Blut für Öl
Abdalmalik Drudkal, Chef der “Al-Qaida im Islamischen Westen”, beklagt sich, dass die USA “sich unseres Öls bemächtigen”, weswegen er Angriffe auf amerikanische Ziele in der ganzen Welt ankündigte. En passant verteidigte er auch den Anschlag auf vier französische Touristen in Mauretanien im vergangenen Dezember als Aktion einer befreundeten Gruppe. Schliesslich dient alles irgendwie der guten Sache.
Blut für Öl also. Und keine Zusammenrottung von PACE-Flaggenträgern in westlichen Landen zu sehen.
Unheilige Allianz
Bei weitem nicht alle, aber auch nicht wenige Linke haben nur zu gern den Schulterschluss mit Autokraten und Potentaten verschiedenster Couleur gesucht, wenn es darum ging, den Kampf gegen Kapitalismus und Coca Cola aufzunehmen. Und das gilt bis heute. Einen der Gründe für diese unheilige Allianz nennt Daniel Pipes:
Islamism has historic and philosophic ties to Marxism-Leninism. Sayyid Qutb, the Egyptian Islamist thinker, accepted the Marxist notion of stages of history, only adding an Islamic postscript to them; he predicted that an eternal Islamic era would come after the collapse of capitalism and Communism. Ali Shariati, the key intellectual behind the Iranian revolution of 1978–79, translated Franz Fanon, Che Guevara, and Jean-Paul Sartre into Persian. More broadly, the Iranian analyst Azar Nafisi observes that Islamism “takes its language, goals, and aspirations as much from the crassest forms of Marxism as it does from religion. Its leaders are as influenced by Lenin, Sartre, Stalin, and Fanon as they are by the Prophet.”
Vor einiger Zeit hat Ladan Boroumand im Interview ebenfalls darauf hingewiesen, wie eng die ideologische Nähe zwischen Islamisten und Linken tatsächlich ist:
Only ten chapters of John Locke were available in Farsi in 1979 in a book that had not been on the market for 20 years. Liberal ideas were almost non-existent while Lenin, Marx, Fanon were systematically translated.
Pipes’ Behauptung, “Islamists accept the free market” sollte sich damit übrigens von selbst erledigt haben.
Mit dem Schleier gegen den Zionismus
Die unverschleierte Frau ist die Infanteristin Amerikas und Israels, meint Hojatoleslam Alamolhoda aus Mashad. Denn der Schleier dient der muslimischen Frau als Verhüterli gegen die Einflüsterungen des Westens. Da Amerika nicht behaupten könne, dass der Prophet und der Koran schlecht seien, bleibe ihm nichts anderes übrig, als die Menschen ihrer Religion zu entfremden, indem es sie zur Lüsternheit verführe.
Das offene Haar und das nackte Bein sind der erste Schritt, die Religion zu vergessen. Ja, selbst ein fanzösischer Minister steckt mit den Feinden des Islams unter einer Decke, soll er doch gesagt haben, dass es gar nicht nötig sei, eine Bombe über dem Iran abzuwerfen, wo es doch reiche, die Hemden und Röcke der Frauen kürzer zu machen!
Die unverschleierte Frau ist die Macht, mit der Amerika und Israel den Iran erobern, um die Islamische Revolution zu zerschlagen. Fragt sich nur: Was würden deutsche Kulturwissenschaftler dazu sagen?
Weihnachtsgrüsse von Uncle Bin
“Ich möchte unseren Leuten in Palästina versichern, dass wir unseren heiligen Krieg dorthin ausweiten … Wir haben vor, Palästina zu befreien - das ganze Palästina vom Jordanfluss bis zum Meer… Blut für Blut. Zerstörung für Zerstörung.”
so Bin Laden in seiner jüngsten Audiobotschaft. Nun warten wir gespannt auf die kommenden Erklärungsversuche einschlägiger Islamismuserklärer, warum diese Worte in Wahrheit ein Friedensangebot an den Westen seien und sich Bin Laden schon längst mit der Existenz Israels abgefunden habe. Die Uhr läuft.
—
Siehe auch:
- Eine weisse Weste für die Hisbollah, 9. August 2006,
- Off the map, 3. April 2006,
- Hisbollah bleibt militant, 1. Februar 2006,
- “vom Meer bis zum Fluss….”, 15. September 2005.
