Mohammad und der Feminismus

August 19, 2008 · Filed Under Moderne/Antimoderne, Welt des Islam · 1 Comment 

War Mohammad ein Feminist? Nicht wenige Reformer in der Islamischen Welt sagen Ja. Immerhin hat der Prophet des Islam die Stellung der Frau in der Gesellschaft verbessert. Und war er ein Sozialist? Auch diese Frage beantworten viele positiv. Ein Demokrat? Ja, sicher, meinen andere.

Intellektuelle in der Islamische Welt tendieren durchweg dazu, ihre Weltanschauung, sei sie progressiv oder reaktionär, sei sie salafitisch oder säkularistisch, sei sie feministisch, sozialistisch oder kosmopolitisch, mit dem Koran und Mohammad zu begründen. Jeder Diskurs über die Moderne gerät so zu einem Diskurs über den “wahren Islam”.

Das Problem dabei ist nicht, dass diese Begründungen allesamt nicht schlüssig wären. Das Problem ist vielmehr, dass eine Ableitung demokratischer oder feministischer Überzeugungen aus der Religion kontraproduktiv sein muss. Sie repräsentieren dann keine selbständigen Werte mehr, sondern werden erst legitim durch die Gnade einer heiligen Schrift - deren Interpretation immer auch anders ausfallen kann.

Grundsätzliche (und zu begrüssende) Kritik am ganzen Unternehmen einer Reform des Islam kommt nun von unerwarteter Seite in der “Berliner Zeitung”:

Es werden dabei heutige Anliegen und Sichtweisen auf den Propheten rückprojiziert. Muslime, die auf diese Weise einen reformierten, offenen, lebendigen Islam für die Gegenwart begründen wollen, tun damit im Prinzip das Gleiche wie ihre Gegner, die engherzige, buchstabengetreue und oft auch autoritäre Varianten des Islam propagieren. Beide Seiten versuchen so, ihre eigenen Ansichten zu legitimieren.

Das Problem ist die Schriftgläubigkeit. Es ist das eine, den Propheten Mohammed als Vorbild zu nehmen für das eigene Leben im 21. Jahrhundert. Das machen die Christen, die Jesus als ihr Rollenvorbild sehen, auch nicht anders. Aber gläubige Muslime sind der Überzeugung, dass der Koran Gottes Wort sei und deswegen stehen sie vor einem Problem: Die Heilige Schrift wurde in einer bestimmten historischen Situation offenbart, und es stehen, wie auch in der Bibel, Dinge darin, die wissenschaftlich widerlegt oder aus der Gender-Perspektive problematisch sind - und die sich mit Interpretation allein nur schwer auflösen lassen.

Exakt. Gesellschaftlicher Fortschritt findet seine Voraussetzung nicht in einer Reformtheologie. Wie andere Religionen auch, so ist der Islam ebensowenig ein Hindernis für gesellschaftlichen Fortschritt, wie er eine Quelle für dessen Begründung sein kann.

Die Letztbegründung einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft kann nur in der Einsicht liegen, dass es erstrebenswerter ist, menschliches Potential in Frieden und Wohlstand zu investieren als in deren Verhinderung im Namen höherer Werte. Dort, wo die Religion diesem Ziel nicht entgegensteht, wird sie eine Zukunft haben.

Was treibt Ahmadinejad an?

June 24, 2008 · Filed Under Antisemitismus/Antizionismus, Extremismus, Iran, Israel · 2 Comments 

Von Jonathan Halevi und Ashley Perry

Der schiitische Iran strebt danach, die Position einer regionalen Supermacht zu erlangen, indem er eine wichtige Atommacht auf der internationalen Bühne wird. Der Iran fordert den Westen offen heraus, wenn er versucht, die Amerikaner und Briten aus dem Irak zu vertreiben und Hegemonie in der Golfregion zu erreichen, u. a. mittels seines in den letzten Jahren massiv vorangetriebenen Militärprogramms. Die iranische Führung spricht von einem „neuen Nahen Osten“ als Antwort auf den Westen und meint damit einen islamischen Nahen Osten, der von der Islamischen Revolution des Iran geprägt ist.

Die politischen Aspirationen des Iran werden von einem religiösen Eifer angetrieben. Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat wiederholt die „bevorstehende und offenkundige Liquidierung Israels“ beschworen, als Codewort für die messianische Inbrunst, die er mit seinem spirituellen Mentor, Ayatollah Mohammad Taghi Mesbah Yazdi, teilt, einem der radikaleren Ayatollahs, der  diplomatischen und militärischen Aktivismus vertritt, um die globale islamische Revolution voranzutreiben.

Der frühere Präsident Khatami, ein iranischer Reformer, hat Yazdi einmal als den „Theoretiker der Gewalt“ bezeichnet. 2006 erließ Yazdis führender Schüler, Mohsen Gharavian, eine Fatwa, die den Einsatz von Atomwaffen gegen andere Länder genehmigte. Dies steht im Widerspruch zu iranischen Diplomaten im Westen, die immer wieder sagen, dass Atomwaffen dem Islam zuwiderlaufen und daher nicht angestrebt werden sollen.

