Bevölkerung Palästinas nur übergestülpt [tahmil shode ast]. Die Zionisten seien dort nur eine begrenzte Minderheit [yek aqalliyat-e mahdud], die man ignorieren könne. Die Mehrheit derer, die in den besetzten Gebieten1 lebten, haben mit dem Zionismus nichts zu tun: “Seien Sie gewiss, dass selbst der grösste Teil des jüdischen Volkes dort keine Zionisten sind.”
Weil Israel illegitim und übergestülpt sei, so Moshayi, sei er sich dessen sicher, dass es verschwinden müsse [bayad az miyan berawad / bayad az safhe-ye ruzgar mahw shawad], was allerdings der Feind mit seiner Medienmacht so dargestellt habe, als ob der Iran einen militärischen Zusammenstoss mit dem “usurpatorischen zionistischen Regime” beabsichtige und mit Nuklearwaffen in den Krieg ziehen wolle.
Nach der Niederlage im 33-Tage-Krieg (gemeint ist der Krieg 2006 gegen die libanesische Hisbollah) sei jedoch das Schicksal Israels besiegelt. Der Krieg habe deutlich gemacht, dass nicht etwa mehrere Länder notwendig seien, um Israel zu zerstören, sondern eine fromme Widerstandsbewegung allein ausreiche. Dies sei ein Zeichen für den Tod des Regimes, das die Legende vo der eigenen Unzerstörbarkeit unverzüglich begraben habe.
Weder Israel noch die USA haben den Mut, gegen den Iran aufzustehen. Für die Juden selbst sei Israel zu einem Nachteil geworden, habe doch “dieses Krebsgeschwulst” [ghodde-ye sartani] die Juden übel beleumundet und ihnen weltweit schwere Kosten aufgebürdet – ihnen, die mehrheitlich die “zionistischen Verbrecher” doch keineswegs akzeptierten. Selbst die Juden in Palästina seien mit Israel unglücklich. Damit wieder Ruhe in der Region einkehre, gebe es daher nur eine Möglichkeit: Das Verschwinden [barchide shodan] des Regimes.2
Was den Holocaust betreffe, so leugne “Dr. Ahmadi-Nejad” nicht die Ermordung von Juden durch die Nazis, er halte aber das “Abenteuer des Holocaust” [majara-ye holokast] für ein “politisches Spiel”, das die Zionisten in böser Absicht missbrauchten. Es folgt die bekannte Tirade, dass die Zionisten den Holocaust als Vorwand benützen, um ihre “verbrecherische Politik” zu verfolgen. Moshayi, der Israel nicht als Nation betrachtet, endet damit, dass keine Nation der Welt Feind des iranischen Volkes sei. Das seien nur die tyrannischsten und niederträchtigsten Individuen auf dem Globus.
(Dank an Nasrin)
[Dieser Text wurde um 19:00 Uhr überarbeitet. Die alte Fassung beruhte allein auf der Paraphrase des Interviews bei “Iran Press News”. Die ersten vier Absätze dieses Posts sind unverändert.]
- Aufgepasst: Das Mullahregime meint damit immer das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer! [back]
- Im Original: همه میدانند كه تنها راه بازگشت آرامش از بین رفته فلسطین، برچیده شدن این رژیم است. [back]
Was Mugabe vom Iran lernen kann
Wenn Mugabe lebenslang Präsident Zimbabwes bleiben und zugleich den Anschein demokratischer Verhältnisse bewahren will, dann, so der politische Analyst Hasan Daioleslam, sollte er sich einmal im Iran umsehen (Quelle: American Chronicle):
The recipe is easy and simple. Instead of becoming a presidential candidate, Mugabe could seat himself as the life term Supreme Leader. He then has to install a Council of Guardians to choose a few suitable presidential candidates with a solid record of obedience. By doing so, there would be no risk that one of the candidates would take refuge in a foreign embassy. As “democratic” elections take place every few years, the lucky winners of these presidential games could take turn in morphing into a moderate, reformist, pragmatist, radical, or realist. The democracy kit is not complete yet. Mugabe should fill the parliaments with the same kind of friends (moderates, reformists …). At the end, the Supreme Leader should make it clear to everyone that even such friendly president and parliament would have no authority and if by accident or excess of confidence they overextend their responsibilities, the Council of Guardian will intervene and guarantee the safety of the Republic. This form of democracy is called Velayat-e-Faghih.
Treffender könnte das herrschende Mullahsystem gar nicht beschrieben werden! Dabei ist es in der Tat unglaublich, wieviele Intellektuelle im Westen bereit sind, in der iranischen Theokratie zumindest annähernd demokratische Verhältnisse zu erblicken. Ähnliche Zitate, wie Daioleslam sie für den amerikanischen Raum gesammelt hat, liessen sich auch ohne weiteres für Europa finden.
Im Interview mit dem FrontpageMagazine erläutert Daioleslam, warum das Regime nun gerade Ahmadi-Nejad in das Amt des Präsidenten gehievt hat (Links von mir eingefügt – MK):
Why in 2005, did the Iranian leadership replace Mohammad Khatami, a smiling and internationally greeted president with a radical and repelling personality as Ahmadinejad? Note that in Iran, despite the masquerade of elections, presidents are selected rather than elected. It is naïve to believe that Ahmadinejad’s triumph was the result of a popular democratic process. The 2005 elections were particularly rigged. For the first time in the three decade history of the Clerical rule, all the candidates (except the lucky winner) publicly talked about massive intervention of the Guards and organized cheating.