Glaube oder Nichtglaube
Mitte der neunziger Jahre äußerte der damals amtierende Botschafter aus Pakistan in Deutschland auf einer Veranstaltung, der Westen habe dem Islam nichts entgegen zu setzen. Werteverfall zersetze die westliche Gesellschaft. Diese Bemerkung hat sich bei mir im Kopf festgesetzt.
Gestern war ich auf der Podiumsdiskussion zum Auftakt der kritischen Islamkonferenz. Inhaltlich wurden die bekannten Standpunkte der Beteiligten ausgetauscht. In der Einladung hieß es, man würde auf dem Podium kontrovers diskutieren. Dass dies dann wirklich geschah, hatte ich nicht erwartet. Günter Wallraff vertrat häufig gegenteilige Standpunkte gegenüber den beiden Mitdiskutanten Mina Ahadi und Ralph Giordano.
Unabhängig davon, wessen Meinung man zustimmt, es war offensichtlich, dass Günter Wallraff sich erst seit Kurzem mit der Materie Islam beschäftigt. Dies gab er auch konkludent zu, indem er erklärte, er habe anlässlich der Diskussion um die Lesung der Satanischen Verse von Salman Rushdie von der DITIB einen Koran geschenkt bekommen und sei erschrocken gewesen, was er in dem Buch lesen musste.
Das Podium war besetzt mit drei Personen - neben dem Moderator Michael Schmidt-Salomon -, welche man unzweifelhaft der Linken zuordnen kann. Alle drei vereint ferner, dass sie nicht religiös sind und Religion auch ein Stück weit ablehnen. Die FDGO wollen sie gegen den Islam verteidigen. Zu fragen ist hierfür aber, was wir dem radikalen Islam entgegenhalten? Unsere Freiheit reicht nämlich scheinbar nicht aus. Die Gewährung von Menschenrechten ist nicht gewollt von radikalen Muslimen. Radikal gläubigen Menschen kann man nicht verbieten an das zu glauben, an was sie glauben. Man kann nur versuchen sie zu überzeugen, dass sie an das falsche glauben. Was ist aber das richtige?
Ich stimme mit allen dreien überein, dass es die FDGO sein muss, welche der einzelne gewahrt sehen möchte. Aber wie kann man das erreichen? Dies können wir nur erreichen, indem wir vehement für diese eintreten und damit zeigen, dass wir hinter dieser stehen und nicht willens sind, diese aufzugeben. Tun wir das nicht, sind wir nicht bereit für diese zu kämpfen, geben wir automatisch das Signal, dass sie uns nicht viel wert ist. Wie kann man aber verlangen, dass andere etwas wertschätzen, was man selbst nicht für verteidigenswert hält.
Ein Stück weit Terrain haben wir im Bereich der Meinungsfreiheit aufgegeben. Hier schaut die Mehrheit zu, wie Islamisten durch Drohungen versuchen, andere mundtot zu machen. Zu den Opfern dieser Vorgehensweise gehören alle drei, welche gestern auf dem Podium diskutierten. Im Kampf gegen den Islamismus ergeben sich Allianzen, deren einziges Bindeglied die Ablehnung des Islamofaschismus ist.
Wir haben Religionsfreiheit in diesem Lande. Nach meinem persönlichen Eindruck geht mit der Diskussion um den Islam einher, dass häufig die jeweilige eigene Weltanschaung angepriesen wird. Gläubige Christen sehen die Lösung gegen den radikalen Islam in ihrer Religion und Atheisten respektive Agnostiker wollen mit einem Abwasch gleich alle Religionen verdammen. Es erscheint mir, alle Gruppen radikalisieren sich ein Stück weit im Vergleich zu noch vor zehn Jahren. Das Thema Religion ist weit verbreiteter als es noch in den neunzigern war.
Wir müssen aufpassen, dass der ehemalige pakistanische Botschafter nicht Recht behält. Dies nicht, weil wir dem radikalen Islam nichts entgegen zu setzen hätten. Das nämlich haben wir, und zwar in Form der FDGO mit der Gewährung der Menschenrechte für einen jeden. Sondern deshalb, weil wir uns nicht einig sind, was die Werte des Westens ausmachen. Einer dieser Werte ist die Religionsfreiheit. Keine Religion darf damit als Gegenmittel zum Islam auserkoren werden, aber auch keiner Religion anzugehören darf daher nicht als Allheilmittel angepriesen werden. Beides bedeutet nämlich nichts anderes, als ebenfalls das zu betreiben, was die Islmofaschisten versuchen: andere ihrem Glauben unterzuordnen. Die Religionsfreiheit ist eines der Wesensmerkmale der FDGO. Dass jeder die Freiheit hat zu wählen ob er glaubt oder nicht, dass jeder eine Religion ausüben oder es bleiben lassn kann, das ist ein existentielles Menschenrecht.