In einer Sprache, die an Ayatollah Khomeinis Fatwa gegen Salman Rushdie erinnert, bestimmte Ahmadinejads Mentor auch: „Wenn irgendjemand die Heiligkeit des Islam beleidigt, erlaubt der Islam, dass sein Blut vergossen wird, ohne dass rechtliche Verfahren notwendig wären.“

Gegenüber führenden Religionsgelehrten versuchte Ahmadinejad im November 2005 nicht seine wahren Motive und Absichten zurückzuhalten. Das grundlegende Ziel sei es, dem Mahdi, dem schiitischen Messias oder „entschwundenen Messias“ den Weg zu bereiten. Dabei betonte er, um dies zu erreichen, müsse der Iran ein islamisches Beispiel geben, eine starke Gesellschaft aufbauen und eine Regierungspolitik auf vielen Bereichen entwickeln, die sich um die Zielvision des Endes der Zeit mit der Ankunft des Mahdi bemüht.

Als Bürgermeister Teherans hat Ahmadinejad im Jahr 2004 offensichtlich heimlich die Stadtverwaltung angewiesen, eine große Allee für den Mahdi vorzubereiten. Ein Jahr darauf stellte er als Präsident 17 Millionen Dollar für eine blau-gekachelte Moschee in Jamkaran in Qum zur Verfügung, die eng mit dem Mahdi-Glauben (mahdaviat) verbunden ist. Er drängte auch zum Bau einer direkten Zuglinie zwischen Teheran und Jamkaran.

Der religiöse Eifer, der mit der Moschee verbunden ist, zeigt sich jeden Dienstag, wenn sich am für die Ankunft des Mahdi angesetzten Abend Tausende von Iranern am Schrein von Jamkaran tummeln. Sie schreiben Wünsche auf Zettel und werfen sie in einen Brunnen, in dem der Imam erschienen sein soll. Ahmadinejad hat einmal eine Liste der von ihm vorgeschlagenen Kabinettsmitglieder in einen nahe der Moschee gelegenen Brunnen geworfen, um – so wird erzählt – von der ihm zugeschriebenen göttlichen Verbindung zu profitieren.

Am meisten beunruhigt, dass Ahmadinejad offen den Glauben vertritt, seine Herrschaft sei der Vorbote des Mahdi. Seine Rede vor der UNO im Jahr 2006 in Anwesenheit vieler führender Politiker aus der ganzen Welt schloss er mit einem Gebet: „Oh mächtiger Gott, ich bete zu dir, das Erscheinen deines letzten Treuhänders zu beschleunigen, des Versprochenen, des perfekten und reinen menschlichen Wesens, desjenigen, der diese Welt mit Gerechtigkeit und Frieden erfüllen wird.“

Ein voriges Jahr im Libanon veröffentlichtes Buch mit dem Titel „Ahmadinejad und die nächste globale Revolution“ konzentriert sich auf Ahmadinejads schiitische Vision des Mahdi. Der Autor, Shadi Fakiya, stellt eine direkte Verbindung zwischen Ahmadinejad und dem Mahdi her. Fakiya behauptet, dass der gegenwärtige iranische Präsident der Beschreibung des Kommandanten der Mahdi-Truppen entspricht, die gemäß dem schiitschen Glauben Jerusalem befreiten.

Ahmadinejad wird als entschlossen und direkt von Allah geführt dargestellt und im Glauben daran, dass die „Armee der Befreiung Jerusalems“ durch den Irak ziehen wird, ähnlich wie Ayatollah Khomeini, der behauptete, dass die Straße nach Jerusalem durch Karbala (eine heilige schiitische Stadt im Irak) führe würde.

Ahmadinejads Entschlossenheit, Atomwaffen zu gelangen, wird auch als Zeichen messianischer Erlösung ausgelegt, wenn er und sein Umkreis die Auseinandersetzung mit der internationalen Gemeinschaft über die Verhinderung der Entwicklung von Nukleartechnologie als einen der Wege, dem Erscheinen des Mahdi den Weg zu bereiten, betrachten.

Wie im Christentum wird auch dem schiitischen Messias ein ‚Anti-Christ’ bzw. im schiitischen Glauben der ‚Dajjal’ vorangehen. Die muslimische Tradition sagt voraus, dass am „Ende der Zeiten“ der Dajjal und seine Armee damit drohen werden, den gesamten Globus zu übernehmen, wobei der größte Teil mittels militärischer Macht erobert und andere mit materiellem Wohlstand verführt werden sollen. Dann wird der Mahdi erscheinen, um den Dajjal zu zerstören und sodann nach dem Gesetz der Sharia die Welt zu regieren.

Wenn auch historisch wenig über die Identität des Dajjal bekannt ist, behaupten mehr und mehr schiitische Imame, dass die Juden der Dajjal und seine Anhänger sind. Diese extremistischen Imame und ihre Gefolgsleute verweisen auf die antisemitischen ‚Protokolle der Weisen von Zion’ als Beweis dafür, dass die Juden die Welt regieren und den Islam korrumpieren.