(…) Why was there a need to unify the power under the Guards’ control? (…) In 2002- 2003, the Iranian clandestine nuclear program was uncovered and the regime was under immense pressure. At the same time, Iraq was invaded by the coalition forces and Tehran was faced with US massive presence. These two new elements were on top of the most important threat that regime was facing: the internal unrests and a growing social and political dissent movement.
To face these three challenges, regime had two choices: First choice was to come clean in nuclear dossier, get along with new regional geopolitics and finally liberalize the political atmosphere inside the country. We know that Tehran did not follow this path. The Ayatollahs opted for the second choice: (…) Mullahs’ armed forces- The Pasdaran Army (Revolutionary Gaurds); Hence Ahmedinejad’s presidency. The current catastrophic economic, political and social conditions, international isolation and placing the whole region at the verge of a dangerous war, are all consequences of this strategic choice by Tehran.
Bleibt nur die Frage, warum die Welt den Iran meist noch als Irgendwie-Demokratie zu betrachten bereit ist, Mugabes Zimbabwe dagegen nicht.
Viele, so Daioleslam, glauben, die Antwort heisse Öl.
(Dank an Nasrin)
Ahmadi-Nejad und seine westlichen Exegeten
Bei der marxistischen Zeitung “junge Welt” pflegt man weiter den Mythos, dass Ahmadi-Nejad nie von der Vernichtung Israels gesprochen habe, und drischt auf die Bundeszentrale für Politische Bildung ein:
Die Behauptung, Teheran wolle den Nahoststaat von der Landkarte tilgen, fand sich bis vor kurzem auch im einleitenden Text zu einem Antisemitismus-Dossier auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Das war für uns Anlaß, am 17. Januar einen offenen Brief an die Bundeszentrale zu richten und die Nennung der Originalquellen für das Landkarten-Zitat und weitere angebliche wörtliche Wiederholungen zu fordern, mit denen der iranische Präsident als Judenhasser und Holocaustleugner gebrandmarkt wird.
(…) Der Sprachendienst des Deutschen Bundestages legte folgende Übersetzung vor: »Unser lieber Imam [Khomeini] sagte auch: Das Regime, das Jerusalem besetzt hält, muß aus den Annalen der Geschichte [safha-yi rozgar] getilgt werden. In diesem Satz steckt viel Weisheit.« Damit sind von drei Fehlern, die in dem kurzen Satz steckten, zwei bereinigt. Aus ›Israel‹ ist ›das Regime, das Jerusalem besetzt hält‹ geworden und aus ›Landkarte‹ ist ›Annalen der Geschichte‹ geworden. Was geblieben ist, ist das transitive »tilgen«, das nach den Erkenntnissen von Jonathan Steele, Juan Cole und Katajun Amirpur zu »verschwinden« hätte werden müssen. Aber die Wendung »von der Landkarte tilgen«, die im englischen Sprachraum mit »wipe off the map« kursiert und im übertragenen Sinne die Bedeutung von »dem Erdboden gleichmachen« oder »ausradieren« hat, ist damit als eindeutig falsche Übersetzung entlarvt.
Auf diesem Blog ist eigentlich alles notwendige dazu schon gesagt worden. Vielleicht könnte man hinzufügen, dass das Regime eine eigene Übersetzung ins Englische angefertigt hat, wie auf nebenstehender Aufnahme aus Teheran zu sehen ist. Bemerkenswert an der Argumentation ist aber vor allem die Tatsache, dass die Autoren von “Arbeiterfotografie” zwar drei Kronzeugen für die angebliche Falschübersetzung der Äusserung von Ahmadi-Nejad anführen, es aber offenbar nicht der Mühe für wert befunden haben, einen Muttersprachler zu befragen, was denn der inkriminierte persische Satz genau bedeutet.
Natürlich hätten sie auch, anstatt offene Briefe und Petitionen zu verfassen, auch auf ganz altmodische Art ein Ding namens “Recherche” betreiben können. Dann nämlich wären sie vielleicht auf eine weitere Äusserung Ahmadi-Nejads gestossen, die da lautet “Die Verwirklichung einer Welt ohne Amerika und ohne Israel ist machbar und erreichbar” (tahaqqoq-e donya-ye bedun-e Amrika ve-Esrail dast-yaftani ve-shodani ast), woraus klar und deutlich hervorgeht, dass
- Ahmadi-Nejad nicht von einer Beendigung der Besatzung Ostjerusalems und der Westbank spricht, sondern klipp und klar von Israel, und
- im Gegensatz zur Propaganda des Dreigestirns Steele-Cole-Amirpur Ahmadi-Nejad unmissverständlich ausdrückt, dass Israel nicht von allein verschwinden werde (ähnlich dem Zusammenbruch der Sowjetunion), sondern als Ergebnis einer Handlung (”machbar und erreichbar”) – welche auch immer das sein mag.
Stattdessen macht man lieber Journalismus auf die lockere Art: viel Trara mit einem Minimum an Grips, von intellektueller Redlichkeit ganz zu schweigen. Und immer gibt es genügend Ahnungslose und Israel-Obsessive, die diesen Schmonzes nur zu gern für bare Münze nehmen.
Wann gibt eigentlich Steinbach seinen Senf dazu?
(Dank an J.M.)
Bildnachweis: Reuters
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[9. Juli 2008: Titel geändert.]