Die Diskussion gestern war ein wichtiger Schritt. Zeigte sie doch auch, dass es nicht reicht, gegen etwas zu sein, solange keine Einigkeit darüber besteht, wofür man eintreten sollte. Dies muss die FDGO sein und nichts anderes. Das ist der gemeinsame Nenner gegen den radikalen Islam und der eigene Glaube oder Nichtglaube sollte bei diesen Diskussionen nicht das sein, was man durchsetzen möchte. Ich sehe der Weiterentwicklung der islamkritischen Konferenz mit Spannung entgegen. Bei der Auftaktveranstaltung vermisste ich Muslime. Es wäre wichtig, dass sich an dieser Konferenz alle Gruppen der Bevölkerung beteiligen. Geht es doch um die FDGO und nicht darum, einzelne Interessen durchzusetzen.
—
Siehe auch:
- Einmal Muslim, immer Muslim, 29. November 2007,
- Reformislam, 29. Mai 2006.
Einmal Muslim, immer Muslim
Vor einigen Tagen war ich mit Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrates der Ex-Muslime, zum Frühstück verabredet. Ihre Kernaussagen zum Islam, dem Umgang der Politik und der Gesellschaft mit dem Islam können Sie im Folgenden nachlesen:
Die traditionelle Linke betreibt einen Kulturrelativismus mit der Folge, dass der Bürger Angst hat, sich an das Problem Islam heranzutasten, so Ahadi. Die Bürger sehen die Probleme mit dem Islam, bekommen aber zu hören, es gebe keine.
Die Politik relativiert die Probleme durch den Islam und bleibt so dem Bürger die Antworten auf seine Fragen schuldig. Die Politik muss aber Antworten auf die Fragen geben, wie wir mit der Sharia, den Kopftüchern etc. umgehen müssen. Ängste oder Skepsis dem Islam gegenüber begegnet man mit Begriffen wie Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, um so zu versuchen, diese zu unterdrücken.
Der Islam ist aber eine Religion und von daher sind diese Begriffe hier nicht anwendbar. Es ist deshalb wichtig, dass sich mehr „Ausländer“ in die Debatte einmischen. Die Probleme nämlich sind nicht in ihrer Herkunftskultur begründet, sondern im Islam. Es ist rassistisch zu sagen, Verhaltensweisen, welche nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind, gehören zu einem bestimmten Kulturkreis. Die Politik würde so auch diejenigen „Ausländer“ im Stich lassen, welche das Kind beim Namen nennen und sagen, die Religion des Islam sei das Problem und nicht die Herkunftskultur.
Scharf kritisiert Ahadi, dass Vertreter islamischer Organisationen von der Politik als Gesprächspartner anerkannt werden. Auf diese Weise falle man insbesondere den Frauen in den Rücken. Der Islam, so Ahadi, ist mittelalterlich, frauenfeindlich und patriarchisch. Indem man seine Repräsentanten als Gesprächspartner auf Augenhöhe annimmt, verharmlost man die Probleme der Frauen. Die Familienpolitik des Islam weltweit wird damit gerechtfertigt, dass dies in der Kultur der jeweiligen Länder liege. Sie selbst, so Ahadi, kenne zwar keinen Politiker, der nicht gegen diese Barbarei sei, aber dies würde nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen. Man sehe weg und übe keine offene Kritik mit der Begründung, die Regime seien nun mal an der Macht und daher müsse man den Dialog suchen.
Ahadi erklärte, es sei Augenwischerei zu denken, Steinigungen finden in anderen Kulturen, weit weg von Deutschland statt und daher könne man sich ein Wegsehen erlauben. Der Islam nämlich praktiziere auch in unserer Kultur die gleichen Methoden der Frauenunterdrückung wie in den fernen Ländern.