Bereits in den 70er Jahren schrieb Ayatollah Khomeini in seinem Vilayat-i Faqih, dass die Juden den Islam pervertieren und daher göttliche Rache verdienen würden.

Ahmadinejads Obsession mit Israel führt viele dazu, davon auszugehen, dass er glaubt, Israel sei das absolut Böse und passe in die Rolle des vermeintlichen Dajjal. Des iranischen Präsidenten andere Obsession, die Leugnung des Holocaust, fügt sich ebenso in den Glauben ein, dass der Dajjal die Welt mit seinen Lügen irrezuführen vermöge.

Gemäß der Fakiya ist das gegenwärtige Zeitalter das „Zeitalter der Offenbarung“, in dem verschiedene Anzeichen das Erscheinen des Mahdi verkünden: Zuerst wird es eine Zusammenkunft der Juden in Palästina geben; danach wird der schiitsche Mahdi erscheinen und die entscheidende Schlacht zur Vernichtung der Juden führen. Dem wird die Errichtung eines islamischen Staates als erste Phase des weltweiten Imam-Staats folgen. Ein wichtiges Element stellt dabei ein dem Iran gegenüber loyales Regime im Irak dar.

Die Schilderung des Khorasani in der schiitschen Vision des Zeitenendes ist kompatibel mit Irans spirituellem Führer, Ayatollah Ali Khamenai, dem Staatsoberhaupt des Iran.  Der Khoransani wird die Fackel dem Mahdi übergeben und dann zum obersten Muslim werden.

Die Beschreibung des Shuyeb bin Salah passt auf Ahmadinejad. Shuyeb, auch bekannt als al-Shabi al-Salah, ist die Figur, die nach der schiitischen Tradition die Armee des Mahdis führen wird, also der Kommandant der muslimischen Truppen. Shuyeb wird als sonnengebräunt und dünn beschrieben, mit einem kurzen Bart, aus Teheran stammend, entschlossen und kriegerisch. Man geht davon aus, dass Ahmadinejad sich selbst in dieser Rolle sieht, da er der historischen Beschreibung zu entsprechen scheint.

Oberstleutnant d. Res. Jonathan D. Halevi ist Senior Researcher of the Middle East and radical Islam am Jerusalem Center for Public Affairs.

Ashley Perry ist politischer Analytiker und hat u. a. für das Büro des Ministerpräsidenten gearbeitet.

(Yedioth Ahronot, 17.06.08. Mit freundlicher Genehmigung der Botschaft des Staates Israel, Berlin.)

Ahmadi-Nejad über Israel [TF-Dossier]

May 24, 2008 · Filed Under Aus dem Tollhaus · Comment 

Zuletzt überarbeitet: 24. Mai 2008.

Die Zahl der Webseiten, die behaupten, dass Ahmadi-Nejad nie von einer Vernichtung des Staates Israel gesprochen habe, ist mittlerweile Legion. Diese Behauptung wird im folgenden überprüft und mit anderen Äusserungen Ahmadi-Nejads verglichen. Grundlage sind immer die persischen Originaltexte.

Wir alle erinnern uns noch an die Worte des iranischen Präsidenten Ahmadi-Nejad, der fand, dass Israel von der Landkarte getilgt werden müsse. Der erste, der behauptete, es handele sich dabei um einen Übersetzungsfehler, war ein amerikanischer Orientalist, Juan Cole. Wo in den englischen Medien davon die Rede war, dass für Ahmadi-Nejad “Israel wiped off the map” gehöre, habe im persischen Original etwas anderes gestanden, behauptet Cole:

(…) I object to the characterization of Iranian president Mahmoud Ahmadinejad as having “threatened to wipe Israel off the map.” I object to this translation of what he said on two grounds. First, it gives the impression that he wants to play Hitler to Israel’s Poland, mobilizing an armored corps to move in and kill people.

But the actual quote, which comes from an old speech of Khomeini, does not imply military action, or killing anyone at all. The second reason is that it is just an inexact translation. The phrase is almost metaphysical. He quoted Khomeini that “the occupation regime over Jerusalem should vanish from the page of time.” It is in fact probably a reference to some phrase in a medieval Persian poem. It is not about tanks.

Stein des Anstosses ist der Ausdruck safhe-ye ruzgar, den man in der Tat nur schwer wörtlich übersetzen kann. Das Wort safhe, das aus dem Arabischen kommt, hat im wesentlichen zwei Bedeutungen: “Seite” (eines Buches) und “Oberfläche”, i.w.S auch “Gebiet” oder “Land”. Noch schillernder ist der Begriff ruzgar, der “Zeit, Epoche”, aber auch “Welt”, “Leben” oder “Schicksal” bedeuten kann. Das macht die Sache nicht eben einfach, aber wie man es auch dreht oder wendet: Ob Israel (bei Ahmadi-Nejad: “Besetzer von Jerusalem”) nun von der “Fläche der Welt” oder aus der “Seite der Epoche” verschwinden soll, unterscheidet sich nicht in der Satzbedeutung, sondern nur im stilistischen Mittel.

Tendenziös ist aber auf jeden Fall Coles Übersetzung des Satzprädikats: Wo es nämlich im Original1 heisst “emam-e aziz-e ma farmudand in rejim-e eshghalgar-e Qods bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad” also: “Unser lieber Imam [Khomeini] sagte, dass der Besetzer Jerusalems vom Angesicht der Erde/ aus der Seite der Epoche/ dem Buch der Geschichte getilgt werden muss, da heisst es ganz harmlos bei Cole “should vanish from…”, als ob Khomeini, den Ahmadi-Nejad zustimmend zitiert, jemals hatte sagen wollen, Israel werde sich ganz von selbst auflösen. Das arabisch-persische mahv kann zwar auch die weniger starke Bedeutung “verschwinden” haben, würde aber aus diesem Kontext heraus sicherlich nicht so verstanden werden. Denkbar wäre eine Übersetzung wie “Israel muss von der Bildfläche verschwinden”. Inwieweit aus diesem Satz Gewalt spricht, möge der Leser für selbst entscheiden.

Wichtig ist allerdings der Kontext: Die Worte waren, wie wir uns erinnern, Teil einer Ansprache, die Ahmadi-Nejad auf der Konferenz “Eine Welt ohne Zionismus” hielt (jahan-e bedun-e sahyonism). Daher ist auch klar, dass Ahmadi-Nejad nicht nur die vermeintliche Besetzung Jerusalems oder der Westbank ein Dorn im Auge ist. Während Cole hier auf dem schmalen Grad der Philologie wandelt, übersieht er aber noch etwas ganz anderes: Derselbe Ahmadi-Nejad erklärte - vom Westen nicht unregistriert - nämlich auch2, dass “jeder, der Israel offiziell anerkennt, vom Zorn der islamischen Gemeinschaft verbrannt werden wird” (harkas Esrail-ra be-resmiyyat be-shenasad, be atesh-e qahr-e ommat-e Eslam khahad sukht), wobei der Begriff qahr auch “Gewalt” (statt Zorn) heissen kann. Und weiter: “Die Verwirklichung einer Welt ohne Amerika und ohne Israel ist machbar und erreichbar” (tahaqqoq-e donya-ye bedun-e Amrika ve-Esrail dast-yaftani ve-shodani ast). Alles nur “a reference to some phrase in a medieval Persian poem”?

Alledings gibt es auch Übersetzungen ins Englische, die das Regime selbst vorgenommen hat. Eine davon war auf einem Foto zu sehen, das das Magazin “Focus” in seiner Ausgabe Nr. 19 vom 18. Mai 2006, S. 206, veröffentlichte. Auf einem staatlichen Propagandaplakat der Teheraner Machthaber stand unter dem inkriminerten persischen Satz bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad auf Englisch: “Isreal must be wiped out the world”, und das ist trotz des etwas schrägen Englisch eine klare und deutliche Aussage.

Cole nun behauptete, dass für die englische Redewendung “to wipe off the map” kein Pendant im Persischen existiere. Das jedoch ist ein logischer Zirkel: Erst erklärt er die englische Übersetzung für unzutreffend, um dann zu behaupten, es gebe keine Entsprechung für das englische “to wipe off the map” im Persischen. Dabei sollte jedem, der aus einer Sprache in eine andere übersetzt klar sein, dass eine Übertragung Wort für Wort zu einem sinnentstellenden Ergebnis führen muss. Übersetzt werden können nur Satzintentionen, Sinneineheiten also, die dem Kontext entsprechen. Darum wird aus der deutschen Redewendung “zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen” im Englischen “to kill two birds with a stone.”

In Deutschland hat Coles misslungeener Übersetzungsvorschlag allerdings schnell dankbare Aufnahme gefunden. Offensichtlich fällt es gerade Intellektuellen schwer, den grundsätzlichen Charakter des iranischen Regimes im allgemeinen und den Ahmadi-Nejads im besonderen anzuerkennen. Dazu gehört auch der Mythos, dass Ahmadi-Nejad sich lediglich gegen die israelische Besetzung Jerusalems ausgesprochen habe, nicht jedoch gegen die Existenz des jüdischen Staates.

So soll nach Angaben der saudischen Nachrichtenagentur SPA der iranische Präsident Ahmadi-Nejad, der einige Zeit zuvor auf Staatsbesuch in Saudi-Arabien war, der Friedensinitiative des Arabischen Gipfels in Beirut 2002 seine Unterstützung zugesagt haben. Diese Melddung fand Eingang in die westlichen Medien. Auch die FAZ berichtet davon. Und beruft sich auf die Saudische Nachrichtenagentur.

Dass jedoch ein Ahmadi-Nejad, der von einer Welt ohne Israel träumt, nun ausgerechnet eine Friedensinitiative für den Nahostkonflikt unterstützen soll, ist nur schwer zu glauben. Die Meldung ist aber sicherlich Wasser auf den Mühlen all derer, die die Gefährlichkeit des Teheraner Regimes zu verharmlosen pflegen. Tatsächlich bestreitet IRNA, die amtliche Nachrichtenagentur des Mullahregimes, dass Ahmadi-Nejad die Arabische Friedensinitiative befürworte. Mehr noch, nach amtlicher Darstellung habe es nie auch nur ein Gespräch zwischen Ahmadi-Nejad und dem saudischen König Abdullah über dieses Thema gegeben.