Die praktizierte Trennung Islam und Islamismus ist sachlich falsch. Man kann, so Ahadi, die politische Komponente nicht von der religiösen trennen. Der Islam hat die Kapazität, Fatwas zu verhängen, an welche die Gläubigen sich halten müssen. Unterscheiden kann man nur, wie die Menschen mit dem Islam umgehen. 90% ihrer eigenen Familie sind Muslime. Diese sind zwar traditionelle Muslime, lehnten aber z.B. das iranische islamistische Regime ab. Ahadi geht davon aus, dass es hier in Deutschland bei den meisten Muslimen nicht anders sei und diese werden sich auch nicht durch die Repräsentanten der islamischen Organisationen vertreten sehen.
Dadurch, dass man islamische Organisationen in Fragen über die Religion hinaus einbeziehen würde, billigt man auch hier in Deutschland dem Islam die politische Komponente zu. So erhebt man z.B. bei der Integrationspolitik die Sprecher der islamischen Organisationen zu Vertretern aller Einwanderer aus islamischen Ländern. Man ignoriert auf diese Weise, dass nicht alle Menschen aus diesen Ländern Muslime sind. Christen, Atheisten etc. werden so zu Muslimen gemacht. Bestimmte „Ausländergruppen“ werden pauschal als Muslime behandelt. Auch die Bevölkerung spricht mittlerweile nicht mehr von „Ausländern“, sondern von Muslimen, wenn die Herkunftsländer islamisch seien; dies dann sogar nach dem Motto: einmal Muslim, immer Muslim. Man hat keine Chance, aus der muslimischen Ecke herauszukommen.
Jegliches Verständnis fehlt Ahadi dafür, dass mit muslimischen Organisationen zusammen gearbeitet wird, die in der Heimat islamistische Regime unterstützen. Auch kann Ahadi nicht nachvollziehen, dass mit Organisationen gesprochen wird, ohne zu fordern, dass diese sich nachhaltig gegen bestimmte Fatwas aussprechen. Für sie ist es nicht glaubwürdig, wenn Organisationen beteuern, sie stünden hinter der FDGO, aber nicht einschreiten, wenn Muslime gegen die FDGO handeln. Gegen den rechten Faschismus sprechen sich alle aus. Beim Islamofaschismus wird weggesehen und relativiert - in der Bevölkerung wie in der Politik, so Ahadi. Für die Werte unserer FDGO trete man gegenüber dem Islamfaschismus nicht ein.
Zum Iran erklärte Ahadi, dass sie gegen einen militärischen Angriff mit dem Ziel, das Regime zu beseitigen, sei. Es gibt eine breite Bewegung, welche das Regime loswerden will und es auch schaffen wird, so Ahadi.
Ex-Muslime fordern kopftuchfreie Schulen
Podiumsdiskussion mit Mina Ahadi, Ralph Giordano und Günter Wallraff in Köln
Köln. Die Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime (ZdE), Mina Ahadi, fordert kopftuchfreie Schulen. In einer Erklärung des Zentralrats heißt es, der Staat solle ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen und Schülerinnen an öffentlichen Schulen einführen. Dieser Schritt sei notwendig, um Mädchen aus streng muslimischen Familien in ihrem Emanzipationsstreben zu unterstützen. Zwar sei es für eine offene Gesellschaft keineswegs unproblematisch, wenn der Staat in die Kleiderordnung seiner Bürger eingreife, dies dürfe jedoch nicht dazu führen, dass man jene gewähren ließe, die die offene Gesellschaft am liebsten ganz abschaffen würden. Die Verschleierung von Mädchen sei eine Form von „mentaler Kindesmisshandlung“, gegen die der Staat einschreiten müsse. Auf der Grundlage der Verfassung könnten nur „aufgeklärte Versionen des Islam“ toleriert werden, die etwa die Gleichberechtigung von Mann und Frau akzeptierten.
Ahadi will die Forderung nach einem Kopftuchverbot am 1. Dezember in Köln im Rahmen einer von der Giordano Bruno Stiftung veranstalteten Podiumsdiskussion begründen. Mit ihr kontrovers diskutieren werden die Schriftsteller Ralph Giordano und Günter Wallraff, die in den letzten Monaten ebenfalls mit islamkritischen Äußerungen für Schlagzeilen gesorgt haben. Die Debatte unter dem Titel „Aufklären statt verschleiern! - Islam in Deutschland“ wird vom Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, moderiert werden und ist als Auftaktveranstaltung zur „Kritischen Islamkonferenz“ im Frühjahr/Sommer 2008 gedacht. Veranstaltungsort der Diskussion am kommenden Samstag ist die Aula der Universität Köln (Albertus-Magnus Platz 1). Die Veranstaltung beginnt um 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier und hier.