In diesem Stil geht es weiter: Ahmadi-Nejad liess nicht davon ab, öffentlich von der Vernichtung Israels zu träumen. Im folgenden die Dokumentation des Originaltextes von der offiziellen Webpräsenz des iranischen Präsidenten (Hervorhebung von mir, MK):

رييس جمهور گفت: ملت هاي دنيا در حال پيوستن به يك رودخانه زلال هستند كه به زودي به اقيانوس بيكران حقیقت ، عدالت و یگانه پرستی متصل خواهند شد .
دكتر محمود احمدي نژاد كه روز يكشنبه در ديدار ميهمانان خارجي شركت كننده در مراسم سالگرد رحلت بنيانگذار نظام جمهوري اسلامي ايران سخن مي گفت؛ با اعلام اين مطلب افزود : امروز فرهنگ و راه امام خميني (ره) از سوي تمام ملت هاي جهان به عنوان بهترين راه برگزيده شده است و به فضل الهي در آستانه يك تحول عظيم در زندگي بشري هستيم .
وي با تاكيد بر اينكه «پيام امام ، جهاني و بشري بود و مرز جغرافيايي، مذهبي و نژادي نداشت» ، اظهار كرد: وقتي هسته هاي مقاومت عليه نظام سلطه در سراسر دنيا شكل بگيرد و ملت ها به نقطه تصميم برسند ، هيچ قدرتي نمي تواند جلوي حركت آنها را بگيرد .
رييس جمهور تصريح كرد : كليد شمارش معكوس نابودي رژيم صهيونيستي به دست فرزندان لبنان و فلسطين خورده است و به زودي شاهد نابودي اين رژيم ستمگر خواهيم بود ، زيرا همه جهانيان از مديريت قدرت هاي فاسد، ناصالح و غير امانتدار در دنيا خسته شده اند و منتظر حاكميت انسان صالح بر جهان هستند.
دكتر احمدي نژاد در ادامه سخنان خود همچنين به شخصيت بي نظير امام راحل در جهان معاصر اشاره و خاطرنشان كرد: امام پيرو حقيقي و استوار پيامبران الهي و تجلي همه خوبي ها و زيبايي ها در دوران ما نظير اخلاص، شجاعت، تواضع، فداكاري ، امانتداي و عشق به مردم است.
وي برجسته ترين ديدگاه امام خميني (ره) را ايمان به خدا و يقين نسبت به نصرت الهي دانست و گفت: اگر كسي براي خدا حركت كند، تمام آفرينش پشتيبان او خواهد بود و شكست ناپذير خواهد شد.
براساس اين گزارش در اين ديدار صميمي، شماري از علما وصاحبنظران خارجي شركت كننده در آيين سالگرد رحلت امام خميني(ره) ، ديدگاههاي ياسي و اقتصادي مردم و مسوولان كشور خود را درباره نقش بي بديل امام راحل در ايجاد تحولات جهاني ارايه كردن

Der entscheidende Satz, auf den es ankommt, lautet: kelīd-e šomāreš-e maʿkūs-e nābūdī-ye režīm-e ṣahyaunīstī be dast-e farzandān-e Lobnān ve-Felasṭīn ḫōrde ast, ve-be zūdī šāhed-e nābūdī-ye īn režīm-e setamgār ḫāhīm būd, zīrā hame ǧahāniyān az modīrīyat-e qodrathā-ye fāsed, nā-ṣāleḥ ve-ġeyr-e emānat-dār dar donyā ḫaste šode-and ve-montaẓer-e ḥakemīyat-e ensān-e ṣāleḥ bar ǧahān hastand.

Deutsch: “Der Knopf [wörtlich: Schlüssel] zum Countdown der Vernichtung [nābūdī] des zionistischen Regimes ist durch die Hand der Kinder des Libanons und Palästinas ausgelöst worden [be dast ḫōrde ast] und schon bald [be zūdī] werden wir Zeuge der Vernichtung des tyrannischen Regimes werden, sind doch alle Menschen der Herrschaft verdorbener [fāsed], unrechter und ungläubiger Mächte auf der Welt überdrüssig und warten auf die Herrschaft des guten Menschen über die Welt.”

ensejame-eslami.pngDie “Herrschaft des guten Menschen über die Welt” ist eine Anspielung auf die erwartete Ankunft des Emam-e Zaman (Erlöser), der die Erde dereinst von der Tyrannei befreien wird. Ich brauche nicht extra hinzuzufügen, dass das Mullahregime die Hisbollah aktiv unterstützt. Ahmadi-Nejad spricht hier also keineswegs von einem erhofften Verlauf der Weltgeschichte, dem er selbst nur als Augenzeuge gegenübersteht. Dazu muss man im Auge behalten, dass das Teheraner Regime seit langem bereits aktiv militärisch gegen Israel kämpft, und zwar hauptsächlich in Form der Hisbollah, dem verlängerten Arm Teherans. Eine Meldung der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA (Hervorhebung von mir, MK):

Basij commanders of ministries and offices on Wednesday met representative of Lebanese Hizbollah in Tehran on the anniversary of Hizbollah’s victory over the Zionist regime.

Commander of Basijis at ministries and offices Masood Chinigarzadeh told the audience that the 33-day successful resistance of the Lebanese Hizbollah forces against the Zionist regime is a victory belonging to all Muslims worldwide.

Chinigarzadeh said last year victory of Lebanese Hizbollah over the Zionist regime brought global fame for the resistant group and drew attention of all world Muslims in its favor.

He hoped that Lebanese Hizbollah resistance forces would get gradually more powerful in the world of Islam.

He said Iranian people pray for more victory of the Lebanese people against the occupying regime of Quds.

Man möge es bitte zur Kenntnis nehmen: Das iranische Mullahregime ist keinesfalls allein der Überzeugung, dass Israel quasi von selbst verschwinden werde, so wie die Sowjetunion ohne äussere Einwirkung in sich zusammengefallen ist, sondern es hält ein militärisches Vorgehen gegen den jüdischen Staat für mindestens legitim. Ein Treffen zweier so kampfwütiger Organisationen wie der Hisbollah und den Basij (Schlägertrupp des Mullahregimes) spricht hier Bände.

Palästina gilt in beider Weltsicht als unveräusserliches islamisches Territorium, über das eine nichtmuslimische Regierung kein Recht hat zu herrschen. Auch können mit einem Gebet “für weitere Erfolge gegen das Besatzungregime von Jerusalem” (Quds) keine Verteidigungssiege gemeint sein, denn dann wäre es wohl logischer, gleich dafür zu beten, dass kein weiterer Krieg zwischen Israel und dem Libanon mehr stattfinden möge!

Und schliesslich: Der chiliastisch-militärische Charakter des Mullahregimes enthüllt sich vortrefflich an Ahmadi-Nejads jüngster Rede (En.) bei seinem Besuch in Afghanistan: “Es gibt keinen Weg für die Erlösung der Menschheit als durch die Herrschaft des Islam über die Menschheit.” Passend dazu gibt es ein Emblem auf Ahmadi-Nejads Webseite:

“ettehad-e melli – ensejam-e eslami” Internationale Einheit – Islamische Harmonie

Auch die jüngste Äusserung Ahmadi-Nejads spricht Bände: Der Nachrichtenagentur AFP zufolge bezeichnete Ahmadi-Nejad in seiner Grussbotschaft den jüdischen Staat als “verwesende Leiche und tote Ratte”, der ausserdem “dem Untergang geweiht” sei. Im Krieg der Hisbollah gegen Israel 2006 habe das libanesische Volk Israel eine Niederlage bereitet, sodass dieses nun “wie eine tote Ratte” beginnen werde, zu verwesen.

Falls wieder einmal jemand meint, besser Persisch zu können als die Mullahs: Die iranische Nachrichtenagentur IRNA bestätigt in ihrer englischen Onlineausgabe die Äusserungen Ahmadi-Nejads:

Addressing Majlis representatives, he said (…) the usurper and fabricated regime is moving towards annihilation.

(…) after the Lebanese nation slapped it in the face, they are like dead rats.

(…) “If some think that they can make any change in the global calculations, they are in mistaken because nations around the world will bury them ,” concluded President Ahmadinejad.

Schlussfolgerungen:

  1. Ahmadi-Nejad delegitimiert die Existenz des Staates Israel, den er von der Bildfläche zu verschwinden wünscht,
  2. Ahmadi-Nejad bedient sich einer Sprache, die die Anwendung von religiös motivierter Gewalt, wenngleich in einem allgemein gehaltenen und unpräzisen Sinne, als zulässig zum Ausdruck bringt,
  3. Ahmadi-Nejad dämonisiert Israel mit Begriffen, die eine Künstlichkeit und Morbidität des jüdischen Staates suggerieren,
  4. Ahmadi-Nejad macht deutlich, dass an an einer versöhnlichen Übereinkunft mit Israel – sei es in Fragen regionaler Sicherheit, sie es in Fragen des Nahostkonflikts – nicht interessiert ist.

-Michael Kreutz


    1. http://www.president.ir/ahmadinejad/speeches/1384/aban-84/840804sahyonizm.htm [back]
    2. http://www.president.ir/ahmadinejad/cronicnews/1384/08/04/index-f.htm [back]

    “The Joy of Independance”

    May 18, 2008 · Filed Under Israel, USA · 6 Comments 

    George Bushs Rede vor der Knesset zeigt es wieder einmal deutlich: Der Kampf gegen den Islamismus ist kein Kampf gegen den Islam. Allen Unkenrufen zum Trotze treibt Bush keineswegs “die” Muslime in die Arme von al-Qaida & Co. Das macht seine Rede so vorzüglich. Hier gibt es keinen Werterelativismus und der Islam als solcher ist nicht das Problem (Hervorhebung von mir - MK):

    The fight against terror and extremism is the defining challenge of our time. It is more than a clash of arms. It is a clash of visions, a great ideological struggle. On the one side are those who defend the ideals of justice and dignity with the power of reason and truth. On the other side are those who pursue a narrow vision of cruelty and control by committing murder, inciting fear, and spreading lies.