Kollektiver Minderheitenschutz
Der Politikwissenschaftler Dr. Samuel Salzborn hatte sich zwar schon am 5. April dieses Jahres im Interview mit dem „Standard“ zu dem in Europa praktizierten Minderheitenschutz von Volksgruppen geäußert. Seine Worte sind jedoch nach wie vor aktuell:
Es gibt zwei grundlegende Positionen des Minderheitenschutzes: Einerseits den Ansatz, das Individuum bzw. die Einzelperson vor Diskriminierung zu schützen. Die andere Linie orientiert sich am Kollektiv, sie will nicht den Einzelnen schützen, sondern eine Kultur, ein Brauchtum, eine Sprache quasi konservieren. Dieser zweite Ansatz fasst im europäischen Rahmen immer mehr Fuß und trägt meiner Meinung nach dazu bei, Konflikte zu schüren. Dieser kollektivrechtliche Minderheitenschutz ist eine bedenkliche Entwicklung. Durch Integrationsmaßnahmen und Aufklärungsarbeit, auch im Bildungsbereich, könnte man hingegen Verständigung fördern, statt Kulturen voneinander zu trennen - denn das ist die Folge von kollektivrechtlichen Vorstellungen: Dass die Menschen in homogen abgeschlossenen Räumen leben sollen. Ein Historiker, Karl Heinz Roth, hat das einmal zutreffend die Gefahr der Entstehung von “Volksgruppenzoos” genannt.
Dieser kollektive Minderheitenschutz wird auch in Bezug auf den Islam als religiöse Minderheit in Deutschland praktiziert. Die heterogene Gruppe der Muslime genießt einen kollektiven Schutz in ihrer Religionsausübung, der es ermöglicht, dass innerhalb der Gruppe Individualrechte, z.B. Frauenrechte, beschnitten werden. Necla Kelek beschreibt dies so:
Es gibt eine Reihe großer sozialer Probleme mit der deutschen Sprache, in Familien, in der Erziehung, in Fragen der Gleichberechtigung der Frauen, Jungenkriminalität, der Gewalt in der Familie und der Integration. Drängende Fragen, deren Lösung die den Einsatz und das Geld der Muslime eher bräuchten, als das sie mit Repräsentativbauten Stärke zeigen sollten. Immer wenn diese Probleme angesprochen werden, wird behauptet, dass habe nichts mit dem Islam zu tun. Aber eine Religion, die den Anspruch erhebt, alle Aspekte des öffentlichen und privaten Lebens eines Gläubigen in Vorschriften, Gebote und Traditionen zu fassen, kann sich nicht bei erstbester Gelegenheit vor den Folgen dieses Anspruches drücken.
Darüber hinaus beobachte ich, dass der Schutz vor Diskriminierung von Muslimen dazu führen kann, dass man den Antidiskriminierungsschutz von anderen Minderheiten vernachlässig. Hier seien z.B. Homosexuelle genannt. Mir scheint die Gesellschaft überfordert, wie man der Homophobie in einigen muslimischen Kreisen begegnen soll. Deutliche Worte zu dieser Erscheinung werden vermieden, weil man eine Gruppe nicht unter Generalverdacht stellen möchte. Ebenso verhält es sich mit dem muslimischen Antisemitismus. Dieser ist ein Import aus dem Nahost-Konfliktes. Ein Aprangern dieses Antisemitismus, der sich unter Muslimen verbreitet, wird gescheut, weil man - wie auch beim Problem mit der Homophobie und den Frauenrechten - vermeiden möchte, dass eine Minderheit als solche angegriffen wird.
Eine Minderheit vor berechtigter Kritik schützen zu wollen, ist „positive Fremdenfeindlichkeit“. Minderheitenschutz soll Diskriminierung von Menschen verhindern, d.h. ihre gezielte Benachteilung aufgrund der Tatsache, dass sie einer bestimmter Gruppe angehören. Ziel des Minderheitenschutzes ist es, eine Gleichbehandlung zu gewährleisten. Minderheitenschutz sollte aber nicht dazu führen, dass Menschen, nur weil sie einer Minderheit angehören, andere diskriminieren können.