    This struggle is waged with the technology of the 21st century, but at its core it is an ancient battle between good and evil. The killers claim the mantle of Islam, but they are not religious men. No one who prays to the God of Abraham could strap a suicide vest to an innocent child, or blow up guiltless guests at a Passover Seder, or fly planes into office buildings filled with unsuspecting workers. In truth, the men who carry out these savage acts serve no higher goal than their own desire for power. They accept no God before themselves. And they reserve a special hatred for the most ardent defenders of liberty, including Americans and Israelis.

    And that is why the founding charter of Hamas calls for the “elimination” of Israel. And that is why the followers of Hezbollah chant “Death to Israel, Death to America!” That is why Osama bin Laden teaches that “the killing of Jews and Americans is one of the biggest duties.” And that is why the President of Iran dreams of returning the Middle East to the Middle Ages and calls for Israel to be wiped off the map.

    There are good and decent people who cannot fathom the darkness in these men and try to explain away their words. It’s natural, but it is deadly wrong. As witnesses to evil in the past, we carry a solemn responsibility to take these words seriously. Jews and Americans have seen the consequences of disregarding the words of leaders who espouse hatred. And that is a mistake the world must not repeat in the 21st century.

    Diese Worte stehen in einer Reihe ähnlicher Äusserungen Bushs über den Islam. Kreuzzug gegen den Islam? Nicht die Spur. Man kann nun einmal über den Mann denken, wie man will. Seine Worte und Taten jedenfalls sind weit davon entfernt, ein christlich-abendländisches Äquivalent zu denen islamistischer Terroristen zu bilden.


    Siehe auch:

    Ja zur Freiheit des Wortes – auch in Saudi-Arabien

    Viel zu selten finden sie Gehör im Westen: die fortschrittlichen Kräfte des Nahen Ostens. Ausgerechnet in Saudi-Arabien, einem der abgeschottetsten Länder der Islamischen Welt, fordern fast hundert couragierte Intellektuelle in einem offenen Brief die Freiheit des Wortes – bedingungslos.

    Der offene Brief ist die Antwort auf eine Fatwa von Abdarrahman al-Barrak, einem bekannten saudischen Kleriker, dessen Antimodernismus jegliche Vorstellungskraft sprengt. Barrak hatte zum Mord an den beiden Schriftstellern Abdallah bin Bijad al-Utaibi und Yusuf Abu al-Khail aufgerufen, nachdem ersterer einen Text mit dem Titel “Der Islam des Textes und der Islam des Konflikts”und letzterer einen ähnlich provokativen Text unter dem Titel “Das Andere in der Bilanz des Islam” veröffentlicht hatte.

    Im folgenden dokumentieren wir den Text im Wortlaut (geringfügig gekürzt):

    Das Denken gedeiht einzig und allein in einer Atmosphäre der Freiheit, die dem Denkenden die Möglichkeit bietet, offen das auszudrücken, was er sieht, ohne fürchten zu müssen, allein für die Äusserung seiner Gedanken bestraft zu werden und dass die Opposition gegen die Gedanken nur durch andere Gedanken geschieht, die diese widerlegen. Denn wer den Gedanken eines anderen Staatsbürgers für falsch hält, soll diesen öffentlich unter Gebrauch von Beweisen und Argumenten diskutieren, um dessen Fehlerhaftigkeit zu beweisen, wobei er das darlegt, was er für richtig hält, und nicht, indem er seinen Diskussionspartner verketzert und ihn für vogelfrei erklärt. Dies ist eine Angelegenheit, die weder der Verstand akzeptiert noch die religion gebietet, denn der zum Glauben gezwungene Mensch – wenn es das gibt – hat keinen Glauben, denn der Gläubige ist kein solcher, wenn der Glaube nicht in sein Herz geschrieben steht, seine Zunge ihn nicht artikuliert und seine Glieder ihn nicht wissen – keinen Zwang gibt es im Glauben. Den Menschen ist die Wahlfreiheit doch allein deshalb gegeben, damit ihr Glaube einer aus Überzeugung sei.

    Die Androhung von Intellektuellen mit Verketzerung und was sich daraus an Aufstachelung zum Mord ergibt, behindert den geistigen, wissenschaftlichen und literarischen Erneuerungsprozess im Lande, während die Verketzerung durch Fatwas im Falle abweichender Gedanken und Meinungen ein wahrer Anschlag auf die Erneuerungsbewegung auf ihren wichtigsten Gebieten ist, womit sie gelähmt und im Keim erstickt wird.

    Deswegen sagen wir klar und deutlich, dass wir die Fatwa zur Verketzerung der beiden Schriftsteller Abdallah bin Bijad al-Utaibi und Yusuf Abu al-Khail, die von Abdarrahman al-Barrak ausgestellt wurde, ablehnen, so, wie wir auch die Methoden der Konfrontation von Gedanken und Meinungen zurückweisen, zu denen wir klar sagen: Nein zur Verketzerung und Ja zur Redefreiheit. Wir fordern von der Gesellschaft, dass sie diese Methoden entschieden zurückweist, und von den staatlichen Stellen, dass sie entschlossen gegen diejenigen auftritt, die sich dieser Methoden im Interesse der Sicherheit und gesellschaftlichen Integrität bedienen. Dabei gehört es zur Wahrung der Bürgerrechte auf Meinungsfreiheit, die unterschiedlichen Meinungen und Ansichten gewährt wird, dass diese in vollständiger Transparenz dargelegt werden, (…) und nichts ist nach unserer Ansicht für den Islam an Meinung, die über ihn geäussert wird, zu fürchten, solange der Dialog über ihn anhält und die Kontroverse möglich bleibt, während um den Islam vielmehr von dem zu fürchten ist, der sein Verständnis von ihm als das der Religion ausgibt und sich selbst das Recht nimmt, denjenigen aus seinem Kreis zu entfernen, dessen Verketzerung er wünscht und den er mit dem Vorwurf der Apostasie vor Gericht bringen will, damit er umkehre oder getötet werde.

    Diese furchteinflössenden Methoden, die unter dem Schirm der Bevormundung und der Deutungshoheit über die religiöse Wahrheit zu einer verschärften Aufstachelung zum willigen Blutvergiessen an Muslimen führt, droht schlimme Konsequenzen für die gesellschaftliche Sicherheit in unserem geschätzten Land zu haben, sodass wir dem Urheber dieser Fatwa den Frevel dessen aufbürden, was er an der Zufügung moralischer oder emotionaler Schändlichkeit den beiden Schriftstellern Abdallah bin Bijad al-Utaibi und Yusuf Abu al-Khail angedichtet hat, oder anderen, die mit einer ähnlichen Fatwa belegt wurden, so wie wir auch die offiziellen Stellen unterschiedlichster Ebenen auffordern, diesen Praktiken eine Grenze zu ziehen. Und Gott führt auf den richtigen Weg.
    Saudi-Arabien, den 25.03.2008

    Es folgen die Namen der 93 Unterzeichner. Und man kann nicht anders, als Respekt zu haben.

    Angriff auf die letzte Bastion

    March 31, 2008 · Filed Under Iran · Comment 

    Unterhält man sich mit deutschen Zeitgenossen über den Iran, dauert es meist keine fünf Minuten, bis man darauf hingewiesen wird, dass Ahmadi-Nejad angeblich nie von einer Vernichtung Israels gesprochen habe und dass das Land im Westen dämonisiert werde. Zu ersterem wurde auf diesem Blog schon genügend gesagt, zu letzterem liefert das Regime derzeit fast jeden Tag neuen Stoff.

    Denn während bislang im Iran die Privatsphäre staatlicher Kontrolle weitgehend entzogen war, zeigt sich die herrschende Diktatur nun zunehmend willens, die letzte Bastion individueller Selbstbestimmung zu stürmen. Immer häufiger, so berichtet Human Rights Watch, brechen Sicherheitskräfte (im Iran grundsätzlich nur mit Gesichtsmaske) Wohnungstüren auf, um die Bewohner wegen unislamischen Treibens zu misshandeln und zu verhaften. Wohlgemerkt: Hier geht es nicht um den verbotenen Genuss von Alkohol oder Cannabis, sondern um Kleidervorschriften und ähnliches.

    “Gegenwärtig sind wir in der Phase der Schaffung eines islamischen Staats. Wir müssen uns zu der einer islamischen Gesellschaft hinbewegen” forderte ein hochrangiger Pasdar vor drei Jahren. Das Programm einer Zweiten Kulturrevolution wird seitdem unbeirrt fortgesetzt. “Dämonisierung des Iran?” - Dieses Regime braucht nicht dämonisiert zu werden.

    Beruhigung der Lage

    March 31, 2008 · Filed Under Arabische Welt · Comment 

    Mit einer Anzahl von Europäern habe er sich schon getroffen und überhaupt sei seine Organisation an tragfähigen Beziehungen zum Westen interessiert, so Mahmoud az-Zahar, Führer der Hamas, der stolz darauf ist, dass einige der grössten Staaten Europas zu einem Dialog bereit seien. Unglücklicherweise gehört Deutschland jedoch nicht dazu, stehe es doch mit einigen anderen Ländern ganz unter dem Einfluss Israels und Amerikas.

    Denn die USA fürchten, dass die Hamas einen Weg der Islamisierung beschreite – was Zahar gar nicht erst demeniert. Und wie sieht es mit Israel aus? Den in den Gazastreifen entführten israelischen Soldaten Gilead Shalit gibt es nur im Austausch gegen tausend festgesetzte Hamaskämpfer zurück, so Zahar, und ansonsten gelte: Wenn Israel eine “Beruhigung” der Lage möchte, dann ist die Hamas bereit.

    Was freilich wie eine Drohung klingt.

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